ChatGPT: So nutzen Sie die KI richtig – und arbeiten effizienter
Tausende Mitarbeiter nutzen ChatGPT allein in Deutschland. Doch kaum einer schöpft das volle Potential der KI aus.
Foto: dpaDüsseldorf. Millionen von Menschen in Deutschland haben bereits KI-Textroboter wie ChatGPT ausprobiert. Aber viele sind enttäuscht. Die Ergebnisse seien nicht gut genug, um sie im Arbeitsalltag zu nutzen, heißt es oft.
Dabei fehlt den meisten wahrscheinlich nur das nötige Grundwissen und ein bisschen Übung. Denn Texte mit KI zu erstellen, heißt nicht, dass sie sich wie von Geisterhand vollständig von allein generieren. Zunächst müssen Sie sich einige Gedanken über den richtigen „Prompt“ machen. Dabei handelt es sich um Ihre Eingabe in den Textgenerator, also etwa bei ChatGPT. Diese Eingabe kann eine Frage oder Aufforderung sein.
Ein Beispiel: Nehmen wir an, Sie möchten einen Artikel über Zeitmanagement erstellen. Die einfachste Eingabe dafür wäre: „Schreibe einen Artikel über Zeitmanagement.“
Sie können es direkt einmal ausprobieren. Das Ergebnis wird wahrscheinlich recht gut sein. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass Sie den Text mehr oder weniger eins zu eins nutzen können, ist gering. Sie wird mutmaßlich nicht genauso klingen, wie Sie sich das vorgestellt haben.
Wie also sollten Sie vorgehen? Bevor Sie einen Prompt verfassen, stellen Sie sich die folgenden sechs W-Fragen:
- Was soll ChatGPT genau für mich tun?
- Wie soll das Endprodukt aussehen?
- Welchen Sprachstil soll ChatGPT verwenden?
- Wer ist meine Zielgruppe?
- Wo liegt der Hauptfokus meines Inhalts?
- Welche zusätzlichen Informationen kann ich bereitstellen?
Ranga Yogeshwar über Künstliche Intelligenz und die Zukunft der Menschheit
Die Antworten auf diese Fragen sollten Sie sich notieren. All diese Informationen gehören nämlich in einen richtig guten Prompt.
>>> Lesen Sie hier: Was Sie über ChatGPT wissen sollten
ChatGPT: So gelingt Ihnen ein richtig guter Prompt
Anderenfalls lassen Sie ChatGPT zu viel Spielraum. Und je unklarer Ihre Eingabe ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Sie mit dem Ergebnis unzufrieden sind.
Nachfolgend finden Sie Überlegungen, die hinter dem obenstehenden Prompt stecken könnten.
Und um es noch konkreter zu machen, einige Überlegungen, die in Ihren Prompt zum Zeitmanagement einfließen könnten.
KI: Was soll ChatGPT genau für mich tun?
- ChatGPT soll einen Artikel zum Thema Zeitmanagement verfassen.
- Der Artikel soll spezifisch auf Führungskräfte in der Tech-Branche zugeschnitten sein.
- ChatGPT soll sowohl theoretische Aspekte als auch praktische Anwendungen des Zeitmanagements abdecken.
Wie soll das Endprodukt aussehen?
- Der Artikel soll ein detaillierter Blogbeitrag sein.
- Er sollte eine ausgewogene Mischung aus Erklärtext, Listen und Beispielen beinhalten.
- Der Beitrag soll leicht lesbar, informativ und praxisorientiert sein.
Welchen Sprachstil soll ChatGPT verwenden?
- Der Schreibstil soll professionell, aber zugänglich sein.
- Fachjargon sollte auf ein Minimum beschränkt und gut erklärt werden.
- Die Sprache sollte motivierend und inspirierend sein, um die Leser zum Handeln zu bewegen.
Wer ist meine Zielgruppe?
- Die primäre Zielgruppe sind Führungskräfte in der Technologie-Branche.
- Der Artikel sollte auch für Personen interessant sein, die ihre Zeitmanagement-Fähigkeiten verbessern möchten.
- Der Text könnte auch nützlich sein für Personen, die in einer schnelllebigen, von Technologie getriebenen Arbeitsumgebung tätig sind.
>>> Lesen Sie hier: So schützen Sie ihre privaten Daten vor ChatGPT
Wo liegt der Hauptfokus meines Inhalts?
- Der Hauptfokus liegt auf effektivem Zeitmanagement.
- Der Artikel soll spezifische Techniken wie die Eisenhower-Matrix und die Pomodoro-Technik umfassen.
- Er sollte auch darauf eingehen, wie man trotz eines vollen Terminkalenders Prioritäten setzt und Pausen effektiv nutzt.
- Fallbeispiele zur Demonstration der Auswirkungen von gutem Zeitmanagement auf Produktivität und Work-Life-Balance sind entscheidend.
Welche Kontext-Informationen kann ich bereitstellen?
- Ich bin ein erfahrener Business-Coach, der sich auf die Technologie-Branche spezialisiert hat.
- Es wäre nützlich, meine eigenen Erfahrungen und Erfolge im Zeitmanagement zu teilen.
- Ich kann Klienten-Erfolgsgeschichten bereitstellen.
- Informationen über meine Methoden und Ansätze im Zeitmanagement könnten den Artikel bereichern.
All das sind natürlich nur Beispiele. Je mehr konkrete Informationen dieser Art Sie in den Prompt einspeisen, desto wahrscheinlicher wird es, dass Sie den Text praktisch unverändert etwa direkt auf Ihrer Internetseite veröffentlichen können.
Wie aber lautet nun der verbesserte Prompt für ChatGPT?
„Verfasse als erfahrener Business-Coach mit Spezialisierung auf die Technologie-Branche einen detaillierten Blogbeitrag für Führungskräfte. Der Artikel soll effektive Zeitmanagement-Techniken wie die Eisenhower-Matrix und die Pomodoro-Technik erläutern, praktische Tipps zum Setzen von Prioritäten und effizienter Pausengestaltung in einem vollen Terminkalender bieten.
Beziehe eigene Erfahrungen und Erfolgsgeschichten von Klienten ein, um die Anwendbarkeit und Effektivität der vorgestellten Methoden zu demonstrieren. Der Stil soll professionell, aber zugänglich und lebendig sein, mit dem Ziel, die Leser zu motivieren, ihre Zeitmanagement-Fähigkeiten zu verbessern und ihnen zu zeigen, wie dies zu gesteigerter Produktivität und einer besseren Work-Life-Balance führen kann.“
Mit diesem Prompt werden Sie bereits ein deutlich besseres Ergebnis erzielen. Die gute Nachricht: Sollten Sie auch nach der Eingabe eines so ausführlichen Prompts noch nicht zufrieden sein, müssen Sie nicht von vorne anfangen. Sie können jederzeit nachjustieren. In unserem Beispiel könnten Sie zum Beispiel erneut in das Eingabefeld schreiben:
- Mir gefällt die Einleitung nicht.
- Die methodischen Ansätze kommen zu kurz.
- Der Sprachstil sollte professioneller sein
Sie können auch Fragen stellen, etwa:
- Hast du Ideen für weitere Themen, die ich in den Blogbeitrag aufnehmen könnte?
- Was wäre ein passenderer Titel für den Blogartikel?
Die Interaktion mit ChatGPT ist ein iterativer Prozess. Mit der Zeit werden Sie ein Gefühl dafür bekommen, wie Sie Ihre Prompts formulieren müssen, damit das Ergebnis Ihren Erwartungen entspricht.
Sebastian Hennes leitet den Handelsblatt Management Campus.
Erstpublikation: 28.10.2023, 14:00 Uhr.