Schweizer Großbank: UBS fährt wegen der Credit-Suisse-Integration 785 Millionen Dollar Verlust ein
Zürich. x
Nach dem Rekordgewinn folgt ein Verlust: Die UBS hat das dritte Quartal mit einem Nettoverlust von 785 Millionen Dollar abgeschlossen. Für die UBS ist es der erste Quartalsverlust seit sechs Jahren. Im Vorquartal hatte sie noch einen Rekordgewinn von 29 Milliarden Dollar ausgewiesen. Grund dafür war seinerzeit die erstmalige Verbuchung des Eigenkapitals der im März übernommenen Credit Suisse.
Das aktuelle Quartalsergebnis ist ebenfalls noch stark beeinflusst von den Folgen der Notübernahme des einst größten heimischen Konkurrenten. Den Verlust vor Steuern beziffert die UBS für das dritte Quartal auf 255 Millionen Dollar. Die Analysten hatten im Schnitt mit einem Minus von mehr als 400 Millionen Dollar gerechnet.
Bereinigt um die Kosten der CS-Integration lag das Ergebnis bei positiven 844 Millionen. Das ist zwar nur etwa halb so viel wie im Vorjahresquartal, als die UBS und die Credit Suisse noch zwei separate Institute waren. Trotzdem verlief das vergangene Vierteljahr operativ besser als von vielen Experten erwartet.
Der Bank sei es gelungen, Vermögen zurückzugewinnen, das Kunden auf dem Höhepunkt der Krise bei der Credit Suisse abgezogen hatten, sagte UBS-Chef Sergio Ermotti. „Die Kunden vertrauen uns weiterhin, was zu starken Zuflüssen in der Vermögensverwaltung und unserem Schweizer Geschäft geführt hat.“ Die UBS-Aktie notierte am Dienstagmittag rund drei Prozent im Plus.
Vontobel-Analyst Andreas Venditti lobte: „Die UBS hat seit dem Abschluss des Deals deutliche Fortschritte gemacht.“ Im Sommer hatte die UBS die staatlich verordnete Notübernahme der Krisenbank Credit Suisse juristisch vollzogen. Venditti schränkte jedoch ein, die Bank stehe „weiterhin vor einer gewaltigen Aufgabe“, etwa wenn es darum gehe, Kunden und wichtige Mitarbeiter zu binden, die IT-Infrastrukturen anzugleichen oder juristische Altlasten abzubauen.
Beim Abbau eines von der Credit Suisse übernommenen Portfolios mit komplexen Wertpapieren kommt die UBS nach eigenen Angaben schnell voran. Doch das kostet Geld: Insgesamt 2,1 Milliarden Euro betrugen die Restrukturierungskosten im abgelaufenen Quartal.
Credit-Suisse-Kunden kehren zurück
Das Kerngeschäft immerhin ist profitabel: Die globale Vermögensverwaltung wies einen Vorsteuergewinn von einer Milliarde Dollar aus. Auch die fusionierte Privat- und Firmenkundenbank von UBS und Credit Suisse warf knapp eine Milliarde vor Steuern ab. 33 Milliarden Dollar legten die Kunden in beiden Sparten als Einlagen neu bei der UBS an. Zwei Drittel kam von früheren Kunden der Credit Suisse.
Der Vermögensverwaltung flossen 22 Milliarden Dollar Neugelder zur Veranlagung zu, drei Milliarden Dollar davon in der ehemaligen Credit-Suisse-Vermögensverwaltung. „Ermotti hat die Mittelabflüsse bei der Credit Suisse in den Griff bekommen“, sagte Filippo Alloatti, Experte für Bankanleihen bei Federated Hermes, im Gespräch mit dem Handelsblatt. Das sei angesichts der desolaten Lage, in der sich die Bank auf dem Höhepunkt der Krise befunden habe, wichtig gewesen.
Gleichzeitig sortiert die neue UBS jedoch Kunden der alten Credit Suisse aus: Die Bank hat Vermögen über 30 Milliarden als „nicht strategisch“ klassifiziert und Kundenbeziehungen mit einem verwalteten Vermögen über fünf Milliarden Dollar beendet.
Rote Zahlen schreibt dagegen die Investmentbank. Die Erlöse in Höhe von 2,1 Milliarden Dollar reichten nicht aus, um die Kosten von knapp 2,4 Milliarden Dollar zu decken.
Ansonsten kommt die größte Schweizer Bank bei ihren Sparbemühungen jedoch voran. Um insgesamt drei Milliarden Dollar gegenüber 2022 konnte die UBS in den ersten neun Monaten die Kosten senken. „Ein ziemlicher Erfolg“, wie Anleiheexperte Alloatti vom Vermögensverwalter Federated Hermes kommentiert. „Ermotti hat den Ruf, ein guter Kostensenker zu sein. Und bisher ist die Integration weitgehend reibungslos verlaufen.“
Weitere Fortschritte beim Sparkurs seien im vierten Quartal zu erwarten, so die Bank weiter. UBS-Chef Ermotti hat sich zum Ziel gesetzt, in den kommenden drei Jahren zehn Milliarden Dollar einzusparen. Neue Ziele will die Bank bei der Vorlage der Jahresbilanz 2023 im Februar nächsten Jahres vorlegen.
Dann müsse Ermotti den Fokus auf die zukünftigen Ertragsquellen legen, so Experte Alloatti: „Im Moment stehen Kostensenkungen im Fokus.“ Doch das reiche künftig nicht mehr. Der UBS-Chef müsse darlegen, „wie er aus der Credit Suisse künftig eine Stütze für die neue UBS machen will“.