Fußball-Liga: DFL erwartet Gebote von mindestens vier Finanzinvestoren
Nach dem neuen Modell soll der Investor kein Mitspracherecht bei der Gestaltung des Spielplans oder der Liga bekommen.
Foto: dpaMünchen. Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) hat fünf Finanzinvestoren eingeladen, sich um eine Beteiligung an den Vermarktungsrechten der Bundesliga zu bewerben. Sie sollen dafür in den nächsten Jahren 900 Millionen bis eine Milliarde Euro an die DFL zahlen, wie aus einem der Nachrichtenagentur Reuters vorliegenden Schreiben des Ligaverbandes an die 36 Profivereine hervorgeht.
„Aus Sicht des Präsidiums kommen als zukünftige strategische Vermarktungspartner Advent, Blackstone, Bridgepoint, CVC und EQT in Betracht, die mit ihrer Expertise die Weiterentwicklung des DFL-Geschäftsmodells, unter anderem die Stärkung des nationalen Medienprodukts und den Ausbau des digitalen und internationalen Geschäfts der DFL, unterstützen können“, heißt es dort.
Von mindestens vier der genannten Investoren erwartet die DFL Anfang Dezember vorläufige Gebote, ein Fragezeichen stehe nur hinter Bridgepoint, sagten zwei mit dem Vergabeprozess vertraute Personen. Am 11. Dezember sollen die Klubs auf einer Mitgliederversammlung grünes Licht geben, damit das Präsidium der DFL die Verhandlungen abschließen kann. Dort ist eine Zwei-Drittel-Mehrheit nötig.
Für den Betrag von bis zu einer Milliarde Euro sollen die Finanzinvestoren für 20 Jahre maximal acht Prozent an einer neu zu gründenden Vermarktungsgesellschaft erwerben, bei der die Fernseh-, Werbe- und Digital-Rechte an der Bundesliga liegen sollen. Realistisch sei ein Anteil von sechs bis sieben Prozent, sagte ein Insider.
Es gehe um die „Sicherung der sportlichen und wirtschaftlichen Wettbewerbsposition der Bundesligen“, heißt es in dem Schreiben an die Vereine. Ein erster Anlauf zum Einstieg von Investoren, die bis zu zwei Milliarden Euro in Aussicht gestellt hatten, war im Frühsommer an der Skepsis zahlreicher Klubs gescheitert.
DFL behält Kontrolle, Finanzplan ist festgelegt
Nach dem neuen Modell soll der Investor kein Mitspracherecht bei der Gestaltung des Spielplans oder der Liga bekommen, auch den Chefposten der Vermarktungsgesellschaft soll die DFL allein bestimmen können. Die Verwendung der Mittel ist vorab geregelt.
600 Millionen soll die Liga über sechs Jahre selbst erhalten, um unter anderem eine eigene Streaming-Plattform aufzubauen, die mehr Aufmerksamkeit auf die Bundesliga im Ausland lenken soll. 100 Millionen Euro bekommen die Klubs für ihre Auslandsaktivitäten.
Die Bundesliga ist in Südamerika oder Asien weit weniger beliebt als die englische Premier League oder die spanische La Liga. Die restlichen 200 bis 300 Millionen Euro sollen unter den Klubs dafür verteilt werden, dass sie ihre Digital-Rechte teilweise an die DFL abgeben.
Die DFL und die genannten Interessenten wollten sich zu dem Dokument nicht weiter äußern. Die besten Chancen räumen Insider EQT und Blackstone ein. CVC könnte eine Klausel zum Verhängnis werden, wonach die DFL einen Käufer ablehnen kann, der bereits an einem Konkurrenten beteiligt ist. CVC hält Medienrechte an den Fußball-Ligen in Frankreich und Spanien.