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Anshu und AjitDie Jains regieren die Welt

Seit dem 1. Juni ist Anshu Jain Chef der Deutschen Bank. Weniger bekannt ist sein Cousin Ajit Jain, Herr über Warren Buffetts Versicherungsgeschäft. Der „Rockstar der Branche“ könnte Anshu bald in den Schatten stellen.Nils Rüdel 01.06.2012 - 15:29 Uhr Artikel anhören

Ajit Jain ist der Cousin von Anshu Jain.

Foto: Reuters

Washington. Es ist rund zehn Jahre her, da hatte Anshu Jain eine schicksalhafte Begegnung in Omaha, Nebraska. Jain war zu Gast bei Berkshire Hathaway, jener legendären Investmentgesellschaft und ihrem noch legendäreren Chef, Warren Buffett. Jain und Buffett also aßen gemeinsam zu Mittag und redeten mehrere Stunden. Später war der alte Multimilliardär begeistert.

„Dieser Junge”, soll Buffett gesagt haben, „wird über kurz oder lang eine Investmentbank leiten”.  Mit dem heutigen Freitag, wenn Anshu Jain gemeinsam mit Jürgen Fitschen seinen neuen Job als Chef der Deutschen Bank antritt, sollte das „Orakel von Omaha“ wieder einmal Recht behalten haben.

Erzählt hat die Geschichte Ajit Jain im vergangen Jahr im „Spiegel“. Er ist Anshus älterer Cousin, bei Berkshire Chef des Versicherungsgeschäfts – und er hatte das Treffen in Omaha persönlich eingefädelt. Anders als seinen jüngeren Vetter kennt Ajit Jain außerhalb der Branche allerdings kaum jemand.

Die Vorstandssprecher der Deutschen Bank
Anshu Jain und Jürgen Fitschen lösen Josef Ackermann auf dem Chefposten der Deutschen Bank ab. Die bisherigen Vorstandssprecher und -vorsitzenden im Überblick:
Der gelernte Banker handelt 1952 das Londoner Schuldenabkommen aus, das die deutsche Wirtschaft im Ausland wieder glaubwürdig macht. Ministerangebote von Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) schlägt er aus. Als Aufsichtsratsvorsitzender von zeitweise bis zu 30 Aktiengesellschaften erlangt Abs später enormen wirtschaftlichen Einfluss in der Bundesrepublik.
Die erste Doppelspitze besteht, bis Klasen 1970 Präsident der Bundesbank wird. Ulrich setzt sich gegen den „Ausverkauf“ der deutschen Wirtschaft ins Ausland ein. Die Deutsche Bank übernimmt etwa 29 Prozent des Grundkapitals der Daimler-Benz AG von der Familie Flick.
Christians gilt als „Außenpolitiker“ und Vorreiter der Annäherung an die Sowjetunion. Die Deutsche Bank finanziert 1970 das bis dahin größte Ost-West-Handelsgeschäft: Mannesmann-Röhren für Gasleitungen gegen sowjetisches Erdgas. 1985 erzielt die Bank eine Milliarde Mark Gewinn durch Zerlegung und Verkauf der Flick-Gruppe.
Der Politikwissenschaftler will die Deutsche Bank zu einem Institut mit Weltstatus umbauen. Er fädelt große Übernahmen anderer Geldhäuser ein. Das „Allfinanz“-Konzept (Finanzprodukte aus einer Hand) wird zum Vorbild für andere deutsche Banken. Herrhausen kommt 1989 durch ein Attentat der RAF ums Leben.
Kopper baut das Investmentbanking aus und richtet die Bank zunehmend international aus. Eine der größten Pannen ist der Crash des Immobilien-Imperiums von Jürgen Schneider. Aus Koppers Bemerkung, offene Rechnungen in Höhe von 50 Millionen Euro seien „Peanuts“, wird das Unwort des Jahres 1994.
Als „Mister Finanzplatz“ baut er Frankfurt zu einem internationalen Finanzstandort aus. Ein Rückschlag ist 2000 die gescheiterte Fusion mit der Dresdner Bank. Später äußert sich Breuer kritisch zur Kreditwürdigkeit Leo Kirchs. Der Medienkonzern bricht zusammen, der Unternehmer verklagt Breuer und die Deutsche Bank. Eine juristische Dauerfehde beginnt.
Der Schweizer polarisiert wie kaum ein anderer Bankmanager. Im Mannesmann-Prozess zeigt er 2004 im Gerichtssaal das Victory-Zeichen, 2005 streicht er tausende Stellen und verkündet zugleich ein Renditeziel von 25 Prozent. Die Deutsche Bank wird unter Ackermann eine weltweit führende Investmentbank, er steuert sie ohne Staatshilfen durch die Finanzkrise.
Anshu Jain und Jürgen Fitschen übernehmen als gleichgestellte Vorstandschefs das Ruder bei Deutschlands größter Bank.

Und doch könnte der untersetzte, als unscheinbar beschriebene 60-Jährige bald mächtiger sein als Anshu: Jain gilt bei Berkshire als aussichtsreicher Nachfolgekandidat des 81-jährigen, krebskranken Buffett. 

Die beiden Jains verbindet neben ihrer Wurzeln in einer indischen Mittelschichtsfamilie ihre Religion, der Jainaismus. Für die Anhänger dieser mehr als zweitausend Jahre alten Glaubensgemeinschaft haben Bildung, Aufstieg, Askese und Selbstdisziplin einen hohen Stellenwert. Viele haben es deshalb zu Spitzenpositionen in der Wirtschaft gebracht.

Besonders erfolgreich war dabei Ajit Jain. Der gebürtige Inder studierte Ingenieurwesen und legte Ende der 70er Jahre noch einen MBA der US-Eliteuni Harvard drauf. Nach Stationen bei IBM in Indien und McKinsey in den USA heuerte er 1986 bei Buffett an – und übernahm schließlich dort die Verantwortung über die Versicherungsbeteiligungen.

Gestartet als ein unscheinbares Nebengeschäft, gehört die Sparte nach Vermögenswerten inzwischen zu den größten Assekuranzen der Welt. Jains Stil beschrieb das „Wall Street Journal“ einmal so: Er sei ein harter Verhandler, und wenn er ein gutes Geschäft wittere,  verzichte er  am liebsten auf die üblichen Scharen an Beratern und Anwälten.  

„Jain ist ein Rockstar in der Versicherungsbranche“, schrieb das Blatt über den Manager, der sich selten in den Medien äußert. Chefs von Weltkonzernen stehen Schlange, um sich beim jährlichen Treffen der Rückversicherer in Monte Carlo mit Jain unterhalten zu können.

Mit seinem 30 Mitarbeiter kleinen Team hat Jain viele Milliarden aus den Versicherungsprämien seinem Chef Buffett für neue Investments herausgeholt. Nicht zuletzt durch spektakuläre Deals wie die millionenschwere Lebensversicherung für den Boxer Mike Tyson.

Kein Wunder, dass ihn Buffett so oft lobte wie kaum einen anderen seiner Manager. „Seine Operationen kombinieren Kapazität, Geschwindigkeit, Entschiedenheit und – am wichtigsten – Köpfchen in einer Weise, die einzigartig ist in der Versicherungswirtschaft“, schrieb Buffett im vergangenen Jahr in seinem Brief an die Aktionäre. An keine einzige Entscheidung Jains könne er sich erinnern, sagte Buffett auf der Hauptversammlung 2011, die er selbst nicht genauso getroffen hätte.

Der Alte hat sich mittlerweile für einen Nachfolger entschieden, allerdings ist der Name noch geheim. Beobachter schließen aber aus dem überschwänglichen Lob des Altmeisters, dass Jain die besten Chancen hat. Oder wie sagte Buffett einmal in Bezug auf seinen Co-Chef Charlie Munger über Jain: „Wenn Charlie, ich und Ajit jemals in einem Boot sitzen sollten, das sinkt, und Du nur einen von uns retten kannst – schwimm zu Ajit“.

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