1. Startseite
  2. Finanzen
  3. Anlagestrategie
  4. Trends
  5. Islam-Investments: Anlegen mit Allahs Segen

Islam-InvestmentsAnlegen mit Allahs Segen

Seit Jahren wächst der Bereich der Islamic Finance. Dem Markt für Islam-konforme Geldgeschäfte wird mittlerweile viel Potenzial zugesprochen. Die Methoden haben ihre Stärken. Was interessierte Anleger wissen sollten.Andreas Toller 01.02.2013 - 20:21 Uhr Quelle: WirtschaftsWoche OnlineArtikel anhören

Dubai: Der Staatsfonds der International Petroleum Investment Company in den Vereinigten Arabischen Emiraten verfügt über ein Vermögen von 65,3 Milliarden US-Dollar.

Foto: dpa

Beim Blick auf die 15 größten Staatsfonds der Welt nach Anlagevolumen fällt vor allem eines auf: Neben den Fondsriesen aus Fernost – allem voran China – dominiert die Gruppe der islamischen Staaten. Allein die sechs größten arabischen Staatsfonds aus Abu Dhabi, Saudi-Arabien, Kuwait und Co. verfügen über ein Anlagevolumen von rund 1700 Milliarden Dollar. In den vergangenen Jahren sind sie hierzulande immer wieder durch hohe Beteiligungen an westlichen Unternehmen und Konzernen aufgefallen. Auch große deutsche Konzerne wie Volkswagen oder Daimler begrüßten die Geldgeber als Großaktionäre.

Islamische Investitionen spielen eine immer größere Rolle in der Finanzwelt. Weltweit wird die Zahl der Muslime auf mehr als 1,6 Milliarden Menschen geschätzt, so die Zahlen des World Muslim Population Report der Universität von Puerto Rico für das Jahr 2010. Rund ein Viertel der Weltbevölkerung gehört damit dem Islam an. Und damit ist auch klar, dass der Markt für Geldanlagen, die dem islamischen Recht – der Scharia – entsprechen, immens groß ist. Das Global Islamic Finance Magazine zitiert den Politiker und Finanzbotschafter Nazrin Shah aus Malaysia– dem führenden Finanzzentrum für Islamic Banking – mit der Schätzung, dass das global verwaltete Vermögen in diesem Bereich inzwischen rund 1,2 Billionen Dollar betrage. Nazrin erinnerte aber daran, dass der Markt noch einen weiten Weg vor sich hat: "Wir sollten nicht vergessen, dass trotz des sehr starken Starts das islamische Finanzsystem noch immer ‘work-in-progress‘ ist."

Die wichtigsten Fragen zum Börsenjahr 2013
Nein. Und das dürfte vorerst auch so bleiben, weil Zentralbanken und Regierungen die Zinsen unten halten. Nur so können sie vermeiden, dass Staaten von den Schulden erdrückt werden. Wer die Inflation schlagen will, muss begrenzt Risiken eingehen. Mit Aktien zum Beispiel.
Wann, wenn nicht jetzt? Zehnjähriges Baugeld gibt’s für 2,5 Prozent, von der staatlichen KfW für eine neue Heizung oder ein gedämmtes Dach sogar ab einem Prozent. Auch der Einsatz von Erspartem lohnt: Auf der Bank bringt es kaum Zinsen, und Investitionen für Dämmung und Heizung schützen gut vor Inflation. Die wird stark von Öl-, Gas- und Strompreisen getrieben. Und: Maßnahmen, die Erhalt und Modernisierung dienen, steigern den Wiederverkaufswert.
Am Garantiezins aus alten Verträgen kann die Finanzaufsicht nur im Notfall rütteln. Wer neu abschließt, bekommt 1,75 Prozent auf Beiträge garantiert, nach Abzug von Provision und Kosten. Der Garantiezins orientiert sich an der Rendite von AAA-Anleihen im Schnitt der vergangenen zehn Jahre (zuletzt 3,7 Prozent). 60 Prozent davon können sich Versicherer als Garantiezins noch leisten – etwa 2,2 Prozent. Noch bleibt Luft.
Das Schweizer Bankgeheimnis ist praktisch erledigt, weitere Steuer- CDs können durchaus noch in die Hände der Finanzbehörden geraten. Und: Per Selbstanzeige kommen Steuerhinterzieher relativ milde davon. Das muss aber nicht so bleiben. Nebenbei: Was passiert, wenn Bürger ihre Steuern nicht zahlen, lässt sich in Griechenland besichtigen.
Jedes Elternteil darf jedem Kind alle zehn Jahre bis zu 400.000 Euro steuerfrei schenken. Schön fürs Kind: Es bekommt das Elternhaus schon zu deren Lebzeiten und spart Steuern. Wer seine Villa nur steueroptimiert übertragen, aber selbst noch bewohnen will, sollte vorsichtshalber ein Nießbrauchsrecht eintragen lassen. Mit Kindern kann man sich zer- streiten, Verschenktes aber nur bei „grobem Undank“ zurückfordern. Die Hürden dafür aber sind hoch.
Käme eine deutsche Bank oder Sparkasse in Schieflage, müssten zunächst die Einlagensicherungs-systeme der Geldhäuser die Sparer entschädigen. Doch klar ist: Bei Pleite einer sehr großen Bank oder einer Kettenreaktion wären die Töpfe schnell leer. Unabhängig davon garantiert daher seit Ende 2010 das Gesetz pro Kopf und Bank 100.000 Euro; wer mehr hat, sollte das Geld also auf mehrere Banken verteilen.
Eher nicht. Aktien sind, gemessen an der global schwachen Konjunktur und der Euro-Krise, zwar schon recht weit gelaufen. Und Aktienkurse zieht es nach unten, wenn die Wirtschaft darbt. Aber Investoren suchen Rendite. Sichere Staatsanleihen bringen zu wenig. Aktien solide geführter Konzerne mit guten Dividenden rentieren höher als Anleihen der Unternehmen. Wer Geld übrig hat, steckt einen Teil in solide Aktien.
Die goldene Regel heißt: Setze nie alles auf eine Karte. Das gilt auch für Währungen. Problem: Die Fluchtwährungen, allen voran der Schweizer Franken, sind schon sehr teuer. Ein paar norwegische, schwedische oder kanadische Staatsanleihen aber können Sie Ihrem Depot ruhig beimischen.
Indem Sie sicherstellen, dass sie etwas bekommen, wenn Ihnen etwas zustößt: Unerlässlich ist eine Risikolebensversicherung, für etwa 30 Euro monatlich gibt es im Todesfall 250 000 Euro. Dazu regelmäßig eine feste Summe ansparen, am besten in Aktien für ein Kinderdepot. Vorsichtige schließen noch eine Kinder-Invaliditätsversicherung ab, die greift weiter als eine Unfallpolice.
Kredite sind billig, Konsum kurbelt die Wirtschaft an. Ist Ihr Job sicher, kaufen Sie sich was Schönes, viel Zinsen gibt es sowieso nicht. Bei Immobilien gilt: Auch Niedrigzins-Kredite müssen verlängert und zurückgezahlt werden. In zehn Jahren können die Zinsen viel höher sein. Wer zu wenig tilgt, ist bis zur Rente nicht schuldenfrei. Baukredite also nur so hoch ansetzen, dass Sie die Rückzahlung in einem vernünftigen Zeitraum stemmen können.
Die Preise sind hoch, eigentlich ein guter Zeitpunkt. Aber die Euro-Krise ist nicht gelöst, Sachwerte bleiben gefragt. Wer verkaufen will, braucht vor allem aber einen Plan, wie er das Geld anlegt. Wer es nur auf dem Sparbuch parken möchte, sollte seine vermietete Wohnung behalten. Das gilt erst recht für das Eigenheim – so man sich wohl darin fühlt.
Im Zweifel ja. Wer Gold als Währung betrachtet, kann Papier immer in Edelmetall tauschen, egal, zu welchem Preis. So gesehen ist Gold das einzige Tauschmittel, das Inflation und Währungsreform überlebt hat. Wer davor Angst hat, kauft Gold – als Versicherung.
Kaum. Solange die EZB Banken Geld für 0,75 Prozent gibt, müssen nur kapitalschwache Institute für zwei bis drei Prozent Geld sammeln. Oft greift dann nur die ausländische Einlagensicherung. Bei Pleiten wird es mühsam, an sein Geld zu kommen.
Klar doch, wenn Sie Spaß daran haben – und etwas davon verstehen. Die Angst vor Inflation treibt die Preise von Sachwerten, auch von schönen, nutzlosen, wie Cézanne und Mercedes SL. Aber Vorsicht: Laien werden von Experten übervorteilt. Lassen Sie sich unabhängig beraten, auch wenn das erst mal Geld kostet.

Denn der Markt für Islam-konformes Investieren ist noch vergleichsweise jung. Erst in den 70er Jahren entstand die erste Islam-Bank. Heute sind es nach Schätzungen immerhin mehr als 300 islamische Finanzinstitute in 75 Ländern. Auch internationale Banken wie HSBC, Citibank, Standard Chartered, Deutsche Bank, BNP Paribas oder ABN Amro mischen bei Islamic Finance mit.

Abseits der ausgetretenen Pfade der klassischen Finanzwelt hat sich so ein Markt für einen alternativen Umgang mit Geld entwickelt. Denn unabhängig vom religiösen Hintergrund dieser Finanzwelt, hat Islamic Finance durchaus ihren eigenen Charme. Das liegt in seinen Regeln begründet, die vor allem sagen, was nicht erlaubt ist.

E-Mail-Newsletter

Investors Update

Damit ein Investment als Scharia-konform gilt, müssen anerkannte Islam-Gelehrte jedem Finanzprodukt oder Finanzdienstleistung die Einhaltung strenger Regeln attestieren und sie als „halal“, also erlaubt, einstufen. Zu diesen Regeln gehört in erster Linie das Zinsverbot des Koran. Gemäß der zweiten Sure des Koran ist es Muslimen verboten, Zinsen zu erheben oder zu bezahlen. Außerdem dürfen keine Geschäfte getätigt werden mit Unternehmen, die ihr Geschäft mit Alkohol, Tabak, Waffen, Schweinefleisch, Glückspiel oder Pornografie bestreiten.

Es gibt noch weitere Einschränkungen: Im islamischen Finanzmodell gilt das Gebot der Risikoteilung. Deshalb müssen die Finanzprodukte und -dienstleistungen im Islamic Banking so konzipiert sein, dass es einen Gewinn für die Übernahme eines finanziellen Risikos gibt. Hohe Verschuldung ist ebenso verpönt wie Spekulation, Investitionen sollen der Gemeinschaft dienen.

Diese Grundsätze haben weitreichende Folgen: Muslime, die sich daran halten wollen, dürfen ebenso wenig in Aktien von Rüstungskonzernen investieren, wie in Banktitel, die von guten Zinsgeschäften profitieren. Selbst die hierzulande so beliebten sicheren verzinsten Sparkonten, gängige Anleihen-Investments oder die Aufnahme von verzinsten Krediten bleiben praktizierenden Moslems wegen des Zinsverbots verwehrt. Sogar Versicherungen und Immobilienfinanzierungen sind unter diesen Vorgaben problematisch.

Was 2012 aus 1.000 Euro wurde
407 Euro
899 Euro
968 Euro
989 Euro
1005 Euro
1014 Euro
1029 Euro
1034 Euro
1038 Euro
1049 Euro
1052 Euro
1069 Euro
1149 Euro
1167 Euro
1203 Euro
1242 Euro
1297 Euro
1299 Euro
1342 Euro
1452 Euro
1576 Euro
2882 Euro

Darüber hinaus leitet sich aus dem Zinsverbot auch das Gebot ab, dass jedem Geldgeschäft ein realwirtschaftlicher Wert – also ein Sachwert oder eine Dienstleistung – zugrunde liegen muss. Nach all den schlechten Erfahrungen mit verbrieften Ramschhypotheken, wertlosen Lehman-Zertifikaten und riskanten Kreditderivaten ist das ein Grundsatz, der wie Musik in den Ohren von nachhaltig orientierten Anlegern klingen muss. Die Regeln des Islamic Finance treffen durchaus einen Nerv, auch bei Nicht-Muslimen und insbesondere vor dem Hintergrund der Erfahrungen aus der Finanz- und Schuldenkrise während der vergangenen fünf Jahre.

Islam-Banken und spezialisierte Finanzdienstleister haben Wege gefunden, eine Vielzahl von Produkten anzubieten, die zwar Scharia-konform sind, aber im Ergebnis den gängigen Anlageprodukten nahekommen. Der Markt steckt allerdings noch in den Kinderschuhen: Erst seit etwa 20 Jahren wächst der Bereich der Islamic Finance um ein größeres Dienstleistungs- und Produktspektrum, das beispielsweise auch die Hypothekenfinanzierung, Liquiditätsmanagement und so etwas wie festverzinsliche Instrumente umfasst.

In Deutschland fehlt bislang eine islamisch geprägte Bank, die all dies anbietet. Deshalb behelfen sich interessierte Anleger und Sparer mit den Angeboten wie myislamicbanking.de oder dem von Taoufik Bouhmidi, Chef des spezialisierten Finanzdienstleisters FMF aus Frankfurt und Betreiber von zinsfrei.de. Bouhmidi bietet Muslimen wie Nicht-Muslimen scharia-konforme Finanzierungs-, Spar- und Anlageinstrumente vermittelt und eine vierstellige Kundenzahl betreut. „Wir verzeichnen eine hohe Nachfrage vor allem nach Immobilienfinanzierungen, Altersvorsorgelösungen und Sparinstrumenten. Das ist grundsätzlich auch mit den konventionellen Banken möglich, aber aufwändiger. Denn die Bank muss dann als Händler und nicht als Geldverleiher agieren“, sagt Bouhmidi.

Die größten Börsenunternehmen der Welt (Stand März 2013)
ChevronMarktkapitalisierung: 231 Milliarden DollarBranche: Ölkonzern
NestleMarktkapitalisierung: 134 Milliarden DollarBranche: Konsumgüter
IBMMarktkapitalisierung: 138 Milliarden DollarBranche: Technologie
MicrosoftMarktkapitalisierung: 240 Milliarden DollarBranche: Technologie
General ElectricMarktkapitalisierung: 240 Milliarden DollarBranche: Mischkonzern
Wal-MartMarktkapitalisierung: 247 Milliarden DollarBranche: Handel
PetroChinaMarktkapitalisierung: 255 Milliarden DollarBranche: Ölkonzern
Berkshire HathawayMarktkapitalisierung: 257 Milliarden DollarBranche: Investment
Exxon MobilMarktkapitalisierung: 403 Milliarden DollarBranche: Ölkonzern
AppleMarktkapitalisierung: 415 Milliarden DollarBranche: Technologie
Der Börsenwert eines Unternehmens (Marktkapitalisierung) wird ermittelt, indem man die Gesamtzahl der börsennotierten Aktien mit dem aktuellen Kurs der Aktie multipliziert. Aktien, die sich nicht im Streubesitz befinden, werden dabei nicht berücksichtigt.Am Beispiel von Apple heißt dies: 938.649.000 Aktien sind im Umlauf, der Kurs der Aktie betrug zum Stichtag der Analyse 425 Dollar. Ergebnis: Ein Börsenwert von rund 398,9 Milliarden Dollar.

Immobilienfinanzierungen nach den Regeln der Muslime stellen in Deutschland noch ein besondere Herausforderung dar. Wegen des Zinsverbots sind etwa die üblichen Annuitätendarlehen mit einem festen Kreditzins nicht erlaubt. Statt dem Kunden einen Kredit zu gewähren, kauft die spezialisierte Bank die Immobilie und verkauft sie gegen Ratenzahlung an den Kunden weiter. Die Bank erhält bei dem Weiterverkauf einen höheren Preis. Damit zahlt der Kunde keine Zinsen, sondern eine Prämie an die Bank. Dieser Umweg hat für den Hauskäufer allerdings oftmals den gravierenden Nachteil, dass in Deutschland die Grunderwerbsteuer zweifach anfällt – was die Finanzierung spürbar verteuert. Andere Länder wie Großbritannien und Frankreich haben deshalb für islamkonforme Finanzgeschäfte die Gesetze und Steuerregeln angepasst. Damit wollen sie dem Markt für Islamic Banking auf die Sprünge helfen.

Echtes Islamic Banking gibt es in der Europäischen Union bislang nur Großbritannien. Die Islamic Bank of Britain im Finanzzentrums London war die erste islamische Bank Europas, die das komplette Servicespektrum für Privatkunden anbot. Nur drei Jahre nach ihrem Start im Jahr 2004 konnte die Bank schon mehr als 60.000 Konten vorweisen.

Die grössten Fehler der Anleger
„Die Neigung, Risiken einzugehen, ist mit zwei demografischen Faktoren verbunden: Geschlecht und Alter. Frauen sind normalerweise vorsichtiger als Männer und ältere Menschen sind weniger bereit, Risiken einzugehen, als jüngere Leute. Die Konsequenzen der Verhaltensökonomik für Anleger sind klar: Wie wir uns bei der Geldanlage entscheiden und wie wir uns bei der Verwaltung unserer Anlage entscheiden, hängt sehr davon ab, wie wir über Geld denken. [...] Sie demonstriert, dass Marktwerte nicht ausschließlich von den gesammelten Informationen bestimmt werden, sondern auch davon, wie menschliche Wesen diese Informationen verarbeiten.“
„An sich ist Zuversicht ja keine schlechte Sache. Aber übertriebene Zuversicht ist etwas ganz anderes, und sie kann besonders im Umgang mit unseren Finanzangelegenheiten Schaden anrichten. Übertrieben zuversichtliche Anleger treffen nicht nur für sich selbst dumme Entscheidungen, sondern diese wirken sich auch sehr stark auf den Mark als Ganzes aus.“
„Menschen [legen] zu viel Wert auf wenige mehr oder wenige zufällige Ereignisse [...] und meinen, sie würden darin einen Trend erkennen. Insbesondere sind Anleger tendenziell auf die neuesten Informationen fixiert, die sie bekommen haben, und ziehen daraus Schlüsse. So wird der letzte Ergebnisbericht in ihrem Denken zum Signal für künftige Gewinne. Und da sie meinen, sie würden etwas sehen, das andere nicht sehen, treffen sie dann aufgrund oberflächlicher Überlegungen schnelle Entscheidungen.“
„Der Schmerz durch einen Verlust [ist] viel größer als die Freude über einen Gewinn. Bei einer 50:50-Wette, bei der die Chancen exakt gleich sind, riskieren die meisten Menschen nur dann etwas, wenn der potenzielle Gewinn doppelt so groß ist wie der potenzielle Verlust. Das nennt man asymmetrische Verlustaversion. [...] Auf den Aktienmarkt bezogen bedeutet dies, dass sich die Menschen beim Verlust von Geld doppelt so schlecht fühlen, wie sie sich gut fühlen, wenn sie einen Gewinn erzielen. Diese Abneigung gegen Verluste macht Anleger übertrieben vorsichtig, und das hat einen hohen Preis. [...] Wir wollen alle glauben, wir hätten gute Entscheidungen getroffen, und deshalb hängen wir zu lange an schlechten Entscheidungen, in der vagen Hoffnung, die Dinge werden sich noch wenden.“
„Wir neigen dazu, das Geld geistig auf verschiedene ‚Konten‘ zu buchen, und dies bestimmt, wie wir es verwenden. [...] Zudem wurde die geistige Buchhaltung als Grund angeführt, weshalb Menschen schlecht laufende Aktien nicht verkaufen: In ihren Augen wird der Verlust erst real, wenn sie ihn realisieren.“Quelle: Robert G. Hagstrom, „Warren Buffett. Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie.“, Börsenbuchverlag 2011.

Allerdings schrieb die Bank anhaltend Verluste und entging 2011 der Pleite nur durch die Unterstützung einer Bank aus Katar. Immerhin zeigt die Zahl der eröffneten Konten, das grundsätzlich Nachfrage da ist. Inzwischen gibt es in Großbritannien fünf islamische Vollbanken und mehr als ein Dutzend spezialisierte Abteilungen in den traditionellen Bankhäusern.

Doch trotz eines in Europa und insbesondere in Deutschland sowie Frankreich relativ hohen Anteils von Moslems an der Bevölkerung tut sich der Markt für Islamic Finance hierzulande noch schwer. Dabei leben allein in Deutschland schätzungsweise 4,3 Millionen Muslime, darunter allein etwa 2,7 Millionen mit türkischen Wurzeln. In Frankreich ist der Anteil der islamischen Bevölkerung mit rund sechs Millionen noch höher. Allerdings machen die praktizierenden Muslime gemeinhin nur etwa 20 Prozent dieser Gruppe aus. In der Finanzwelt ist das dennoch ein nicht zu vernachlässigendes Potenzial.

Echte Anleger sind...
"Sie wissen, dass Aktienkurse von allen möglichen unvernünftigen Kräften beeinflusst werden, dass sie ebenso fallen wie steigen können und dass das auch für Aktien gilt, die sie selbst besitzen. Wenn das passiert, reagieren sie darauf mit Gleichmut. Sie wissen, dass der Preis wieder zurückkommt, solange das Unternehmen die Eigenschaften behält, die sie als Anleger zunächst angezogen hatten."
"Anstatt sich von der Begeisterung der Menge mitreißen zu lassen, warten echte Anleger die richtige Gelegenheit ab. Sie sagen öfter Nein als Ja."
"Sie gehen auf der Basis klaren Denkens an den Markt und die Welt heran. Sie sind weder übermäßig pessimistisch noch irrational optimistisch; sie sind vielmehr logisch und rational."Quelle: Robert G. Hagstrom, "Warren Buffett. Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie.", Börsenbuchverlag 2011.

Die Versuche, Muslime als Kunden zu gewinnen, waren bislang eher beklagenswert. Bis heute gibt in Deutschland es erst eine Bank, die nach islamischen Recht operiert, die Kuveyt Türk Bank in Mannheim. Allerdings verfügt die Zweigstelle der kuwaitisch-türkischen Bank nicht über eine Vollbanklizenz und darf daher nicht das komplette Angebotsspektrum einer Bank – etwa Wertpapiergeschäfte oder Kredite - anbieten.

Deshalb hat die Kuveyt Türk bereits im Oktober 2012 eine Vollbanklizenz bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) beantragt. Derzeit laufen die Gespräche zwischen Bank und Aufsichtsbehörde. Ob und wann die Lizenz erteilt wird, ist offen. Immerhin zeigte sich die BaFin bereits mehrfach offen für Islamic Banking in Deutschland. Im vorigen Sommer richtete sie bereits zum zweiten Mal eine hochkarätig besetzte Konferenz zum Thema aus und zeigte sich interessiert an Vorschlägen, wie ein Scharia-konformes Finanzwesen mit den deutschen Vorschriften – beispielsweise  zur Einlagensicherung, die die Aufteilung des Risikos behindert – zu harmonisieren ist.

Anlagetipps: So vermeiden Sie Pleiten
Streuen Sie Geldanlagen breit, packen Sie nie mehr als ein Drittel der Anlagesumme in ein Einzelinvestment.
Verkauft der Anbieter einer Immobilie oder eines Finanzprodukts den Kredit gleich mit, sollte vorher ein Anwalt das Angebot prüfen.
Ziehen Sie eine weitere Meinung von einem Profi hinzu, den Sie beauftragen.
Lesen Sie Verträge. Nur das gilt, nicht das, was Vermittler im Gespräch erzählen.
Präsentiert der Verkäufer Rechenbeispiele, in denen sich die Anlage von selbst finanziert, lassen Sie die Finger davon. Wer viel verdienen will, trägt viel Risiko.
Bevor Sie sich an Immobilien beteiligen, prüfen Sie vor Ort, wie sie vermietet sind
Besichtigen Sie Immobilien und lassen Sie den baulichen Zustand begutachten.
Fragen Sie im Zweifel einen spezialisierten Anwalt. Ein Steuerberater bestätigt, dass der Steuervorteil greift, ein Anwalt kennt die Fallstricke der Anlage.
Schauen Sie zuerst auf das Risiko und dann auf die mögliche Rendite. Legen Sie fest, wann Sie Ihr Geld wieder benötigen.
Lassen Sie sich eine Chance entgehen, statt unter Zeitdruck zu unterschreiben.
Kaufen Sie nur Produkte, die Sie verstehen. Das klingt banal, passiert aber viel zu selten.
Lassen Sie sich immer das Beratungsprotokoll aushändigen. Prüfen Sie, ob der Inhalt stimmt.
Sagt der Berater, ein Produkt sei sicher, verlangen Sie die schriftliche Bestätigung der Aussage. Gibt er sie nicht, lassen Sie die Finger vom Geschäft.
Lassen Sie sich den Prospekt aushändigen, und lesen Sie ihn vor Unterzeichnung des Vertrages gründlich. Suchen Sie im Prospekt nach Risikohinweisen.
Legen Sie auf, wenn Sie unverlangt ein Angebot per Telefon bekommen.

Finanzvermittler Bouhmidi würde die Erteilung der Lizenz an die Kuveyt Türk Bank begrüßen: „Es wäre ein wichtiger Schritt für die praktizierenden Muslime in Deutschland. Das würde einiges vereinfachen und dem Markt neuen Schub geben.“

Die private Geldanlage gemäß Scharia ist jedoch unterentwickelt. Investmentprodukte sind nach wie vor rar gesät. „Das Thema Aktien und Aktienfonds spielt bei den deutschen Muslimen nur eine nachrangige Rolle, die Prioritäten liegen woanders“, weiß Bouhmidi aus Erfahrung. Aber wer wolle, könne natürlich auch unter Einhaltung der Vorschriften des Islam Aktien kaufen. „Damit eine Aktie islamkonform ist, müssen die Regeln eingehalten werden. Beispielsweise sollte das Unternehmen nicht mehr als 33 Prozent Verbindlichkeiten haben und darf nicht in der Waffenindustrie tätig sein. Noch einfacher ist es, sich Aktien aus einem spezialisierten Index auszusuchen, etwa dem Dow Jones Islamic Index. Dann ist der Aktionär auf der sicheren Seite.“

Der Börsendienst Dow Jones bietet verschiedene Indizes zum Thema an, etwa den Dow Jones Islamic Marktet Titans 100. Der schaffte in den vergangenen drei Jahren ein jährliches Plus von knapp zehn Prozent. In ihm sind scharia-konforme Aktien wie etwa Apple, Exxon, IBM oder Microsoft gelistet.

Islamische Fondsprodukte bleiben leider Mangelware. Mit geeigneten Aktienfonds scheiterte die Finanzbranche bereits mehrfach. So schloss erst Ende 2012 die Allianz Global Investors, die Anlagetochter des Versicherungsriesen, zwei islamische Investmentfonds, die Gelder muslimischer Anleger im In- und Ausland gewinnen sollten. Die Fonds hätten einfach nicht die erwarteten Zuflüsse erreicht, hieß es bei AGI auf Nachfrage.

Die Fonds hatten seit 2008 lediglich Volumina zwischen 15 und 19 Millionen Dollar erreicht – trotz internationaler Vermarktung, auch in den arabischen Ländern. „Die Scharia-konformen Fonds sind alle klein“, sagte ein Sprecher von AGI gegenüber WirtschaftsWoche Online. In den vorangegangen Jahren waren auch andere wie die Commerzbank oder die Kölner Vermögensverwaltung Meridio mit ähnlichen Angeboten gescheitert und stampften ihre Fonds wieder ein.

Laut Bouhmidi liegt das neben der relativ geringen Nachfrage vor allem an Vorurteilen gegenüber dem Islam: „Noch herrscht viel Ablehnung, wenn die Begriffe Islam oder Scharia fallen. Da fürchten konventionelle Banken, dass ihnen Kunden davonlaufen.“

Gut laufen hingegen die Geschäfte mit Anleihen, sogenannten Sukuk. Bei letzteren handelt es sich um Anleihen, bei der anstelle des festen Couponzinses für das verliehene Geld ein „Gewinnsatz“ gezahlt wird. Dem Grundsatz folgend, dass jedem Geschäft ein Sachwert zugrunde liegen muss, erwirbt der Käufer eines Sukuk eine Beteiligung des Schuldners und wird für sein Risiko mit einem Gewinnanteil belohnt. Der Anleger erhält somit eine Prämie anstelle eines Zinses.

Verwandte Themen
Deutschland
BaFin

Sukuk erfreuen sich so großer Beliebtheit bei muslimischen Investoren, zielen jedoch aufgrund der meist hohen Mindestanlagesummen eher auf Großinvestoren ab. Das Angebot wächst. Anfang 2012 legte Saudi-Arabien erfolgreich die erste staatlich garantierte Sukuk zur Finanzierung des Flughafens in Jeddah auf – die größte Schwellenländer-Anleihe dieser Art seit zehn Jahren. Stephen Dover und Mohjeddine Kronfol von Franklin Templeton Investments sehen darin Potenzial: Schließlich hätten Finanzkrise und Schulden die Risiken herkömmlicher Anleihen aufgedeckt. „Deshalb hat sich das Interesse an Produkten wie Sukuk erhöht, die durch wirkliche Vermögenswerte gedeckt sind und einer übermäßigen Fremdkapitalaufnahme entgegenwirken“, schreiben die beiden Experten in ihrem jüngsten Newsletter.

Tatsächlich haben Sukuk nach Untersuchungen von Franklin Templeton in den Krisen ihre Stärken ausgespielt. Gegenüber herkömmlichen Anleihen erzielten Sukuk im Index-Vergleich in den vergangenen Jahren stabilere und sogar höhere Gewinne. Während konventionelle Bonds in den vergangenen drei Jahren unter hohen Schwankungen etwa zehn Prozent zulegen konnten, gewannen Sukuk ungefähr 25 Prozent – mit weit geringeren Ausschlägen nach oben und unten.

Kein Wunder, dass sich das Ausgabevolumen der „Global Sukuk“ seit 2008 ungefähr vervierfacht hat. Franklin Templeton arbeitet darüber hinaus an der Zulassung neuer islam-konformer Fonds. Ob die aber auf Großinvestoren oder auf den Privatanleger abzielen, ist noch nicht bekannt.

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt