Denkweise statt Datenpool: Innovation durch Daten: Warum das Mindset entscheidend ist
Düsseldorf. Am 6. Mai 2017 veröffentlichte die britische Wirtschaftszeitung ‘The Economist‘ einen Artikel, der bis heute die Reden von Keynotespeakern, Vorständen und Technologieenthusiasten prägt. Autor Kiran Bhageshpur vergleicht darin die Marktkapitalisierung der Tech-Giganten Amazon, Apple, Facebook und Microsoft mit dem Kartellverfahren um Standard Oil im frühen 20. Jahrhundert. Der US-Supreme Court stufte Standard Oil damals als illegales Öl-Monopol ein und ordnete seine Zerschlagung an.
Standard Oil kontrollierte den Markt für Öl in den USA und nutzte es für seine Geschäftsinteressen. Technologieunternehmen tun dasselbe, nur mit Daten statt Öl, so die Annahme von Kiran Bhageshpur. Die Kontrolle über Daten wie Suchanfragen, Social Media und Onlineshopping verschafft den Firmen einen Vorteil. Sie können diese Daten auswerten und Prognosen über das Nutzerverhalten ableiten, um individuelle Angebote zu platzieren. So sichern sie sich einen Wettbewerbsvorteil, da sie schnell auf Veränderungen reagieren können. Bhageshpur formuliert daher:
Daraus leiten bis heute viele ab: Daten sind das neue Öl. Doch für Niels Strohkirch, Head of Business Unit Uvance sowie Mitglied der Geschäftsleitung beim Technologiekonzern Fujitsu Germany, stimmt dieser Satz so nicht.
Das Volumen der weltweit erstellten, erfassten, kopierten und konsumierten Daten wächst fast exponentiell. Laut dem Marktforschungsinstitut IDC wird es sich bis 2028 mehr als verdoppeln, von etwa 149 Zettabyte im letzten Jahr auf fast 400 Zettabyte. Ein Zettabyte entspricht einer Billion Gigabytes. Außerdem investieren Unternehmen zunehmend in Business Intelligence- und Analysesoftware, um diese Datenmengen besser auswerten und nutzen zu können.
Strohkirch vergleicht Daten mit einem großen Ozean, in dem Unternehmen ohne klare Ziele fischen. Eine offene Denkweise ist entscheidend, um neue Produkte und Ideen aus den Ergebnissen zu entwickeln. „Wenn ich zielgerichtet an Daten herangehe, trage ich Scheuklappen“, sagt Strohkirch. Dieser effizienzgetriebene Umgang mit Daten führt nicht zu neuen Ideen. „Ich muss schauen, was mir meine Daten als Ergebnis liefern, was das für mich bedeutet und was ich daraus mache“, erklärt Strohkirch weiter. Nur so entstehen Innovationen und neue Produkte. Datenanalyse beginnt seiner Meinung nach mit der Denkweise, nicht mit der Datenmenge.
Niels Strohkirch erläutert in dieser Episode ‘So klingt Wirtschaft‘…
- welche Bedeutung Daten stattdessen für Unternehmen und die Wirtschaft haben, wenn sie nicht das neue Öl sind,
- warum vor allem Deutsche Unternehmen einen anderen Umgang mit Daten benötigen, um international wettbewerbsfähig zu sein
- und warum Innovation zuallererst im Kopf beginnt und nicht bei den Daten an sich.
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