Ohne Netz und doppelten Boden: Wie sich Selbstständige in Krisenzeiten absichern können
Düsseldorf. Steigende Kosten, sinkende Auftragslage, politische Unsicherheiten: Die wirtschaftliche Lage für Deutschlands Selbstständige ist angespannt. Laut Risikobarometer der Signal Iduna schätzen nur noch 51 Prozent der Befragten ihre Geschäftslage als „gut“ oder „sehr gut“ ein – ein deutlicher Rückgang im Vergleich zu 2023. „Gerade kleinere und mittlere Unternehmen kämpfen mit mangelnder Auslastung. 50 Prozent geben an, dass ihnen Aufträge fehlen“, sagt Ulrich Leitermann.
Besonders kritisch wird es, wenn Risiken schlagend werden – etwa durch Naturkatastrophen, Cyberangriffe oder Zahlungsausfälle. Doch auch das politische Umfeld bereitet vielen Selbstständigen Sorgen: Unklare Rahmenbedingungen, langsame Gesetzgebungsverfahren und eine schwindende Planungssicherheit erschweren unternehmerische Entscheidungen. Leitermann sagt dazu deutlich: „Gegen politische Dummheit ist kein Kraut gewachsen. Aber gegen betriebliche Risiken wie Elementarschäden oder Cyberattacken kann man sich sehr wohl absichern.“
Speziell im Bereich Cybersicherheit beobachtet der Versicherer eine wachsende Nachfrage: „Heute ist das Bewusstsein da, dass Angriffe oft flächendeckend passieren – und dann auch kleinere Betriebe treffen.“ Ebenfalls für viele Selbstständige relevant: die Inhaber-Ausfallversicherung. Diese greift, wenn Selbstständige durch Krankheit oder Unfall ihr Unternehmen nicht wie gewohnt führen können und übernimmt laufende Kosten.
Die Bereitschaft zur Absicherung ist bei vielen Selbstständigen gegeben, doch steigende Beiträge infolge der Inflation hinterlassen Spuren. „Die Menschen gehen bewusster mit Versicherungen um“, so Leitermann. Für ihn bleibt entscheidend, dass Selbstständige gezielt abwägen, welche Risiken existenziell sind – und wo sie sich selbst absichern können oder müssen.
Trotz aller Herausforderungen gibt sich Leitermann zuversichtlich: „Gerade die kleinen und mittleren Unternehmen sind flexibler, kreativer und anpassungsfähiger als große Konzerne. Diese Eigenschaften machen sie stark – auch in der Krise.“
Hören Sie in der aktuellen Folge „So klingt Wirtschaft“:
- Welche Risiken für Selbstständige wirklich existenzbedrohend sind – und welche sich versichern lassen.
- Wie sich das Bewusstsein für Cybersicherheit verändert hat – und was Versicherer heute leisten.
- Welche Trends Ulrich Leitermann im Markt sieht und was ihm Hoffnung macht.
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