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Antisemitismus-Skandal Der Echo ist abgeschafft – doch die Bertelsmann-Musiksparte hat ihre Skrupellosigkeit enthüllt

Nach dem Skandal um das Bertelsmann-Rapperduo Kollegah und Farid Bang wird Deutschlands berühmtester Musikpreis Echo in seiner bisherigen Form abgeschafft. Eine Mahnung gegen Antisemitismus und Rassismus in der Unterhaltungsbranche.
25.04.2018 - 19:03 Uhr 2 Kommentare
Die Rapper Kollegah (l) und Farid Bang feiern auf der Party nach der 27. Verleihung des Deutschen Musikpreises Echo. Quelle: dpa
Echo

Die Rapper Kollegah (l) und Farid Bang feiern auf der Party nach der 27. Verleihung des Deutschen Musikpreises Echo.

(Foto: dpa)

Nach quälenden Tagen des Wartens ist es vollbracht: Deutschlands berühmtester Musikpreis Echo wird nach dem Skandal um die Auszeichnung des Rapperduos Kollegah und Farid Bang in seiner Form abgeschafft. Damit hat die Musikbranche endlich ein deutliches Ausrufezeichen gegen Antisemitismus und Rassismus gesetzt.

In ihrem Song „0815“ haben Kollegah und Farid Bang noch geträllert: „Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen.“ Die beiden Hip-Hopper hatten mit ihrem antisemitischen Text einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. „Mache wieder mal 'nen Holocaust, komm' an mit dem Molotow“, heißt es in ihrem Lied „Gamechanger“.

Die beiden Künstler stehen bei der Bertelsmann-Musiktochter BMG unter Vertrag. Kommerziell ist das Künstlerduo höchst erfolgreich. Deshalb bekamen die BMG-Künstler die Auszeichnung, die vom Bundesverband Musikindustrie jährlich vergeben wird.

Die diesjährige Show hatte der Bertelsmann-Sender Vox übertragen. „Kollegah & Farid Bang treten als zwei außerordentlich erfolgreiche Repräsentanten des Genres Hip-Hop auf, das seit über einem Jahrzehnt von sehr vielen Menschen hierzulande gehört wird“, hieß es noch beim Bundesverband Musikindustrie Mitte April zur Begründung. Der Musikpreis Echo wird seit 1992 verliehen. Ausschlagend für einen Preis sind die Verkäufe.

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    Noch während der Preisverleihung hatte der Düsseldorfer Sänger Campino von den Toten Hosen gegen die „Diskriminierung jeder anderen Religionsform“ protestiert. Farid Bang verteidigte sich nach der Preisverleihung mit einer Verharmlosung. „Die Absicht dahinter war niemals negativ, sondern höchstens vielleicht ein bisschen fahrlässig“, sagte der Künstler und meinte es angeblich ernst.

    Tatsächlich bedienen Kollegah und Farid Bang fremdenfeindliche Klischees, die offenbar in ihrem Ambiente bereits als „normal“ gelten. Das geschieht mit vollem Bewusstsein. Zufall ist so etwas nicht.

    Die Entscheidung des Echos hat auch Folgen für den Echo Klassik und den Echo Jazz. Die Verleihung des Jazz-Preises Ende Mai in Hamburg wird erstmals ohne Fernsehshow über die Bühne gehen.

    Das Kernproblem bleibt: Den Echo kann man abschaffen, Rassismus und Antisemitismus allerdings nicht. Der Kampf gegen Fremdenfeindlichkeit ist ein permanenter – selbst in der ansonsten als so weltoffen geltenden Medienbranche.

    Auch wenn die Entschuldigung des Musikverbandes ernst gemeint ist: Hinter der Rolle rückwärts verbirgt sich natürlich auch wirtschaftliches Kalkül. Denn der drittgrößte Musikmarkt der Welt kann sich keinen Dauerskandal leisten, der das Ansehen der Branche beschädigt.

    Die späte Reaktion hat dennoch einen Schaden angerichtet. Spätestens als prominente Künstler wie Christian Thielemann, Daniel Barenboim, Klaus Voormann („der vierte Beatle“) oder Marius Müller-Westernhagen ihre Echo-Preise zurückgaben, hätte der Musikverband bereits reagieren müssen.

    Aber auch die Plattenfirma BMG hat unerträglich spät reagiert. Erst am heutigen Mittwoch hat sich die Musiksparte des Gütersloher Medienriesen entschieden, sich von den Rappern Kollegah und Farid Bang trennen zu wollen. Warum kam die überfällige Trennung nicht schon sehr viel früher?

    Bertelsmann-Matriarchin Liz Mohn setzt sich seit Jahrzehnten für ein gutes deutsch-israelisches Verhältnis ein. Ihre Ernsthaftigkeit steht außer Frage. Doch für ihre Manager scheint bislang die Devise gewesen zu sein: Geschäft ist Geschäft. Mit dem zögerlichen Verhalten hat sich die Bertelsmann Music Group einen Bärendienst erwiesen. Denn dadurch hat sie ihre Skrupellosigkeit enthüllt.

    Mit dem Ende des bisherigen Echos hat die Musikbranche Zeit darüber nachzudenken, wie sie in Zukunft ihre Preise vergibt. Der Massenerfolg als vorrangiges Kriterium für die Preisvergabe kann es künftig nicht mehr sein. Warum entscheidet nicht in erster Linie künstlerische Qualität statt merkantiler Quantität?

    Eines muss auch in Zukunft klar sein. Die Freiheit der Kunst ist nicht grenzenlos. Rassismus und Antisemitismus sind rote Linien, die von Rappern und allen anderen nicht überschritten werden dürfen. Sie sind nicht vom Grundrecht auf Meinungsfreiheit abgedeckt.

    Das gilt gerade in einer Zeit, in der Judenfeindlichkeit offen zur Schau getragen wird, in der Menschen jüdischen Glaubens auf offener Straße beschimpft und verprügelt werden. Wie formulierte so treffend Josef Schuster, Präsident des Zentralrates der Juden: „Es darf keine Toleranz für die Intoleranz geben.“ Das gilt nicht nur für die Medienindustrie, sondern überall und jederzeit.

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    2 Kommentare zu "Antisemitismus-Skandal: Der Echo ist abgeschafft – doch die Bertelsmann-Musiksparte hat ihre Skrupellosigkeit enthüllt"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Hä, wieso aberkennen die nicht lieber den Echo wieder wenn die den aus Versehen falsch vergeben haben, anstatt den ganzen Echo als Institution abzuschaffen? Maßlos überreagiert, und damit entwerten die ja nachträglich auch noch alle bisher verliehenen Echos.

    • Oh man, der Echo-Skandal nervt langsam so dermaßen, überall das Antlitz von den beiden Proleten. Man kann es auch übertreiben.
      "Deutschlands berühmtester Musikpreis Echo wird nach dem Skandal um die Auszeichnung des Rapperduos Kollegah und Farid Bang in seiner Form abgeschafft. Damit hat die Musikbranche endlich ein deutliches Ausrufezeichen gegen Antisemitismus und Rassismus gesetzt." Ganz ehrlich, warum ist die Abschaffung des Echo ein Zeichen gegen Antisemitismus? Ist der Echo ein Antisemit?
      Kollegah und Farid Bang sind zwei Rap-Proleten von denen ich vorher noch nie gehört habe und den meisten über 15 jährigen, deren IQ den eines Weißbrotes übersteigt, wird es ähnlich gehen. Die beiden werden sich über die massive PR der letzten Tage ins Fäustchen lachen. Und sie können sich jetzt noch auf die Fahne schreiben, für Abschaffung des Echo's gesorgt zu haben.
      In diesem Fall sollte man die Kirche mal im Dorf lassen.

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