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Arco in Madrid Wie die Kunstmesse sich geschickt positioniert

Die traditionsreiche Messe Arco vertraut auf ihre Stärken. Sie schafft neben dem Verkauf auch Möglichkeiten fürs Netzwerken.
27.02.2020 - 19:44 Uhr Kommentieren
Herbert Brandl „Ohne Titel“ von 2019 am Stand der Galerie Nächst St. Stephan aus Wien. ( Credit: Nächst St. Stephan/ VG Bild Kunst)
Eingeführte Position

Herbert Brandl „Ohne Titel“ von 2019 am Stand der Galerie Nächst St. Stephan aus Wien.

(Credit: Nächst St. Stephan/ VG Bild Kunst)

Madrid Die Welt hat zurzeit nur ein Thema, das Coronavirus. Doch noch sind es nur wenige Sammler, die ihre lang geplanten Reisen zu Kunstmessen absagen. So hat die „Arco“ in Madrid keine größeren Ausfälle zu vermelden. Zur Eröffnung sind zunächst einmal die üblichen Kunstmessen-Nomaden aus Europa angereist. Die Sammler aus Lateinamerika und in geringerem Maße aus den USA werden wie üblich erst zum Wochenende erwartet, um das zumeist zeitgenössische Angebot von 209 Galerien aus 30 Ländern in Augenschein zu nehmen.

Wenn Maribel López zur Eröffnung ihrer ersten vollständig als Direktorin verantworteten Ausgabe sagt, dass „die Inhalte der Präsentationen das Vertrauen der Galerien in die Messe demonstrieren“, gehört das einerseits zur Folklore des Kunstmessendirektorensprechs. Tatsächlich gibt es selbst im zeitgenössichen Bereich noch einmal Unterschiede zwischen jenen Messen, bei denen es offensichtlich ausschließlich ums Verkaufen geht, und solchen, bei denen Netzwerken und Dialog in die Erfolgsbilanz der Aussteller einfließen. Seit der Finanzkrise versucht sich die Arco stärker in diesem Bereich zu positionieren.

Wie dieses Zusammenspiel funktioniert, ist exemplarisch an der jungen Madrider Twin Gallery abzulesen. Sie stellt in der Sektion Opening aus, die nach einigen eher rumpelig wirkenden Ausgaben ihr Format gefunden zu haben scheint. Twin tritt mit einem Videoprojekt der in Berlin lebenden Spanierin Eli Cortiñas an, das sich mit dem propagandistischen und praktischen Umgang von Diktaturen mit dem Thema Arbeit auseinandersetzt und von der Fundación Botín in Santander gefördert wurde.

Allerdings sind die spanischen Institutionen nicht mehr die sichere Bank wie in früheren Zeiten. Die hinter vielen spanischen Stiftungen stehenden Geldinstitute tragen heute etwas knapper geschnittene Spendierhosen. Geblieben sind die Museen als wichtige Plattform. Aus diesem Grund haben sich Rosemarie Schwarzwälder von der Wiener Galerie Nächst St. Stephan und ihr Konzeptkünstler Heinrich Dunst dafür entschieden, hier eine große Installation aus Texten und Türen zu zeigen. Gekauft werde aber schon seit Jahren zunehmend von privaten Sammlern.

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    Auf die zielt Nino Mier mit Erfolg und einer eigenen Strategie. Seine Galerie in Los Angeles besteht zwar erst seit fünf Jahren und wäre damit ein Kandidat für die Sektion Opening. Doch er bevorzugt bei seiner zweiten Teilnahme die Main Section. Die Aufmerksamkeit sei hier eine andere, erklärt er. Mit Preisen von 10.000 bis 50.000 Dollar ist er hier wohl auch besser aufgehoben. Und er sieht seine Messeteilnahme zudem als Teil einer längerfristigen Planung.

    Peter Weibel „Selbstporträt als Frau“: Entstanden zwischen 1967 und 1993, zu finden bei Antia Beckers aus Frankfurt.
    Spiel mit Geschlechterfragen

    Peter Weibel „Selbstporträt als Frau“: Entstanden zwischen 1967 und 1993, zu finden bei Antia Beckers aus Frankfurt.

    Absatzschwierigkeiten scheint Mier nicht zu kennen. Die oft großflächig farbige oder gestische Malerei seiner meist deutschen Künstler und Künstlerinnen – bei nahezu paritätischer Besetzung – kommt wohl nicht nur in Kalifornien gut an. Im Vorfeld der Messe habe er schon zwei Arbeiten verkauft und in den ersten Stunden der Professional Preview gleich noch einmal drei oder vier – alles an Privatsammler, zumeist aus Europa.

    KOW aus Berlin – seit 2018 mit Ableger in Madrid – nutzt ihre Solopräsentation im Rahmen der Sektion Special Project zu einer erstmaligen Zusammenarbeit mit Marco A. Castillo, einer Hälfte des ehemaligen kubanischen Duos Los Carpinteros, der heute in Mexiko lebt und sich mit dem Fortleben kommunistischer Ideale nach der Moderne beschäftigt. Zeichnungen kosten ab 7 500, eine größere Wand-skulptur 50 000 Dollar. Die Arco biete aufgrund von Preisgestaltung und Publikum ein ideales Forum, um eine Position auch in der Tiefe vorzustellen, erklärt Galerie-Direktor Raphael Oberhuber.

    Der Markt verändert sich

    Der Strukturwandel des Marktes im Allgemeinen und der Druck auf traditionelle Vermarktungsmodelle wie Galerien und Messen im Besonderen treibt alle Messeausrichter seit Jahren um. Wie können Kunstmessen die Abwanderung ins Internet und alternative Messeformate nicht nur verhindern, sondern für sich selbst fruchtbar gestalten?

     Direktorin López glaubt, dass physische Kunstmessen den Markt weiterhin dominieren werden: „Online ist ein interessantes Werkzeug, aber ich glaube, dass Kunst immer noch den Moment braucht, in dem man vor dem Werk steht und mit dem Künstler oder dem Galeristen darüber spricht. Ich glaube, insofern hat die Kunstmesse als Modell immer noch ihren Sinn.“

    Ein Angebot an Nachwuchssammler und die Generation Instagram sei die Aktion #mecomprounaobra oder #Ibuyanartwork, bei der man mit verschiedenen externen Plattformen zusammenarbeite. Ziel: sich mit einem neuen Publikum zu verbinden und ihm preisgünstige Kunstwerke von jungen Künstlern anzubieten – in der Hoffnung, sie zur Kunstmesse und in reale Galerien zu locken.

    Marcel Dzama „Mother Nature opened her gate …..& what did we do?“ aus dem vergangenen Jahr. Quelle: The artist and Sies + Höke, Düsseldorf
    Mit einem Augenzwinkern

    Marcel Dzama „Mother Nature opened her gate …..& what did we do?“ aus dem vergangenen Jahr.

    (Foto: The artist and Sies + Höke, Düsseldorf)

    Der Versuch einer Antwort auf die aktuellen Herausforderungen ist für die Arco unter anderem die Kuratierung einzelner Bereiche. Für López ist die Einbindung von Unparteiischen ein zentrales Instrument: „Es ist wichtig, Kuratoren und Marktteilnehmer einzuladen, weil sie uns dabei helfen, einen Schritt weiterzudenken.“

    „Just a matter of Time“ ist bereits die dritte Ausgabe eines Formats, das jedes Jahr mit einem anderen Titel und einer jeweils individuellen Architektur Galerien anzieht. Hier können Galerien, die nie oder nur sporadisch in Madrid gastieren, einzelnen Positionen einen Auftritt verschaffen.

    2020 vereint die Abteilung unter anderem Franco Noero (Turin), Jan Mot (Brüssel) oder Buchholz (Köln, Berlin) mit regulären Ausstellern wie Esther Schipper (Berlin), Thaddaeus Ropac (Salzburg, Paris, London) und Chantal Crousel (Paris) unter einem Thema. Dieses Jahr gilt es, die Auswirkungen des Werks von Félix González-Torres auf die künstlerische Praxis von Danh Vo, Jack Pierson, Liam Gillick und anderen zu untersuchen. Während die ersten beiden Ausgaben dieser Sektion zwar finanziell erfolgreich waren, bei der Kritik jedoch durchfielen, überzeugt die aktuelle Ausgabe sowohl vom Inhalt als auch von der Präsentation.

    Welcomedrinks statt Frühstück

    Noch ist die Arco in der glücklichen Lage, sich mit den üblichen Herausforderungen des Kunstmarkts und ihrer eigenen Situation im spanischen Gefüge auseinandersetzen zu können.

    Zeichen für die angespannte Lage sind eher im Kleinen zu finden. Während früher die öffentliche Messegesellschaft Ifema und das staatliche Fremdenverkehrsbüro Tourspain großzügig ihr Füllhorn über der Arco ausschütteten, muss die Messe heute Feintuning betreiben. So gibt es kein „Collectors‘ Breakfast“ zur Professional Preview mehr, sondern ein Welcome to Collectors mit abgespeckter Gastronomie. Der eingeflogene Pressetross ist deutlich kleiner. Im Gegenzug gibt es etwas mehr Hotelzimmer für Sammler.

    Sollte das Coronavirus die Welt weiterhin in Atem halten, könnten Kunstmessen später im Jahr nicht nur die abnehmende Reisetätigkeit von Sammlern empfindlich zu spüren bekommen, sondern auch die langsam Form annehmende Konjunkturdelle. Möglicherweise helfen aber auch gerade die düsteren Vorzeichen der Arco: Warum nicht schnell noch zugreifen – wer weiß, wann man wieder zu einer Messe kommt?

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