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Art Basel Wie Galeristen den Ausfall der Messe kompensieren

Die Berliner Aussteller der abgesagten Messe Art Basel zeigen ihre Kunst nicht nur im Netz. Sie präsentieren die Ware auch in ihren Galerieräumen.
18.06.2020 - 17:09 Uhr Kommentieren
Abgebildet sind Gemälde von Katharina Grosse, Eliza Douglas und Jan Schoonhoven (v.l.) sowie Skulpturen von Monica Bonvicini und Jon Rafman. Quelle: KÖNIG GALERIE Berlin, London, Tokio/ Trevor Lloyd, VG Bild-Kunst für Schoonhoven, Grosse, Bonvicini
Blick in die Messe in St. Agnes

Abgebildet sind Gemälde von Katharina Grosse, Eliza Douglas und Jan Schoonhoven (v.l.) sowie Skulpturen von Monica Bonvicini und Jon Rafman.

(Foto: KÖNIG GALERIE Berlin, London, Tokio/ Trevor Lloyd, VG Bild-Kunst für Schoonhoven, Grosse, Bonvicini)

Berlin Ausgerechnet zum 50. Jubiläum muss die weltbeste Messe für zeitgenössische Kunst virusbedingt ausfallen: die Art Basel. Die meisten Aussteller präsentieren ihre Ware nun im Online Viewing Room der Messe (siehe S. 57). Aber 31 ihrer Berliner Teilnehmer fahren zweigleisig. Sie zeigen ihre Messe-Exponate im virtuellen Galerieraum – und in Berlin im realen.

Die spontane Aktion „Basel in Berlin“ geht unter anderem auf Marie-Blanche Carlier von der Galerie Carlier Gebauer zurück. Sie betont: „Man muss die Leute jetzt mit dem analog ansprechen, was wir virtuell aufgebaut haben“. Einige dieser Shows sind nur zwei Tage geöffnet, die meisten laufen aber bis zum 26. Juni.

Mit dem ihm eigenen Unternehmergeist hat Johann König in seiner Kreuzberger Galerie in St. Agnes eine separate Messe arrangiert. Gegen Kommissionsgebühr auf den Verkaufspreis werden 180 Kunstwerke aus dem eigenen Programm, aus dem Bestand anderer Galerien und aus Sammlerbesitz in der Kapelle und im Showroom angeboten.

Die Wände sind mit Werken aller Formate gepflastert, es gibt kaum Leerstellen. Das vielstimmige Angebot reicht von Jean Dubuffet bis Anne Imhof, von der ein Großformat für 80.000 Euro gleich verkauft war. Hier hängen marktfrische Arbeiten von Katharina Grosse, die mit 200.000 und 230.000 Euro beziffert sind.

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    Yan Pei-Mings schwarzgraues Porträt des Kurators Kasper König ist auf 125.000 Euro angesetzt. Eine Riesenkatze von Martin Eder kostet 152.000 Euro, ein 2007 entstandenes Neo Rauch-Gemälde eines Sitzenden mit mannshoher Laute 700.000 Euro. Es gibt sechsstellig dotierte Werke zu entdecken von Roberto Longo, Daniel Richter, Norbert Bisky und Günther Uecker. Das Ganze ist effektvoll gegen den Strich gebürstet und – auf Messen eine Seltenheit – mit Preisschildern bedacht (bis 26.6.).

    Das Kirchenschiff bleibt Königs Stammkünstlern Elmgren & Dragset vorbehalten. Dort feiert das Künstlerduo die Leere mit einem magisch abgedunkelten Tennis Court, auf dem zwei Knaben figurieren: Ein beim Spiel gestürzter und einer, der sich mit Siegerpokal abwendet. Am Eingang fällt der Blick auf einen apathischen Rollstuhlfahrer mit nacktem Oberkörper. Die Figuren aus weiß lackierter Bronze strahlen Isolation und Verlorenheit aus (bis 2.8.).

    Neue Arbeiten der Stammkünstler

    Der Basel Showroom von Carlier Gebauer ist ein Paradebeispiel für das, was auch die anderen Berliner Galerien in ihrem analogen Messeprogramm aufgefahren haben: eine pragmatische Mischung aus neuen Arbeiten der Stammkünstler. Hier ist es eine gut platzierte Melange, in der eine mit Monitoren bestückte Breitwand von Laure Prouvost den Augenfänger gibt. Sie fußt auf Fotocollagen einer fragmentarisch komponierten mediterranen Welt, in der sich optische Klischees überlagern (85.000 Euro).

    Das andere Hauptwerk ist ein Wandstück von Asta Gröting – der bis in die Farben authentische Abguss einer von Kriegsschäden gezeichneten Berliner Fassade (90.000 Euro). Von Thomas Schütte, dem zurzeit die Berliner Dependance der Konrad Fischer Galerie eine Einzelschau widmet, gibt es einen mythischen Künstlerkopf auf Roststahlsäule (380.000 Euro; bis 26.6.)

    Opfer der Coronakrise

    Auch Barbara Thumm beteiligt sich an der analogen Art-Basel-Präsentation. Ihr Hauptwerk in der Messeauswahl ist eines der ersten, 1978 entstandenen figurativen Gemälde der heute 91-jährigen amerikanischen Künstlerin Jo Baer, das einen Bruch mit ihrer minimalistischen Periode dokumentiert.

    In den Haupträumen der Galerie sind zum Teil bildmäßige Kreide- und Pastellzeichnungen der in Amsterdam lebenden Künstlerin ausgestellt (je nach Format 12.000 bis 160.000 Euro). Sie sind auf eine andere Weise minimalistisch: in der Sparsamkeit der Linie, in der fragmentarischen Figuration. Beides entwickelt eine eigene substanzielle Bildkraft (bis 31.8.)

    Auch über „Basel by Berlin“ hinaus locken wichtige Ausstellungen in die Galerien der Hauptstadt. Die meisten haben ihre normale Ausstellungstätigkeit wieder aufgenommen. Aber in der Krise konnten nicht alle durchhalten. Eines ihrer Opfer ist die Galerie Schönfelder, die nach anderthalb Jahren mit anspruchsvollem Programm aufgeben musste.

    Männlein auf der Wurst

    Aber es gibt auch einen gegenläufigen Trend. In diesen Tagen hat die Galerie Société ein 280 Quadratmeter großes Domizil in der Wielandstraße 26 bezogen. Sie zeigt die farbigen, auf Klopapiermuster fußenden Ölkreidebilder von Kaspar Müller, die erst in den vergangenen Wochen entstanden sind (je 18.500 Euro, bis 1.8.).

    Bei Contemporary Fine Arts hängen die zum Teil spielerischen, zum Teil gedankentiefen Bilder der Berlinerin Sophie Reinhold, die ihre Gemälde mit Marmorstaub grundiert. Die im Osten aufgewachsene Malerin lässt ein Äffchen auf einem Buchstaben des Wortbilds „Das kann das Leben kosten“ thronen. Eine Hand hält ein Auge, auf einer Wurst reitet ein Männlein, ein Eiermann erscheint auf Regenbogenstreifen, Silhouetten spielen auf Platons Höhlengleichnis an. Das ist der Kosmos einer Künstlerin, die einen sinnlichen Stilpluralismus pflegt (1.200 bis 30.000 Euro; bis 20. Juni).

    Subtiles Augenfutter bei Klaus Gerrit Friese

    Unerhört vielseitig ist die Ausstellung „Still leben“ bei Klaus Gerrit Friese. Sie verbindet Klassiker der Fotokunst wie Heinrich Kühn und Josef Sudek mit einem Früchtestück des 19. Jahrhunderts von Emilie Preyer, die Acryl-Exzesse von Dieter Krieg mit den ironischen Objekten von Via Lewandowsky, Zeichnungen von Saul Steinberg mit der Raum fordernden Keramik von Norbert Prangenberg. Es ist eine Schau, in der die Preise von 1.400 Euro bis 190.000 Euro reichen. Hier wird mit 60 Exponaten subtiles Augenfutter ausgebreitet (bis 11.7.).

    Unbedingt sehenswert ist auch eine Doppelschau bei Sprüth Magers. Hier begeistern farbsatte Landschaftspastelle, die kurz vor dem Tod des amerikanischen Künstlers Richard Artschwager entstanden (22.000 bis 29.000 Euro)

    Dazu werden Scherenschnitt-Arbeiten von Kara Walker gezeigt. Sie gehen auf rassistisch verhöhnende Darstellungen schwarzer Menschen im amerikanischen Bürgerkrieg zurück. In einem Film inszeniert die Amerikanerin im Puppenspiel mit Scherenschnittfiguren die Verfolgung einer Sklavenfamilie aus Tennessee, die zu Brandstiftung, Ermordung und Vergewaltigung führt. Ein bedrückend stimmender Kommentar zu den USA nach der Erdrosselung von George Floyd und zur Bewegung „Black Lives Matter“ (bis 30.6.).

    Mehr: Kunstmesse: Die Art Basel geht 2020 komplett online

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