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AsiatikaGedämpfte Kauflaune

Die Spitzenerlöse deutschsprachiger Versteigerer für chinesische Kunstobjekte lagen Ende 2024 nur im unteren sechsstelligen Bereich. Das Interesse an Kunstwerken aus Vietnam nimmt zu.Sabine Spindler 15.01.2025 - 11:41 Uhr Artikel anhören
Dinh Minh „Hirtenjunge auf Büffel entlang eines Flusses reitend“: Das vietnamesische Lackbild von 1954 wurde bei Nagel zum Rekordpreis von 66.500 Euro versteigert. Foto: Nagel

München. Chinas gesättigte Sammlerschaft und das ausgedünnte Angebot im Topsegment haben den Markt für chinesische Kunst abgekühlt. Auktionshäuser, die nicht in China selbst oder in amerikanischen Topkollektionen akquirieren, spüren die Wirkung dieser Doppelhelix umso deutlicher. So auch die Versteigerer Nagel in Stuttgart, Lempertz in Köln und Koller in Zürich.

Nagel erzielte mit einem Brutto-Gesamtergebnis von 3,1 Millionen Euro in seiner Asiatika-Saalauktion im Dezember immerhin gut das Doppelte der unteren Schätzsumme. Doch der höchste Zuschlag lag lediglich bei 160.000 Euro inklusive Aufgeld. Die rare, anmutige und moderat auf 30.000 Euro geschätzte Bronzeplastik des Buddhas Avalokiteshvara aus dem China des zwölften Jahrhunderts erwarb gegen viel Konkurrenz aus China ein Sammler aus Singapur. Die feuervergoldete Buddhafigur blieb der einzige Erlös im sechsstelligen Bereich.

„Vernünftig angesetzte Taxen haben in vielen Fällen aber zu guten Steigerungen geführt“, bemerkte Nagels Asiatika-Spezialist Michael Trautmann im Handelsblatt-Gespräch. Von taxierten 5000 auf 37.250 Euro stieg etwa ein vergoldetes Bronzegewicht in Form einer kauernden Löwin aus der Han-Dynastie, die von 206 vor bis 220 nach Christus dauerte. Mit erzielten 32.000 Euro kostete eine kaiserliche Porzellanschale mit Drachenmotiv aus dem 19. Jahrhundert mehr als das Zehnfache der Schätzung.

Moderate Taxen führten zu guten Steigerungen

An welch dünnem Faden manche Preise hängen, erfuhr Nagel im Falle einer außergewöhnlichen Cloisonné-Deckelvase des 18. Jahrhunderts. Für die Stuttgarter galt einer der eifrigsten und potentesten Sammler aus Hongkong als Käuferkandidat und Preistreiber für das opulent dekorierte Emaille-Gefäß, das auf 60.000 Euro geschätzt war. Robert Chang verstarb jedoch wenige Tage vor der Auktion. So übernahm ein Pariser Händler das bedeutsame Stück zum Limit von 46.500 Euro.

Gestiegenes Interesse registrierte Nagel für vietnamesische Kunst. Von taxierten 2500 auf 22.600 Euro kletterte der Preis eines im 20. Jahrhundert gefertigten achtteiligen Lackstellschirms aus dem Studio Thanh Le. Einen Auktionsweltrekord gab es für ein Lackpaneel des 2004 verstorbenen Dinh Minh. Die auf lediglich 2500 Euro geschätzte ländliche Szene von 1954 übernahm für 66.500 Euro ein in Paris lebender Vietnamese.

Spektakulärer Ritualdolch: Die dreischneidige Klinge mit aufwendig gearbeitetem Griff mit drei gekrönten Köpfen einer zornvollen Schutzgottheit wurde im Tibet des 18. Jahrhunderts aus feuervergoldeter Kupferbronze gefertigt. Bei Lempertz stieg der Preis von 4000 auf 117.800 Euro. Foto: Lempertz

Auch Lempertz verzeichnete im Dezember nur wenige Höhenflüge. In Köln animierte vor allem ein aufwendig gearbeiteter Ritualdolch mit einem aus Masken bestehenden Knauf das Kaufinteresse. Wie Lempertz-Experte Adrian Heindrichs beobachtete, stiegen mehrere junge Händler aus China vor allem via Internet in das lange Bietergefecht um die auf verlockende 4000 Euro taxierte tibetische Arbeit des 18. Jahrhunderts ein. Übernommen hat sie letztlich der chinesische Handel für 117.800 Euro.

Zufriedenstellende Verkäufe realisierte Lempertz mit religiösen tibetischen Bronzen sowie mit Thangkas aus einer süddeutschen Privatsammlung. Das teuerste dieser Meditationsbilder wurde mit 37.800 Euro eine mit vielen Gottheiten versehene Malerei aus dem 18./19. Jahrhundert, die ihren Schätzpreis damit mehr als verzehnfachte.

Netsuke eines Trockenlachses: Die verblüffend naturalistisch gestaltete Schnitzerei aus Japan brachte bei Lempertz 11.970 Euro. Foto: Lempertz

Bei Sammlern gefragt waren außergewöhnliche Netsuke. Unter diesen Miniaturschnitzereien aus Japan hatte es einem nordamerikanischen Bieter ein grasendes Pferd aus Buchsbaum aus dem frühen 19. Jahrhundert angetan. Es erforderte stattliche 15.120 Euro. Ein verblüffend naturalistisch gestalteter Dörrlachs von 1921 wechselte bei 11.970 Euro den Besitzer. Insgesamt setzte Lempertz laut Heindrichs mit der Asiatika-Auktion bei einer Verkaufsquote von 75 Prozent brutto 1,5 Millionen Euro um.

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Mit Netsuke konnte auch Koller in Zürich seinen Umsatz heben. Die Schnitzereien einer Ratte und eines Palastdieners stiegen hier auf 9300 respektive 8750 Schweizer Franken. Teuerstes Los wurde mit 47.500 Franken eine tibetische Beschützerfigur der Weißen Tara, die im 18. Jahrhundert aus Kupfer getrieben und feuervergoldet wurde.

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