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Auktion bei Lempertz Waschzeug für die Geliebte: Kunstgewerbliche Raritäten zum Angeben

Museumswürde Objekte der besten Kunsthandwerker sammelte und verkaufte Bernard De Leye. Jetzt versteigert Lempertz die außergewöhnliche Sammlung. Eine Vorschau.
24.06.2021 - 12:50 Uhr Kommentieren
Edles Waschzeug für die Geliebte von König Ludwig XV.: Die vergoldete Wasserkanne mit Becken hat den höchsten Schätzpreis der Auktion mit 1 bis 1,2 Millionen Euro. Quelle: Lempertz
Lavabo-Garnitur

Edles Waschzeug für die Geliebte von König Ludwig XV.: Die vergoldete Wasserkanne mit Becken hat den höchsten Schätzpreis der Auktion mit 1 bis 1,2 Millionen Euro.

(Foto: Lempertz)

Der Blick in eine Wunderkammer seltener und kostbarer Kunstobjekte ist nicht nur im Museum möglich. Dass auch die Präsentation eines Kunsthändlers Bewunderung und Faszination zu wecken versteht, hat der belgische Spezialist für Gold- und Silberschmiedekunst Bernard De Leye seit 1977 immer wieder aufs Neue bewiesen: in seinen Geschäftsräumen im Brüsseler Cour des Arts aber auch auf den Kunst- und Antiquitätenmessen in Brüssel, Paris, Monaco, Moskau und Schanghai.

Auch der Verkauf signifikanter Stücke an Museen in Paris, Dresden und Schanghai spricht für De Leyes Bedeutung als Händler und Sammler. Jetzt wird bei Lempertz in Köln die „Collection Bernard De Leye“ versteigert, die auf rund sechs Millionen Euro geschätzte Blütenlese eines Händlerlebens.

Die Offerte verbindet den „Goût français“, charakteristische Kunst und Kunstgewerbeobjekte der Epochen Louis XV bis Napoleon, mit dem Qualitätsanspruch internationaler Museen. 234 Lose aus De Leyes Privatsammlung und aus dem Lager werden am 15. Juli aufgerufen. Nach den Schätzen der Großherzöge von Baden, die Sotheby’s 1995 in Baden-Baden versteigerte, ist das die wichtigste Kunstgewerbe-Auktion in Deutschland.

Das Spektrum der angebotenen Raritäten reicht von einer römischen Silberschale des 2. bis 3. nachchristlichen Jahrhunderts bis zu einem mit Emailrelief verzierten Jugendstil-Becher in reinem Gold, eine Arbeit des Pariser Goldschmieds Jules-Paul Brateau von 1893, die auf 120.000 bis 130.000 Euro angesetzt ist.

Das erste Drittel der Auktion wird beherrscht von Objekten der „Kunst- und Wunderkammer“, dem Vorläufer des heutigen Museums. Darunter befinden sich Silberreliefs barocker Meister, Buchsbaumschnitzereien, Objekte in Serpentinstein, Jasper und Porphyr.

Das Utensil in Form eines Segelboots fertigte Hof-Silberschmied Thomas Germain im Jahr 1753. Sein Schätzpreis beläuft sich auf 700.000 bis 800.000 Euro. Quelle: Lempertz
Schreibzeug für den Minister

Das Utensil in Form eines Segelboots fertigte Hof-Silberschmied Thomas Germain im Jahr 1753. Sein Schätzpreis beläuft sich auf 700.000 bis 800.000 Euro.

(Foto: Lempertz)

Die Hauptlose der Wunderkammer-Abteilung haben historisches Flair. Ein Paradestück ist das um 1560 entstandene „Eingehurn“ des Würzburger Domherrn Andreas von Thüngen. Das reich gravierte Trinkhorn aus Elfenbein und Hirschgeweih ist mit Email- und Edelsteinen verziert. Seine Taxe liegt bei 600.000 bis 700.000 Euro.

Viele Objekte wurden zum Angeben geschaffen, zur Erhöhung des Status von Schenker und Beschenktem. Das außergewöhnlichste Objekt ist das Schreibzeug in Form eines Segelboots für den Minister Jean-Baptiste de Machault d’Arnouville. Das Schiff ist eine Arbeit des Hof-Silberschmieds Thomas Germain von 1753. Geschätzt wird es auf 700.000 bis 800.000 Euro.

Von höchster kunsthandwerklicher Qualität und historischer Bedeutung ist etwa ein römisches Stundenglas in vergoldeter Silbermontur mit der bekrönenden Figur des Atlas – dem Titan, der das Himmelsgewölbe trägt. 1589 in Rom gefertigt, war es ein Hochzeitsgeschenk von Papst Sixtus an die Medici. Sein Schätzpreis liegt im Bereich einer halben Million Euro.

Bei vielen Prunkobjekten geht es um Repräsentation, nicht um ihren Gebrauch. Den höchsten Schätzpreis hat mit 1 bis 1,2 Millionen Euro die vergoldete Wasserkanne mit Becken von Jean-Baptiste-FranÇois Cheret. Dass ihr Henkel aus einer Venusfigur geformt ist, kommt nicht von ungefähr. Denn Frankreichs König Ludwig XV. schenkte das Set seiner Mätresse Marguerite Catherine Hainault als sie einen Oberst der Armee ehelichte und zur Marquise de Montmelas ernannt wurde.

Das Spektrum der Offerte reicht von einer römischen Silberschale des 2. bis 3. nachchristlichen Jahrhunderts bis zu einem mit Emailrelief verzierten Jugendstil-Becher in reinem Gold. Quelle: Lempertz
Antike Silberschale aus Collection Bernard De Leye

Das Spektrum der Offerte reicht von einer römischen Silberschale des 2. bis 3. nachchristlichen Jahrhunderts bis zu einem mit Emailrelief verzierten Jugendstil-Becher in reinem Gold.

(Foto: Lempertz)

Neben zwei vergoldeten Trinkgefäßen des Barock in Hirschgestalt aus Silber sind Arbeiten der Pariser Silberschmiede des 17. bis 19. Jahrhunderts die Prunkstücke.

Ein exzeptionelles Objekt ist auch der Zeremonienstab des Haushofmeisters von Ludwig XVI. In einem Lederetui komplett erhalten, ist er auf mindestens 250.000 Euro geschätzt. Den luxuriösen Geschmack des französischen Hochadels und des russischen Zarenhofs repräsentieren Paradestücke Pariser Silberschmiede, allen voran Stücke der Meisterdynastie Odiot.

Nicht alle der konservativ geschätzten Objekte liegen im fünf- und sechsstelligen Bereich. Die Taxen beginnen schon bei 1000 bis 1500 Euro für Brokat-Textilien des 16. Jahrhunderts. Sie haben ihre Mitte bei den 50.000 Euro, die für eine gebauchte Régence-Kommode aus dem Besitz von Maria Callas erwartet werden. Eines der wenigen Möbelstücke der Offerte, das durch seine jüngere Provenienz Begehrlichkeit wecken könnte.

Mehr: Lempertz Auktionen für Alte Kunst: Händler überlassen das Feld den Privatsammlern

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