Auktionsnachbericht: Karl & Faber: Wachsender Umsatz mit Alten Meistern
München. Woanders kommen die Verkäufe mit Alten Meistern und der Kunst des 19. Jahrhunderts gerade ins Stocken. Bei Karl & Faber in München hingegen stieg der Umsatz mit Kunstwerken früherer Jahrhunderte inklusive Altmeisterdruckgrafik. Mehr als 6 Millionen Euro inklusive Aufgeld und Steuern hat der alteingesessene Versteigerer im Jahr seines 100. Jubiläums laut einer Pressemitteilung in dieser Sparte eingefahren. Das ist eine 50-prozentige Steigerung zum Vorjahr.
2022 realisierte das Haus mit den beiden Auktionen dieser Sparten 4 Millionen Euro mit Aufgeld. Ein Umsatzbringer sind die besonders hintersinnigen Gemälde-Motive des spätbiedermeierlichen Carl Spitzweg. Drei Mal stiegen die Erlöse 2023 über 100.000 Euro. Im Mai erzielte mit 400.000 Euro (inkl. Aufgeld) das Gemälde „Der Sonntagsjäger“ ein beachtliches Ergebnis. Im November nun engagierte sich der leer ausgegangene Unterbieter, ein Museum aus den USA, erneut und investierte 216.000 Euro in den selbstvergessenen „Antiquar“ von 1856.
Ein Hauch von Rubens umwehte das Bildnis der „Herodias“ von Erasmus Quellinus II. Der Maler war ein Schüler des Antwerpener Starmalers. Und das mag der Grund gewesen sein, dass die malerisch bewegte Darstellung der Enkelin des Herrschers Herodes von taxierten 20.000 Euro auf 95.250 Euro stieg. Der Käufer des barocken Gemäldes stammt aus Madrid.
Großes Interesse rief auch Johannes Kupetzkys Porträt des Johann Andreas Schmid im Hausmantel hervor. Kupetzkys Porträts sind für ihre Ausdruckkraft bekannt. Und mit 3000 Euro lag die Taxe für das ca. 1700 entstandene Bildnis verlockend niedrig. Fünfzehn Interessenten engagierten sich. Bei 20.320 Euro ging der Zuschlag an einen Bieter aus Tschechien.
Für Rupert Keim, Geschäftsführer bei Karl & Faber, trägt vor allem die kontinuierliche Stärke der Altmeister-Druckgrafik zum Erfolg der Altern Kunst bei. „Wir sind im deutschsprachigen Raum führend in Bezug auf Blätter von Albrecht Dürer oder Rembrandt und erreichen Sammler in aller Welt“, sagte er im Gespräch mit dem Handelsblatt.
Mehr als 100 Drucke allein von Dürer und Rembrandt wurden im November versteigert. Top-Los war ein klarer Lebzeitenabzug von Dürers „Meerwunder“. Das mehr als 500 Jahre alte Exemplar wechselte für 95.250 Euro den Besitzer.
75 Prozent der Lose wurden zugeschlagen
Von geschätzten 40.000 auf 88.900 Euro wurde das legendäre „Selbstbildnis mit krausem Haar“ von Rembrandt gehoben. Kenner schätzten an der 1630 datierten Radierung die Druckqualität. Sie ist in allen Details scharf und präzise.
Nach Angaben von Rupert Keim setzte Karl & Faber mit Druckgrafik, Zeichnungen und Gemälden bis zum 19. Jahrhundert in der November-Auktion insgesamt rund 2,8 Millionen Euro um. Die losbezogene Absatzquote liegt bei 75 Prozent. Doch noch ist es für den Jahresabschluss zu früh: Für den 7. und 8. Dezember stehen die Live-Versteigerungen moderner und zeitgenössischer Kunst noch aus.