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Auktion bei Karl & FaberBilder, die Sehnsüchte stillen

Am 17. November ruft Karl & Faber Gemälde Alter Meister, Bilder von Romantikern und Symbolisten auf. Gewöhnlich zieht das Angebot Sammler mit kleinem und mittlerem Budget an.Sabine Spindler 31.10.2023 - 08:35 Uhr Artikel anhören

Georges Michel war fasziniert vom Wolkenhimmel. Für seine „Flache Landschaft mit Gehöft“ (1820/30) werden marktgerechte 6000 Euro erwartet.

Foto: Karl & Faber

München. Große Kunst muss nicht unerreichbar sein. Gerade für Einsteiger und Sammler mit überschaubarem Budget bietet der Markt diesen Herbst einiges. Das Angebot des Münchener Kunstversteigerers Karl & Faber etwa ist breit gefächert. Die am 17. November ausgerufenen 123 Lose reichen von einem frühbarocken Früchtestillleben von Abraham Gibben bis zu den scheinbar von innen erleuchteten Blumendarstellungen der Nürnberger Malerin Barbara Regina Dietzsch.

Auf die Interessen heutiger Sammler hat Karl & Faber sein Angebot an Malerei und Ölstudien des 19. Jahrhunderts zugeschnitten. Die Genremalerei dieser Zeit, die Alltagsituationen oft mit viel Schmelz überzieht, hat auf andere Weise emotionalen Tiefgang und schafft in Zeiten nicht abreißender Krisen und Kriege ein Gegengift.

Nur eine Momentaufnahme ist Carl Gustav Carus´ mit Öl auf Papier festgehaltener „Waldumkränzter Weiher“. Doch mit diesem neuen Blick auf die Natur wurde das Nebensächliche zur Kunst erhoben. Die kleine Arbeit des Caspar David Friedrich-Freundes soll mindestens 14.000 Euro einspielen.

Schon um 1800 begeisterte sich Georges Michel für die phänomenalen Wolkengebilde am Himmel und das Unheroische der Landschaft. Seine atmosphärische „Flache Landschaft mit Gehöft“ von 1820/30 ist mit 6000 Euro marktgerecht angesetzt.

Im Herbst 2022 fuhr Karl & Faber 127.000 Euro inklusive Aufgeld für eine Naturstudie von Carl Blechen ein. Das brillante Ergebnis hatte zur Folge, dass das Münchener Haus am 17. November in seiner Auktion „Alte Meister und 19. Jahrhundert“ ein neu aufgetauchtes Werk des Berliner Malers aufrufen kann. Blechen gehört zu den Künstlern, die an der Schwelle von der Romantik zum Realismus tätig waren.

Der Schätzpreis für die kleine, zum Teil flüchtig gemalte „Gotische Kirchenruine mit Grabmal“ liegt bei 12.000 Euro und lässt Spielraum nach oben. Blechen hat das Sehnsuchtsmotiv der Romantiker wahrscheinlich noch vor Beginn seiner akademischen Laufbahn 1822 gemalt. Die Zuschreibung bestätigte der Experte für Berliner Malerei, Helmut Börsch-Supan.

François de Només große Ansicht des Markusplatzes in Venedig hat eine untere Schätzung von 80.000 Euro (re. und li. beschnitten).

Foto: Karl & Faber

Das Antiakademische begeistert auch an den Werken Wilhelm Buschs. Zwei der skizzenhaften, spontanen Papierarbeiten von 1850 bis 1880 sind alte Bekannte: Die fast impressionistische „Mondlandschaft mit Wind“ wurde bei Karl & Faber schon 2016 für 16.000 Euro, das Aufgeld mit eingerechnet, versteigert. Nun geht das Blatt mit einer Taxe von 12.000 Euro an den Start. „Die Kühe vor Wald“ wurden damals für 11.000 Euro weitergereicht. Jetzt werden mindestens 10.000 Euro erwartet.

Teuerstes Los ist mit einer Schätzung von 150.000 Euro Carl Spitzwegs ironisches Spätbiedermeiergemälde „Der Antiquar“. Gut 40 Jahre befand es sich in Familienbesitz und ist in zahlreichen Publikationen aufgeführt. Nur von einer 1898 aufgenommenen Fotografie kannte hingegen die Kunstwelt Franz von Stucks Gemälde „Damenbildnis all`antica“. Nun kommt das Porträt mit der Ausstrahlung einer Tragödin aus Privatbesitz für 40.000 Euro zum Aufruf.

Ein anderes Werk von Stuck ist die Gipsfigur eines Fauns. Ursprünglich nur für seine Villa in Bogenhausen entworfen, wurden um 1914 wohl weitere Exemplare ausgeführt. Karl & Faber erwartet mindestens 10.000 Euro. Spannend wird, ob der gerade bei Christi´s erzielte Preis für ein anderes Exemplar des Fauns die Bieter in Deutschland anfeuern wird. In New York erzielte das Flöte spielende Mythenwesen 50.000 Euro inkl. Aufgeld. Bislang sind drei Exemplare davon bekannt.

Das Altmeisterangebot führen Werke von François de Nomé und Frans Francken II. an. Und wer glaubt, die „Pittura metafisica“ sei eine Erfindung Giorgio de Chiricos um 1910, wird eines Besseren belehrt. Schon im frühen 17. Jahrhundert hat Nomé seine Architekturfantasien mit einem surrealen Anflug versehen. Lange Schatten suggerieren Bedrohliches. Karl & Faber bietet von dem in Neapel aktiven Maler eine große Ansicht des Markusplatzes in Venedig an.

Keine Auktion ohne Dürer-Grafik

Vor 20 Jahren wurde das Gemälde bei Sotheby´s für umgerechnet brutto 133.000 Euro versteigert. Der Markt für Nomé hat diese Marge seitdem nicht mehr erreicht. Die untere Schätzung liegt deshalb bei 80.000 Euro. Frans Franckens „Opfer der Liebe“ von 1621 beginnt bei 50.000 Euro.

Wohl noch nie verlief in der hundertjährigen Geschichte von Karl & Faber eine Altmeisterauktion ohne Drucke von Albrecht Dürer und Rembrandt. Der Meister aus Nürnberg ist unter anderem mit einem prachtvollen Lebzeitendruck von „Das Meerwunder“ vertreten; Rembrandt mit einem frühen, kontrastreichen Abzug seiner Radierung „Christus lehrend“ von ca. 1652. Jedes der Blätter erfordert einen Mindesteinsatz von 80.000 Euro.

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Vorbesichtigung vom 10. bis 16. November 2023 bei Karl & Faber, Amiraplatz 3, 80333 München, und beim virtuellen Panorama-Rundgang. Die Kataloge stehen online unter www.karlundfaber.de

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