Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Die Geburt eines Mythos Wie Vincent van Gogh vom Geheimtipp zum Bestseller wurde

Eine Ausstellung in Frankfurt untersucht, wie Vincent van Gogh nach seinem Tod zum Weltstar aufgebaut wurde – und welche Auswirkungen das auf die Malerei des 20. Jahrhunderts hatte.
28.12.2019 - 11:51 Uhr Kommentieren
Das Selbstporträt von 1887 kam als Leihgabe aus Amsterdam nach Frankfurt. Quelle: imago/Leemage
Vincent Van Gogh

Das Selbstporträt von 1887 kam als Leihgabe aus Amsterdam nach Frankfurt.

(Foto: imago/Leemage)

Frankfurt Neben Leonardo da Vinci dürfte Vincent van Gogh der berühmteste Maler überhaupt sein. Während da Vinci jedoch nahezu ausschließlich über sein populärstes Bild, die ikonische „Mona Lisa“ im kollektiven Gedächtnis abgespeichert ist, finden sich dort für van Gogh zwar auch Bilder wie die „Sonnenblumen“, vor allem aber die Mythen seines exzessiven Künstlerlebens.

Diese Mythen wiederum sind überlagert von Erinnerungen an die beinahe 40 Biopics über ihn, wie jenen legendären Film von Vincente Minnelli mit Kirk Douglas in der Hauptrolle. Oder zuletzt das Werk von 2019 des US-amerikanischen Malers und Filmemachers Julian Schnabel mit William Dafoe in der Rolle des obsessiven Malers.

Die besondere Faszination, die von der untrennbaren Verquickung von Leben und Werk im Falle van Goghs ausgeht, und die erstaunliche Karriere, die der zu Lebzeiten wenig erfolgreiche Maler posthum von Deutschland ausgehend erlebte, beleuchtet die Ausstellung „Making van Gogh – Geschichte einer deutschen Liebe“ im Frankfurter Städel Museum.

Die exzellent präsentierte Schau erzählt die Geschichte von van Goghs ungewöhnlicher Karriere und seiner Wirkungsmacht auf die ihm folgende Malerei des 20. Jahrhunderts. Zudem trifft die Ausstellung einen Nerv der Zeit, in der aus Anlass der #MeToo-Debatte einmal mehr darüber gestritten wird, inwieweit sich Werk und Schöpfer trennen lassen.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Die Frankfurter Schau weist nach, dass im Falle van Goghs die Symbiose von Mensch und Maler seinem Nachruhm nicht nur genutzt, sondern ihn wohl erst ermöglicht hat.

    Das Gemälde von 1888 gehört zu den stil-prägenden Bildern van Goghs. Bewahrt wird es im Van Gogh Museum in Amsterdam. Quelle: Van Gogh Museum, Amsterdam (Vincent van Gogh Foundation) Städel
    „Segelboote am Strand von Les Saintes-Maries-de-la-Mer“

    Das Gemälde von 1888 gehört zu den stil-prägenden Bildern van Goghs. Bewahrt wird es im Van Gogh Museum in Amsterdam.

    (Foto: Van Gogh Museum, Amsterdam (Vincent van Gogh Foundation) Städel)

    In den Gartenhallen des Museums ist die opulente Schau mit vielen weit angereisten Exponaten in drei Kapitel geordnet, deren unterschiedliche Perspektiven über van Goghs Sonderstellung Aufschluss geben. Darüber hinaus entwickelt die Ausstellung eine eigene innere Logik, indem sie sich in der Historie des Städels verankert. Denn das Frankfurter Museum hatte bereits vor dem ersten großen Van-Gogh-Hype dessen kommende Größe erkannt und schon 1908 das „Bauernhaus in Nuenen“ (1885) und die „Kartoffelpflanzerin“ (1885) angekauft.

    Drei Jahre später kam auch noch das „Bildnis des Dr. Cachet“ (1890) hinzu, das 1937 von den Nazis als „entartet“ konfisziert wurde. Das Werk landete vorübergehend in Hermann Görings Privatsammlung und wurde von dort aus an einen Amsterdamer Bankier verkauft. 1990 sorgte das Porträt von van Goghs Nervenarzt für Furore, als es ein japanischer Unternehmer zum Rekordpreis von 82,5 Millionen Dollar ersteigerte und es so zum damals teuersten Bild aller Zeiten machte. Seither hängt das Werk an einem unbekannten Ort.

    Vermarktung durch Paul Cassirer

    Das erste Kapitel der Schau mit dem Titel „Mythos“ erzählt die Geschichte von van Goghs erstem Aufschwung, der wesentlich dem Berliner Kunsthändler Paul Cassirer zu verdanken ist. Der realisierte ab 1901 erste Ausstellungsprojekte in enger Zusammenarbeit mit van Goghs Schwägerin Johanna van Gogh-Bonger. In Wanderausstellungen zwischen Berlin und München waren große Arbeiten van Goghs zu sehen, die nun aus Paris, Madrid und Amsterdam wieder versammelt sind.

    Den ersten Ausstellungen in Deutschland folgten rasch Ankäufe fortschrittlicher Museen und Privatsammlungen wie etwa des Folkwang Museums (gegründet in Hagen vom Sammler Karl Ernst Osthaus, heute Essen), die nun als Leihgeber der Städel-Ausstellung fungieren.

    Der Kunsthändler Paul Cassirer war ein früher Förderer van Goghs. Das Porträt entstand 1911. Quelle: Stadtmuseum Berlin
    Leopold von Kalckreuth

    Der Kunsthändler Paul Cassirer war ein früher Förderer van Goghs. Das Porträt entstand 1911.

    (Foto: Stadtmuseum Berlin)

    Dass die deutsche Van-Gogh-Begeisterung damals nicht einhellig war, sondern von konservativen Kreisen sogar bekämpft wurde, belegt die Schau anhand einer Protestschrift, die 1911 vom Worpsweder Landschaftsmaler Carl Vinnen initiiert wurde und der sich 123 Künstlerinnen und Künstler anschlossen. Sie protestierten gegen den Ankauf der „Mohnblumen“ van Goghs für die Kunsthalle Bremen mit der Aufforderung, doch besser deutsche Kunst zu erwerben, als Steuergelder für einen holländischen Künstler aus Frankreich zu verschwenden. Der Protest blieb wirkungslos, da zahlreiche Persönlichkeiten der Kunstwelt mit einer Gegenschrift der Ankauf verteidigten.

    Als wesentlich für die Erschaffung des Mythos van Gogh beleuchtet die Schau die Rolle des Kritikers und Galeristen Julius Meier-Graefe, dessen Monografie „Vincent van Gogh“ von 1910 wesentlich zur Legendenbildung beitrug und den Künstler zum „Kunst-Apostel“ stilisierte, der sich in der Nachfolge Christi für seine Kunst opferte.

    Maltechnik unter der Lupe

    Das zweite Kapitel „Wirkung“ untersucht van Goghs Motive und den Eindruck, den seine furiose Malerei etwa auf die Mitglieder der Dresdner „Brücke“-Künstlervereinigung hatte, und zeigt exemplarische Werke unter anderem von Ernst Ludwig Kirchner und Karl Schmidt-Rottluff. Ins malerische Detail schließlich geht das abschließende Kapitel „Malweise“, das die kurze, kaum zehnjährige Schaffenszeit van Goghs und ihre stilistischen Phasen überzeugend auffächert.

    Auf hellgrauen, hoch aufragenden Wänden ist die Schau optimal präsentiert. Die farbkräftigen Arbeiten van Goghs, aber auch die seiner deutschen Nachfolger gewinnen eine fast blendende Strahlkraft und Wucht.

    Die Ausstellung „Making van Gogh. Geschichte einer deutschen Liebe“ im Frankfurter Städel Museum läuft noch bis zum 16. Februar 2020. Der 352 Seiten starke Katalog ist im Hirmer Verlag erschienen und kostet im Museum 39,90 Euro, im Buchhandel 49,90 Euro.

    Mehr: Lesen Sie hier wie Überliquidität 1987 auf dem Kunstmarkt für astronomische Preise sorgte, unter anderem auch für Werke von Vincent van Gogh.

    Startseite
    Mehr zu: Die Geburt eines Mythos - Wie Vincent van Gogh vom Geheimtipp zum Bestseller wurde
    0 Kommentare zu "Die Geburt eines Mythos: Wie Vincent van Gogh vom Geheimtipp zum Bestseller wurde"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%