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E-Commerce der Galerie David Zwirner Platformart: Die neue Click-to-Buy-Plattform für Millenials

Die Galerie Zwirner hat eine E-Commerce-Firma für die Offerten kleinerer Galerien gestartet. Das Angebot will die unter Vierzigjährigen ansprechen.
01.07.2021 - 10:20 Uhr Kommentieren
Vereinzelt findet man auch Klassiker der Schwarzweißfotografie auf der Platformart (Ausschnitt). Quelle: Tibor de Nagy Gallery
Louis Stettner „Brooklyn Promenade, Brooklyn“

Vereinzelt findet man auch Klassiker der Schwarzweißfotografie auf der Platformart (Ausschnitt).

(Foto: Tibor de Nagy Gallery)

New York Der enorme Online-Boom des Kunstmarktes in der Coronakrise war vor allem Neueinsteigern und jungen Sammlern zu verdanken. Das belegt der im April 2021 abgeschlossene „Online Art Trade Report 2020“ des internationalen Versicherers Hiscox. Aber nur wenige Händler haben daraus die kostspieligen Konsequenzen gezogen. 

Anders der New Yorker David Zwirner, der als einer ersten schon 2017 kräftig in seine digitale Präsenz investierte. Das Wachstum sei „crazy“, sagte der Galerist Anfang 2019 in Sotheby’s Podcast „In Other Words“. Allein seit März 2020 ist der Online-Absatz auf über 100 Millionen Dollar geklettert. Nun lancierte die Galerie im Mai eine neue E-Commerce-Initiative, die vieles aufgreift, was in der Pandemie gelernt wurde.

„Es gibt da draußen ein Publikum, von dem wir nichts wussten“, räumte Zwirner jüngst gegenüber der New York Times ein. Dabei handele es sich vor allem um Millennials, also die unter 40-Jährigen, die nicht unbedingt in Galerien oder auf Kunstmessen anzutreffen seien. Sie bezögen ihre Information vor allem über Online-Kanäle, wie etwa Instagram. „Die Kunstwelt hat sich nie um sie gekümmert“, beobachtet der Galerist. 

Gleich zu Beginn der Coronakrise in New York, als die Galerien im März 2020 zur temporären Schließung gezwungen waren, starteten Zwirners digitale Kanäle durch. Die Online Viewing Rooms (OVR) „Studio“ und „Exceptional Works“ wurden als Foren für Primär- und Sekundärmärkte lanciert. Zu manchen OVR hatten nur ausgewählte zahlungskräftige Kunden Zugang.

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    Aber Zwirner lud auch spontan, in seiner bekannt kollegialen Art, finanziell weniger gut aufgestellte junge New Yorker Kollegen ein. Sie konnten auf seinem „Platform“ genannten digitalen Kanal kostenlos einen Monat lang einen Künstler zeigen. Daraus entstand eine kleine Serie mit Galerien aus London, Los Angeles, Paris und Brüssel.

    Der Abzug
    Louis Stettner

    Der Abzug "Elbowing. Out of Town Newsstand" von 1954 ist mit 7500 Dollar ausgepreist.

    (Foto: Tibor de Nagy Gallery auf Platformart)

    Nun stellen auf dem neu geschaffenen, ebenfalls schlicht „Platformart“ genannten Kanal etwa ein Dutzend dynamischer junger Galerien, bisher überwiegend aus New York und Los Angeles, etwa 100 Kunstwerke des Primärmarktes ins Netz. Vieles wird extra für die von Zwirners „Platform”-Team kuratierten Auftritte geschaffen. Die immer publizierten Preise reichen von 2500 Dollar bis zu 50.000 Dollar.

    Aber nun kassiert bei jedem Verkauf der Vermittler, die unabhängige Firma David Zwirner Digital, eine Kommission von 20 Prozent. „Es ist ein komplett neuartiges Modell“, sagt Davids Sohn Lucas (30), einer der Motoren hinter „Platform“, zum Handelsblatt. Ganz unabhängig von Sammlerhierarchien kann hier jeder seinen Warenkorb beladen und über die „Buy Now”-Funktion mittels Kreditkarte auschecken.

    Das ist ungewöhnlich in einer Branche, die sich gerne vorbehält, Werke nur an wichtige Sammler oder Museen zu verkaufen. „Aber die Galerien schätzen die garantierte sofortige Bezahlung“, weiß der Enkel des legendären Kölner Galeristen Rudolf Zwirner.

    Nach dem Studium von Philosophie und Literatur an Yale University stieg Lucas zunächst als Verantwortlicher für das wachsende Publikationsprogramm ins väterliche Geschäft ein. Seit Beginn der Pandemie steuert er als „Head of Content“ jedoch sämtliche digitalen Aktivitäten des Hauses, das auf drei internationale Standorte gewachsen ist. Dort werden 74 Künstlerinnen und Künstler betreut, darunter auch bedeutende Nachlässe.

    Interviews mit Künstlern, Videos und Artikel um Themen, die vor allem die avisierten Marktnovizen interessieren könnten, begleiten den „Platform”-Auftritt. Das digitale Marketingteam der Galerie ist inzwischen auf etwa 50 Angestellte angewachsen. 

    Louis Stettner

    "Fifties Graffiti", datiert in die Jahre 1954 bis 1956, gehört zu den viel gefragten Motiven des US-Fotografen.

    (Foto: Tibor de Nagy Gallery auf Platformart)

    Galeriegründer David Zwirner konnte mit der „Platform”-Premiere sehr zufrieden sein. Allein in der ersten Woche wurden Werke für insgesamt 500.000 Dollar abgesetzt, und das, obwohl die große Werbekampagne für den asiatischen Markt noch ausstand.

    Wie zu erwarten waren einige trendige Künstler sofort vergriffen, zu ihnen zählte Clare Rojas (45), angeboten von der wichtigen jungen Galeristin Jessica Silverman aus San Francisco. Die von Folk Art inspirierte Künstlerin reichte gleich zwei studiofrische Gemälde nach.

    Bis zum Dezember seien „Platform”-Auftritte bereits ausgebucht. „Wir wollen aber nicht nur die kommerziellsten Werke zeigen, sondern auch herausfordernde Kunst von wichtigen, internationalen Künstlern,“ meint Lucas.

    Das aktuelle Angebot zeigt bis Mitte Juli unter anderem Mixed Media-Arbeiten von Kalup Linzy, der Schlagzeilen als Cross-dressing-Performance-Künstler machte und Werke, die an die AIDS-Krise erinnern. Aber es sind nicht nur junge Künstler vertreten. Die 1950 gegründete Tibor de Nagy Gallery in New York bietet Louis Stettners stimmungsvolle Schwarzweiß-Aufnahmen von Großstadt-Szenen aus den 1950er-Jahren an- für Preise zwischen 6500 und 8500 Dollar. 

    Senior David Zwirner wird aber auch die physische Präsenz seines Netzwerks weiter expandieren: Im Oktober eröffnet er „Walker 52“, seine vierte New Yorker Niederlassung, in einer ehemaligen Cocktailbar im trendigen Galerieviertel in TriBeCa. Hier verantwortet die schwarze Kuratorin Ebony L. Haynes ein anspruchsvolles Programm, das internationalen Künstlern an verschiedenen Stationen ihrer Karriere, die jedoch nicht zur Galerie gehören, Langzeitausstellungen bietet. Alle Werke werden verkäuflich sein. Die erste Show ist der 36-jährigen Kalifornierin Kandis Williams gewidmet.

    Mehr: Galerieplattform_de der Art Cologne: Das reduzierte Angebot soll mehr Aufmerksamkeit erzeugen

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