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Gotha 40 Jahre nach Kunstraub: Gemälde könnten wieder aufgetaucht sein

1979 wurden in Gotha fünf bedeutende Gemälde gestohlen. Jetzt sind sie womöglich wieder aufgetaucht und werden auf ihre Authentizität überprüft.
06.12.2019 - 19:08 Uhr Kommentieren
Aus diesem barocken Schloss wurden 1979 die fünf bedeutende Alte Meister gestohlen. Für die Gothaer Bürger war dies ein jahrzehntelanges Trauma. Quelle: imago/F. Berger
Schloss Friedenstein in Gotha

Aus diesem barocken Schloss wurden 1979 die fünf bedeutende Alte Meister gestohlen. Für die Gothaer Bürger war dies ein jahrzehntelanges Trauma.

(Foto: imago/F. Berger)

Düsseldorf Fünf bedeutende Altmeistergemälde aus dem größten Kunstraub in der Geschichte der DDR sind möglicherweise wieder aufgetaucht. Das gab heute die Stiftung von Schloss Friedenstein in der thüringischen Residenzstadt Gotha bekannt. Dort wurden die Gemälde am 14. Dezember 1979 gestohlen. „Wir haben die Bilder 40 Jahre nicht mehr gesehen. Für uns war das ein Totalverlust“, sagte Knut Kreuch, Oberbürgermeister von Gotha, dem Handelsblatt.

Der Stiftung zufolge traten im Juli 2018 „über einen Anwalt anonyme Personen“ an sie heran, „die behaupteten, die Besitzer dieser Gemälde zu sein, und eine abenteuerliche, weder belegbare noch plausible Erwerbsgeschichte lieferten“.

Es geht um Jan Lievens Rembrandt-Kopie „Alter Mann“, um das Brustbild eines unbekannten Herrn mit Hut und Handschuhen aus der Werkstatt von Frans Hals, um die „Heilige Katherina“ von Hans Holbein d. Ä., ein Selbstbildnis mit Sonnenblume nach Anthonis van Dyck und eine „Landstraße mit Bauernwagen und Kühen“ von Jan Brueghel d. Ä. Ihr Wert war damals mit etwa fünf Millionen DDR-Mark angegeben worden.

Kreuch, der damals das Amt des Stiftungsratsvorsitzenden bekleidete, führte diskret die Gespräche. Unterstützung erhielt er durch die Ernst von Siemens Kunststiftung, die Gotha schon wiederholt beim Rückkauf wertvollen verlorenen Kunstguts geholfen hatte. Zur Übergabe kam es am 30. September 2019. „Das war ein besonderer Moment in meinem Leben“, erzählt Keuch, dem die Gemälde zum Zweck der Begutachtung übergeben wurden.

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    Die Bilder waren in der Nacht vom 13. auf den 14. Dezember 1979 verschwunden. Mindestens ein Täter hatte sich in der düsteren und stürmischen Nacht mit Steigeisen Zugang zu dem Ausstellungsraum in der dritten Etage des Barockschlosses verschafft. Eine neu installierte Alarmanlage sollte erst wenige Tage später scharf geschaltet werden.

    Eine Sonderkommission ermittelte und stand auch nach Wochen noch ohne Ergebnis da. Über den Diebstahl wurde viel spekuliert, wilde Gerüchte machten die Runde. Manche Experten gingen etwa von einer Auftragsarbeit aus.

    Kreuch war zur Tatzeit ein Kind und überzeugt davon, dass so viel Raub und Mord wie bei „Aktenzeichen XY ungelöst“ in der DDR nicht passieren könne. „Diese Empfindung wurde im Dezember 1979 arg enttäuscht“, zitiert ihn die Stiftung. Lange bevor es eine kleine Mitteilung in der Zeitung „Das Volk“ gegeben hätte, habe man in Gotha über den großen Kunstraub getuschelt.

    „Seit 40 Jahren liegt diese Tat wie ein ungeklärtes Trauma über der Stadt“, so der Oberbürgermeister. Die Hoffnung, die wertvollen Gemälde eines Tages wieder zu bekommen, hätten viele Menschen schon aufgegeben gehabt.

    Drei Monate lang werden die Bilder nun kunsthistorisch und kunsttechnisch im Berliner Rathgen-Forschungslabor untersucht. Quelle: Stiftung Schloss Friedenstein Gotha/dpa
    Bild aus der Werkstatt von Frans Hals

    Drei Monate lang werden die Bilder nun kunsthistorisch und kunsttechnisch im Berliner Rathgen-Forschungslabor untersucht.

    (Foto: Stiftung Schloss Friedenstein Gotha/dpa)

    Drei Monate lang werden die Bilder nun kunsthistorisch und kunsttechnisch im Berliner Rathgen-Forschungslabor untersucht. Stellt sich heraus, dass sie authentisch sind, soll den zwischenzeitlichen Besitzern der Gemälde „eine moderate Aufwandsentschädigung beziehungsweise ein Finderlohn gezahlt werden, lässt die Stiftung verlauten.

    Möglich macht es die Ernst von Siemens Kunststiftung – und das nicht zum ersten Mal. Zuletzt verhalf die Siemens-Stiftung dem Suermondt-Ludwig Museum in Aachen zur Rückkehr eines in den Nachkriegswirren abhanden gekommenen Blumenstillleben von Balthasar van der Ast. „Eine 1979 in die Sammlung des Gothaer Schlosses gerissene Wunde könnte geschlossen werden, wenn sich die aufgetauchten Bilder als echt erweisen und es zu einem angemessenen Ausgleich kommt“, kommentiert Martin Hoernes, Generalsekretär der Stiftung.

    Die Stiftung Schloss Friedenstein vertritt die Berliner Rechtsanwältin Friederike von Brühl. Sie steht auf dem Standpunkt, dass die Stiftung durch den Diebstahl von 1979 nie ihr Eigentum verloren hat. Durch die Übergabe der Bilder befänden sich jene aber, falls es sich um die Originale – die 1979 gestohlenen Bilder – handelt, wieder in Besitz und Eigentum der rechtmäßigen Eigentümer.

    Wie aus der Pressemeldung der Stiftung Schloss Friedenstein hervorgeht, strengte unabhängig von ihr nun auch das Landeskriminalamt Berlin Untersuchungen an. Zu den Ergebnissen der bundesweiten Hausdurchsuchungen am Donnerstag gab das LKA jedoch noch keine Stellungnahme ab.

    Mit Agenturmaterial

    Mehr: Nach dem Dresdener Juwelen-Raub: Lesen Sie hier, warum sich die Bedrohung für deutsche Museen verschärft hat.

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