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Grünes Gewölbe in Dresden Kunstraub im Grünen Gewölbe: Steuerzahler könnten für Schaden haften

Der Juwelenraub in Dresden steht womöglich kurz vor der Aufklärung. Drei Männer sitzen in Haft. Von den Edelsteinen fehlt noch jede Spur – das könnte auch für die Bürger teuer werden.
20.11.2020 - 09:28 Uhr 1 Kommentar
Seine grüne Ausgestaltung gab dem Historischen Grünen Gewölbe den Namen. Quelle: imago images/epd
Das Silbervergoldete Zimmer

Seine grüne Ausgestaltung gab dem Historischen Grünen Gewölbe den Namen.

(Foto: imago images/epd)

Düsseldorf So wie die Diebe in Dresden kamen auch die schwer bewaffneten Polizisten in Berlin im Morgengrauen. Fast vor einem Jahr, am 25. November 2019, waren zwei Einbrecher durch ein Fenster in das weltberühmte historische „Grüne Gewölbe“ eingebrochen.

Überwachungskameras zeigen, wie die Diebe den unermesslich kostbaren Staatsschatz von Kurfürst August dem Starken mit einer Axt aus gesicherten Glasvitrinen förmlich herausbrachen und entwendeten. Die Täter flüchteten noch bevor die Polizei am Museum eintraf.

Entsetzen und Abscheu löste die Kombination von roher Gewalt und dem äußersten Raffinement aus, das sich in jenen Knöpfen, Broschen, Epauletten und Orden ausdrückt, die Sachsens Kurfürst einsetzte für seine Auftritte in blendender Schönheit.

Am Dienstag früh waren 1638 Polizeibeamte aus acht Bundesländern neben Spezialeinsatzkräften des Bundes in ganz Berlin, vor allem aber in Neukölln im Einsatz. In der Razzia konnten drei dringend tatverdächtige deutsche Staatsbürger festgenommen werden. Die Staatsanwaltschaft Dresden wirft den Beschuldigten schweren Bandendiebstahl und Brandstiftung in zwei Fällen vor.

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    Zwei 23 Jahre alte Männer und ein Sechsundzwanzigjähriger wurden noch am Dienstag dem Ermittlungsrichter in Dresden vorgeführt. Dieser ordnete Untersuchungshaft an. Die Tatverdächtigen haben sich zu den Vorwürfen bislang nicht geäußert. Nach zwei weiteren Tatverdächtigen, den 21-jährigen Zwillingen Abdul Majed und Mohamed Remmo, wird international gefahndet.

    Dass die Festgenommenen aus dem polizeibekannten Remmo-Clan stammen, hat ein Sprecher der Dresdner Staatsanwaltschaft bestätigt. So wenig filmreif der ruhig verlaufene Masseneinsatz der Polizei war, so wild bewegt ist das Leben des Clans. Die Großfamilie ist arabischstämmig, lebte laut dpa im kurdischen Gebiet im Osten der Türkei und kam in den 1980er-Jahren über den Libanon und Ost-Berlin nach West-Berlin.

    Einer der Tatverdächtigen war am 20. Februar 2020 wegen Beteiligung an einem nicht minder spektakulären Diebstahl verurteilt worden: 2017 hatten er und seine Komplizen die 100 kg schwere Goldmünze „Big Maple Leaf“ aus dem Berliner Bode-Museum gestohlen. Sein Verteidiger hatte Revision eingelegt. Deshalb saß der Mann noch nicht in Haft.

    In Berlin festgenommen, auf dem Weg zum Oberlandesgericht in Dresden. Quelle: dpa
    Tatverdächtiger (M.) im Kunstdiebstahl im Grünen Gewölbe

    In Berlin festgenommen, auf dem Weg zum Oberlandesgericht in Dresden.

    (Foto: dpa)

    Mitglieder dieser Großfamilie standen nicht nur wegen der geraubten Goldmünze, einem Bankeinbruch, einem Überfall auf einen Geldtransporter sowie zahlreichen Diebstählen und Drogendelikten vor Gericht, sondern auch im Zusammenhang mit einem Mann, der mit Baseballschlägern totgeprügelt wurde.

    Auf die Spur der Tatverdächtigen war die Polizei gekommen durch Spurensicherung, das als Taxi getarnte Fluchtauto und die Filme der Überwachungskameras. Laut Staatsanwaltschaft Dresden und Polizeidirektion Dresden wurden in ganz Berlin 20 Wohnungen durchsucht, zwei Garagen, ein Café und mehrere Fahrzeuge. Sichergestellt wurden Speichermedien, Bekleidungsstücke und in geringen Mengen Betäubungsmittel. Doch „die gestohlenen Kunstschätze wurden bislang nicht aufgefunden,“ räumt ein Polizeisprecher ein.

    Auf den Paradeschmuck aus Diamanten und Brillanten zielen Sachsens Kulturministerin Barbara Klepsch und Marion Ackermann, Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, in einer am Dienstag veröffentlichten Stellungnahme. Beide hoffen, dass nach dem gelungenen Schlag gegen das organisierte Verbrechen nun auch noch die für Sachsens Identität und für Kunstfreunde in aller Welt so wichtige Schatzkunst gefunden werde. Doch nach über einem Jahr ist die Chance nicht groß, sagt der Polizeisprecher.

    Auch Stephan Zilkens, Organisator der Tagung zur Staatshaftung am 20. November, gibt sich pessimistisch. „Den Staatsschatz werden wir in der uns bekannten Form wahrscheinlich nicht wiedersehen.“

    Der Versicherungsmakler aus Köln vermutet, dass das Ensemble zerstört und aufgelöst wurde: „Ein Vierzigkaräter wird in einen Dreißigkaräter umgeschliffen.“ Das sei zwar ein Wertverlust, aber so lassen sich die wertvollen Steine und die beim Schleifen abgefallen Diamantsplitter zu Geld machen. „Das kriegen nur Clans in ihren „closed shops“ hin. Sie haben Kontakt zu entsprechenden Handwerkern und Kunden.“ Und sind mit ihrer Kommunikation auf Arabisch im Vorteil. Kaum jemand in den Verfolgungsbehörden ist dessen mächtig.

    Das Selbstversicherungsprinzip von Bund und Ländern

    Was aber passiert, wenn die geraubten Schmucksets und Kleinodien nicht mehr auffindbar sind? Greift dann die Staatshaftung? „In Dresden greift nicht die Staatshaftung, sondern das Selbstversicherungsprinzip des Bundes und der Länder. Da – in einer Annahme – alle Güter des Landes größer sind als der größte anzunehmende Einzelschaden, reguliert das Land den Schaden selbst. Gegebenenfalls über den Steuerzahler,“ erläutert der Gastgeber der virtuellen „Art Cologne“-Tagung zur Staatshaftung.

    Schock, Wut und Entsetzen waren 2019 nach dem brutalen Raubüberfall auf das Grüne Gewölbe in Bevölkerung und Fachkreisen groß. Der Museumsbund ist ein Branchenverband mit mehr als 3700 persönlichen und institutionellen Mitgliedern. Gab es in den letzten zwölf Monaten substanzielle Verbesserungen in die Sicherheit von deutschen Museen?

    August der Starke liebte Diamanten und Edelsteine. Quelle: AFP
    Gestohlener Orden

    August der Starke liebte Diamanten und Edelsteine.

    (Foto: AFP)

    „Der Juwelenraub war für ein paar Museen ein Schub, um in Sicherheit zu investieren,“ sagt David Vuillaume, Geschäftsführer des Museumsbunds, auf Handelsblattnachfrage. „Aber auch unabhängig davon: Es wird ständig nachgerüstet.“ Vuillaume nennt zwei Gründe. Die Bedrohungslage wird größer und die Technik entwickelt sich laufend weiter.

    Was die finanziellen Mittel für Sicherheitstechnik betrifft, sieht es im laufenden Jahr noch ganz gut aus für Häuser der öffentlichen Hand, meint Brancheninsider Vuillaume. Aber nach den bereits angekündigten Sparmaßnahmen in Folge der Coronakrise „werden die Verhandlungen um Prioritäten 2021 härter werden.“

    Alle weiteren Nachfragen nach den Lehren aus dem Raub im Grünen Gewölbe lässt der freundliche Geschäftsführer aus der französischen Schweiz ebenso unbeantwortet wie die Staatlichen Kunstsammlungen in Dresden. Immerhin weiht Vuillaume uns ein in ein Dreistufenmodell, dem der Museumsbund folgt.

    Sicherheitsfragen bleiben intern

    Allgemeine Richtlinien werden publiziert, auf Tagungen ausgebreitet. Verbandsintern aber müssen die Ergebnisse des Arbeitskreises Sicherheit bleiben. Und darüber hinaus habe jedes Museum ein spezifisches Wissen in Sicherheitsfragen, das grundsätzlich nicht kommuniziert werde.

    Und so erfährt die Öffentlichkeit nicht mehr als die Dresdner Generaldirektorin Marion Ackermann preisgibt: „Seit den für uns alle so schrecklichen Ereignissen haben wir ein Risikominderungskonzept erstellt und weitreichende Maßnahmen getroffen, aufgrund derer wir sicherstellen können, dass so etwas zukünftig nie wieder passieren kann.“

    Mehr: Nach dem Dresdener Raub: Die Bedrohungslage von Schatzkammern hat sich deutlich verschärft

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    1 Kommentar zu "Grünes Gewölbe in Dresden: Kunstraub im Grünen Gewölbe: Steuerzahler könnten für Schaden haften"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Ein Mittel um solche solche Vorkommnisse wäre für das Land Sachsen Grenzkontrollen für Reisende aus Berlin einzuführen. Das sollte in CoVid19 Zeiten doch kein Problem darstellen. Triggerwarnung: Dieser Beitrag enthält 100% Ironie.

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