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Handel mit britischer Kunst Folgen des Brexits: Zusatzkosten fressen die Margen auf

Steuern und Zölle treiben die Kosten für Kunst aus England. Kleinere Galerien mit nur wenigen Angestellten prüfen, welche Verkäufe sich noch lohnen.
25.02.2021 - 17:39 Uhr Kommentieren
Das Gemälde von 2020 konnte die Unit Gallery im Januar an einen bedeutenden Sammler in Deutschland verkaufen und versenden. Quelle: Unit Gallery
Damian Elwes „Picasso’s Upstairs Studio in Cannes“

Das Gemälde von 2020 konnte die Unit Gallery im Januar an einen bedeutenden Sammler in Deutschland verkaufen und versenden.

(Foto: Unit Gallery)

London Es ist leider zu früh, um Aussagen darüber zu machen, welche Auswirkungen Brexit auf den britischen Kunstmarkt haben wird,“ schreibt Anthony Browne von der British Art Market Federation (BAMF) auf Anfrage. „Frühestens Ende des Jahres kann man wohl einen ausgewogenen Standpunkt dazu haben.“ Diese Aussage überrascht, war doch die BAMF im Vorfeld von Brexit eine der wenigen Lobbygruppen, die aktiv für den Austritt aus der EU waren. Und es ist faktisch nicht richtig, dass sich bisher keine Auswirkungen abzeichnen.

Die Direktorin von Lapada, einer Vereinigung britischer Kunst- und Antiquitätenhändler, Freya Simms, hat da schon mehr zu berichten. Seit Monaten bemüht sich der Verband, Mitglieder auf Brexit vorzubereiten: die Webseite hat einen ausführlichen Frage- und Antwort-Katalog veröffentlicht und Webinare wurden veranstaltet. Dennoch stehen die Telefone nicht still.

Vor allem kleine Händler versuchen teilweise verzweifelt, sich den neuen Bedingungen anzupassen. Dabei stehen vor allem Transportprobleme und Fragen zu Deklarationen, Zöllen und Steuern im Vordergrund. Seit 1. Januar müssen Objekte bei Ein- oder Ausfuhr ausführlich deklariert werden.

Die Zollabfertigung braucht Zeit und kostet Geld. Die Tage, als ein Händler mit seinem Transporter in Frankreich auf Märkten einkaufen, die Objekte einfach über die Grenze bringen und dann mit Aufgeld auf der Insel verkaufen konnte, sind ein für alle Mal vorbei. Es sei auch keine Lösung, alles den Kunsttransport-Spezialisten anzuvertrauen, sagt Simms. Die Profitmargen deckten die Zusatzkosten oftmals nicht.

Trotz der Vorarbeit der Lapada verursacht der Austritt aus der Zollunion bei vielen Händlern einen Schock. Das geht so weit, dass mancher auch sein Geschäftsmodell überdenkt. Simms‘ Fazit: Im Augenblick haben alle Marktteilnehmer mehr Papierkram, längere Arbeitszeiten und höhere Kosten – und möglicherweise werden Angebot und Nachfrage im dekorativen Bereich provinziell.

Simon Sheffield ist geschäftsführender Vorstand von Martinspeed Ltd., einem der großen Logistiker in Großbritannien. Er sieht den Mehraufwand natürlich gerne; und versichert dem Handelsblatt, dass es keine Staus, keine Schäden und keine Probleme gäbe.
Sein Unternehmen bereitete sich jahrelang auf den Brexit vor und pflegt gute Beziehungen zu den Behörden, so dass Zollabfertigungen in den Lagerhäusern vorgenommen werden können.

Den humorvollen Kommentar auf den EU-Austritt Großbritanniens schuf der Künstler für die Biennale in Riga 2018. Quelle: Susanne Schreiber Handelsblatt
Michael Landys „Brexit Kiosk“

Den humorvollen Kommentar auf den EU-Austritt Großbritanniens schuf der Künstler für die Biennale in Riga 2018.

(Foto: Susanne Schreiber Handelsblatt)

Obwohl es guttut, von solcher Stabilität zu hören, klingt doch heraus, dass man für die Absicherung, alles werde gut laufen, zahlen muss. Die Firma freut sich über mehr Aufträge, da Kunden quasi gezwungen sind, mit den großen Unternehmen zu arbeiten. Aber auch er betont, dass die Coronakrise das gesamte Transportvolumen sinken ließ.

Martin Keaney, Geschäftsführer von Artgo, einem kleineren Londoner Transportunternehmen bestätigt das. Vor dem Brexit fuhr er ein bis zweimal in der Woche auf das Festland, jetzt ein bis zweimal im Monat. Er spricht von fast 600 Euro Mehrkosten pro Fuhre, unabhängig von Wert und Größe, den allein die Zolldokumente abverlangen.

Im Zoll stecken geblieben

Wenn führende Galerien und Auktionshäuser mit hohem Umsatz und hohen Werten zurechtkommen, heißt das aber noch lange nicht, dass alles für sie unproblematisch abläuft. Thaddaeus Ropac berichtet dem Handelsblatt, dass er gerade eine Ausstellung mit Arbeiten des gehypten Amerikaners Alvaro Barrington, der in London lebt, in Paris vorbereite.

Barringtons Arbeiten stecken allerdings gerade im Zoll in Frankreich fest. Denn der Künstler schickte Teile, um die meisten Werke in der Galerie vor Ort fertigzustellen. Dementsprechend sind Transportlisten und Fotos nicht eindeutig vergleichbar, was der Zoll zur Zeit des Telefonats nicht akzeptierte und die Arbeiten nicht freigab.

Die kleinformatige Buntstift-Zeichnung von 2020 reiste per FedEx nach Düsseldorf (Ausschnitt). Quelle: Galerie Petra Rinck
Lothar Götz „o.T.“

Die kleinformatige Buntstift-Zeichnung von 2020 reiste per FedEx nach Düsseldorf (Ausschnitt).

(Foto: Galerie Petra Rinck)

Ropac betont: „Zwischen den Galerien ist es schon wesentlich schwieriger geworden, Kunst zu bewegen“. Es geht eben doch nicht nur ums Geld, sondern auch um Auswirkungen auf die Kreativität: „Bei den englischen Künstlern, da sehe ich eine Müdigkeit“, sagt der Großgalerist.

Im kleineren Umfeld, wo es keinen Stab von Angestellten gibt, sieht die Lage noch prekärer aus. Das bestätigt eine Reihe von kleineren Galerien aus Großbritannien wie auch Deutschland.

Zu hohe Kosten für den Transport

Petra Rinck, Galeristin aus Düsseldorf, bereitet gerade eine Ausstellung mit dem in London lebenden deutschen Künstler Lothar Götz vor. Dem Handelsblatt gegenüber spricht sie ganz offen über die neuen Transportprobleme und die Kosten. So ließ sie letztlich nur kleine Arbeiten von Götz per FedEx nach Deutschland bringen. Zwei große Arbeiten mussten in London bleiben, ein Transport hätte sich nicht gerechnet, vor allem falls kein Verkauf erfolgt.

Rinck repräsentiert auch die Künstlerin Emma Talbot. Sie gewann den Max Mara-Preis für Frauen. Die Kunsthalle Gießen plant eine Ausstellung mit Talbot, die aufgrund der Pandemie auf 2023 verschoben wurde. Der Kostenvoranschlag für den Transport der Arbeiten war aufgrund des Zeitpunkts zu hoch gewesen – unakzeptabel.

Martinspeed hat gute Kontakte zum Zoll. Quelle: Martinspeed
LKW

Martinspeed hat gute Kontakte zum Zoll.

(Foto: Martinspeed)

Für andere Galerien sieht die Lage natürlich anders aus. Unit Gallery in London, eine junge Galerie, die seit ihrer Gründung 2013 auf soziale Medien als Verkaufsanreiz setzt, verkauft Arbeiten ihrer Künstler in die ganze Welt. Die Galerie hat ein Logistik Team, für das es nun kaum einen Unterschied bedeutet, ob ein Werk nach Europa oder Hongkong ausgeführt wird. Es gibt einfach mehr Formulare. Die Galerie verkauft 80 Prozent des Umsatzes ins Ausland, die Mitarbeiter sind die Bürokratie gewohnt.

Leider sehen das die Sammler noch nicht ganz so. Joe Kennedy, einer der Gründer, berichtet wie ein Verkauf nach Griechenland fast nicht zustande gekommen wäre, da der Sammler nicht nur erhöhte Transportkosten, sondern auch die Einfuhrumsatzsteuer von 20 Prozent als Aufpreis auf die Arbeit zahlen musste. Von verschiedenen Seiten ist zu hören, dass die von Land zu Land verschiedenen Steuervorschriften im Warenverkehr mit Großbritannien besondere Aufmerksamkeit beanspruchen.

Kennedy bezeichnet das als Geburtswehen. Der Teufel liegt eben hier auch im Detail, bei all den Mehrwertsteuersätzen, Einfuhr- und Ausfuhrsteuern, die es in Europa gibt. Dennoch wird im Gespräch mit dieser jüngeren Generation von Galeristen klar, wie sich eine global agierende Firma von einer unterscheidet, für die die geografische und kulturelle Nähe in Europe wichtig sind.

Das Fazit: In einer globalen, digitalisierten Welt, in der Kundenservice im Vordergrund stehen sollte, ist die Rückkehr zur Bürokratie ein signifikanter Rückschritt. Darunter werden vor allem die Künstler, Galerien, aber auch Sammler leiden, wenn die Kosten dieser Mehrarbeit an die Substanz gehen. So mancher orientiert sich um: In Deutschland gibt es schon Transporteure, die nicht mehr auf die Insel fahren. Und Sammler kaufen im schlechtesten Falle woanders ein.

Der Berliner Galerist Aeneas Bastian, der auch eine Dependance in London betreibt, kann es sich noch erlauben, den Austausch zu pflegen, aber er bringt den Umschwung auf den Punkt: „Die Spontaneität und Kreativität im Austausch zwischen dem Königreich und Europa geht verloren, im kommerziellen und im nicht-kommerziellen Bereich“. Zu profitieren scheint davon zumindest bisher niemand.

Mehr: Art Market Report: Der Kunstmarkt geht in eine ungewisse Zukunft

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