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Internationale Medienkunst Sammlerin Julia Stoschek zieht ihre Kunst aus Berlin ab

Ein Trend setzt sich in Berlin fort. Sammler und Mäzene kehren der Stadt den Rücken zu – auch Julia Stoschek mit ihrer Medienkunst-Kollektion.
11.05.2020 - 13:27 Uhr 1 Kommentar
Knapp vier Jahre ist es her, da feierte die Medienkunst-Sammlerin die Eröffnung der Julia Stoschek Collection Berlin. Quelle: picture alliance / Eventpress HH
Julia Stoschek

Knapp vier Jahre ist es her, da feierte die Medienkunst-Sammlerin die Eröffnung der Julia Stoschek Collection Berlin.

(Foto: picture alliance / Eventpress HH)

Düsseldorf Julia Stoschek hat genug von Kleingeist und Behördenschikane in Berlin. Die Mitgesellschafterin der Unternehmensgruppe Brose besitzt eine der wichtigsten Sammlungen für internationale Medienkunst. Stammsitz ihres Privatmuseums ist eine umgebaute Fabrik in Düsseldorf. Seit 2016 unterhält die „Julia Stoschek Collection“ aber auch in Berlin eine Außenstelle – an der verkehrsumtosten Leipziger Straße 60.

Zu Zeiten der DDR befand sich dort das Tschechische Kulturzentrum. Stoschek hat nach eigener Aussage Millionen in die Renovierung des maroden Plattenbaus gesteckt. Jetzt will die Eigentümerin, die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, die Miete kräftig erhöhen. Eine Außensanierung sei nötig.

Sammlerin Stoschek verwies auf die von ihr für das Gebäude bereits in der Vergangenheit erbrachten hohen, finanziellen Engagements. Zudem äußerte sie den Wunsch, das Gebäude selbst zu kaufen. Doch bei der Berliner Behörde fand sie kein Gehör. Einen Ausweich-Standort bekam sie ebenfalls nicht angeboten.

Zuletzt machte die 44-jährige Sammlerin in der „Welt am Sonntag“ ihrem Ärger Luft und kündigte an, dass sie Berlin 2022 verlasse. So lange laufe ihr Mietvertrag noch. Bis dahin werde sie das Beste aus ihrer rund 860 Filme-und Mehrkanal-Projektionen umfassenden Sammlung zeigen. Denn ihr Ziel ist es, „die Medienkunst aus ihrer Außenseiterrolle zu befreien und für die breite Öffentlichkeit zugänglich zu machen“, wie sie dem Handelsblatt sagte.

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Standort erkennen

    Immer wieder hat Stoschek angedeutet, dass sie sich auch einen Standort im Ausland vorstellen könnte. Im Zusammenhang mit dem Abzug aus Berlin, bringt sie jetzt Los Angeles ins Spiel. Dort ist seit kurzem Klaus Biesenbach Direktor im Museum of Contemporary Art. Biesenbach war ein früher Mentor von Julia Stoschek. Für ihn ist sie „für deutsche Sammler eine Ausnahmeerscheinung, da sie eher nach amerikanischem Vorbild Institutionen fördert.“

    Politik zeigt zu wenig Interesse

    Das Drama für Berlin besteht nicht allein im Verlust eines Ausstellungshauses für Medienkunst, das viel zur Strahlkraft Berlin beträgt, aber nichts kostet. Stoschek reiht sich ein in eine lange Reihe von Sammlern und Mäzenen, die Berlin den Rücken kehren, weil sie von Seiten der Politik und der ansässigen Museumswelt zu wenig Interesse spüren.

    Erst im vergangenen Monat wurde bekannt, dass Milliardär Mick Flick seine riesige Sammlung aus den Rieckhallen am Hamburger Bahnhof in Berlin wieder in die Schweiz holt. Auch Thomas Olbricht übergibt sein Privatmuseum „ME Collectors Room“ an den Unternehmer Peter Janssen, der künftig in der Auguststraße das „Samurai Museum Berlin“ betreiben wird. Olbricht holt seine Kunst- und Wunderkammer samt der ausgedehnten Sammlung zeitgenössischer Kunst zum Thema Körper nach Essen.

    Sammler monieren Ignoranz und Misstrauen

    Berlin hat auch Egidio Marzona nach ersten Schenkungen nicht halten können. Marzona übergab sein Archiv mit kostbaren Quellen zur Kunst des 20. Jahrhunderts den Staatlichen Kunstsammlungen in Dresden. Deren Generaldirektorin Marion Ackermann konnte auch der Sammlerin Erika Hoffmann attraktive Perspektiven in Dresden für die Erika und Rolf Hoffmann Sammlung aufzeigen.

    Das Urteil der Sammler über Berlin ist gefällt: Gleichgültigkeit, Ignoranz und Misstrauen würden an den Schaltstellen der Metropole überwiegen. Damit aber hält eine Stadt, die wie Berlin eine Kunststadt sein möchte, keine Sammler. Sie fliehen scharenweise.

    Mehr: Kunstsammlerin Erika Hoffmann: „Kunst muss ein Stachel sein.“

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    1 Kommentar zu "Internationale Medienkunst: Sammlerin Julia Stoschek zieht ihre Kunst aus Berlin ab"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • "Das Urteil der Sammler über Berlin ist gefällt: Gleichgültigkeit, Ignoranz und Misstrauen würden an den Schaltstellen der Metropole überwiegen. Damit aber hält eine Stadt, die wie Berlin eine Kunststadt sein möchte, keine Sammler" - die Annahme ist falsch! Berlin will keine Kunststadt sein, sondern u. a. mit Mietendeckel und viel Staatsknete eine effektiv aus dem Westen finanzierte Fortsetzung eines "Arbeiter- und Bauernparadieses".

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