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Kunstkriminalität Holland sucht nach dem gestohlenen Bild von Vincent van Gogh

Aus einem Museum in Laren bei Amsterdam entwenden Diebe ein Frühwerk von Vincent van Gogh. Bislang sind seine Gemälde immer wieder aufgetaucht.
02.04.2020 - 16:57 Uhr Kommentieren
Das Gemälde aus dem Jahr 1884 wurde am Montag aus dem Museum in Laren gestohlen. Quelle: © 2018 Groninger Museum
Vincent van Gogh „Frühlingsgarten. Der Pfarrgarten von Nuenen“

Das Gemälde aus dem Jahr 1884 wurde am Montag aus dem Museum in Laren gestohlen.

(Foto: © 2018 Groninger Museum )

München Vier Monate nach dem rabiaten Juwelenraub im Grünen Gewölbe in Dresden haben Diebe diesmal in der holländischen Provinz ein Kunstwerk von Weltklasse gestohlen. In den frühen Morgenstunden am Montag dieser Woche schlugen sie die Glastür des Singer Laren Museums im Städtchen Laren bei Amsterdam ein und entwendeten in wenigen Minuten Vincent van Goghs Frühwerk „Frühlingsgarten. Der Pfarrgarten von Nuenen“ aus dem Jahr 1884. Es ist der Garten seiner Eltern in Brabant.

Der Schock sitzt auch nach fünf Tagen immer noch tief. Seit Mitte Januar hing das Querformat eines der größten Künstler der Moderne als Leihgabe des Groninger Museums in der Ausstellung „Spiegel der Seele – Symbolismus in den Niederlanden“ im nordholländischen Laren.

Andreas Blühm, Direktor des Groninger Museums, sieht darin mehr als einen Verlust für die Sammlung seines Hauses: „Das ist ein Diebstahl an uns allen.“ Er glaubt nicht, dass der sogenannte Lockdown im europaweiten Corona-Ausnahmezustand als Gelegenheit zum ungestörten Einstieg genutzt wurde.

„Das muss von langer Hand geplant gewesen sein“, sagte Blühm im Gespräch mit dem Handelsblatt. Gezielt steuerten die Diebe auf Van Goghs Werk zu. Alle anderen Ausstellungsexponate, darunter Werke von Jan Toorop und Piet Mondrian, blieben unberührt.

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    Die „Vermarktung“ eines geraubten Kunstwerks wie „Frühlingsgarten“ läuft in den meisten Fällen nach zwei klassischen Mustern ab: Die Versicherung, beziehungsweise die Institution wird erpresst. Oder es wird als Zahlungsmittel in der Unterwelt benutzt.

    Auf Gemälde von Vincent van Gogh scheinen es Diebe besonders häufig abzusehen. Blüm erwähnte, dass weltweit im Laufe der Zeit 28 Werke des Schöpfers der berühmtesten Sonnenblumen der Kunstgeschichte gestohlen worden seien. Bislang seien alle wieder aufgetaucht.

    Das 1885 entstandene Gemälde wurde für 15 Millionen Pfund von der Galerie Dickinson angeboten. Quelle: Simon C. Dickinson Ltd, London.
    Vincent van Gogh „Paysanne devant une chaumière“

    Das 1885 entstandene Gemälde wurde für 15 Millionen Pfund von der Galerie Dickinson angeboten.

    (Foto: Simon C. Dickinson Ltd, London. )

    Für Schlagzeilen sorgte 2016 die Wiederentdeckung zweier Van-Gogh-Gemälde, die 2002 aus dem Van Gogh Museum Amsterdam gestohlen worden waren. Die italienische Polizei fand die Gemälde „Meersicht bei Scheveningen“ und „Die Kirche Nuenen mit Kirchgängern“ bei einem Schlag gegen das organisierte Verbrechen im Hause eines neapolitanischen Drogenbosses.

    Dass Van Gogh zur Währung in der Unterwelt wird, verwundert nicht. Van Goghs Werke gehören zu den populärsten Motiven der Klassischen Moderne. Auch außerhalb von Kennerkreisen ist sein Platz im Ranking der teuersten Gemälde bekannt: unter den ersten zwanzig.

    Schlüsselwerke kaum auf dem Markt

    Im Jahr 1990 war es eine Sensation, als der japanische Sammler Saitō Ryōei das Gemälde „Dr. Gachet“ für gewaltige 82 Millionen Dollar ersteigerte. Schlüsselwerke wie dieses kommen kaum noch auf den Markt. Viele Gemälde aber werden weiterhin zu siebenstelligen und mitunter achtstelligen Summen gehandelt.

    Vor drei Jahren kam bei Christie‘s das Gemälde „Laboureur dans un champs“ zum Aufruf. Das in schrillen Farben gemalte Bild mit einer psychedelisch-sengenden Sonne am Horizont und einem Feldarbeiter erinnert an das prominente Gemälde „Sämann“. Es war einem Käufer umgerechnet 69,7 Millionen Euro wert.

    Auf der diesjährigen Tefaf in Maastricht, der hochkarätigsten Messe der Welt, bot die Londoner Galerie Dickinson das 1885 entstandene Frühwerk „Paysanne devant une chaumière“ für 15 Millionen Euro an. Die „Farmerin vor Bauernkate“ ist verkauft.

    Noch keine heiße Spur

    Über den Versicherungswert des entwendeten „Frühlingsgartens“ bewahrt das Groninger Museum Stillschweigen. „Die frühen Van Goghs sind eher dunkel und weit entfernt von den typischen Farben, mit denen er später in Frankreich arbeitete. Dieses Gemälde ist innerhalb des Frühwerks aber recht ambitioniert,“ erläutert Andreas Blühm gegenüber dem Handelsblatt seine Bedeutung. „Und es ist ein intimes Dokument von Vincent van Goghs Lebenssituation bei den Eltern in Brabant und von daher ein wichtiges Gemälde im Schaffen des Künstlers.“

    Die niederländische Polizei arbeitet mit Hochdruck an dem Fall. Bis Redaktionsschluss gab es noch keine heiße Spur. Um keinen Hinweis zu übersehen, bat sie die Bevölkerung, sich an einer TV-Sendung zu beteiligen, die so ähnlich funktioniert wie „Aktenzeichen XY… ungelöst“.

    Mehr: Größter Kunstraub der DDR: Besitzer gestohlener Altmeister-Gemälde gehen leer aus

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