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Mäzenatentum Kunstförderung mit Einnahmen aus Ohrwürmern

Der verstorbene Schlagerkomponist Nick Munro und seine Frau Vera fördern mit ihrer Stiftung ein Kunstwerk, das sich vom Marktgängigen absetzt. Anschließend bekommt es ein Museum geschenkt.
28.05.2020 - 14:19 Uhr Kommentieren
Die Installation zieht den Betrachter tief in die Geschichte der Kunst und das Oeuvre der Künstlerin. Quelle: Nick and Vera Munro Foundation, VG Bild-Kunst, Bonn 2020, Sprüth Magers
Rosemarie Trockel „A Gift of my Parents“

Die Installation zieht den Betrachter tief in die Geschichte der Kunst und das Oeuvre der Künstlerin.

(Foto: Nick and Vera Munro Foundation, VG Bild-Kunst, Bonn 2020, Sprüth Magers)

Hamburg Generationen haben den Gassenhauer „Theo, wir fahr’n nach Lodz“ im Ohr oder erinnern sich an das romantische „Apres toi“, das Nick Munro für Vicky Leandros schrieb. Heute finanzieren die noch immer sprudelnden Tantiemen eine Stiftung, die Maßstab setzende Kunstankäufe für Museen ermöglicht. Eine Idee, die der erfolgreiche Schlagerkomponist und Texter zusammen mit seiner Frau, der Galeristin Vera Munro entwickelte bevor er 2013 im Alter von 85 Jahren starb. Jetzt ist die in Hamburg ansässige „Nick and Vera Munro Foundation“ mit ihrem ersten Projekt an den Start gegangen.

Schauplatz ist die Galerie Vera Munro. Sie ist zugleich das intellektuelle und organisatorische Zentrum der Stiftung. Im schönsten Raum, dem Lichtdurchfluteten oberen Stockwerk, präsentiert sie ihre Eröffnungsausstellung, „Rosemarie Trocke. A Gift of my Parents“. Zu sehen sind 25 überarbeitete, großformatige Digitaldrucke von Trockel, die zusammen einen kompakten Bilderfries bilden. Dieses nahezu wandfüllende Werk namens „Cluster IV – Subterranean Illumination“ ergänzen im abgedunkelten Annex zwei leise summende Video-Projektionen.

Die sich nicht so leicht erschließende Installation arbeitet mit komplexen visuellen Verweisen auf die jüngere Kunstgeschichte und auf das bisherige Werk der 67-jährigen Künstlerin. Erinnert sei an „Ein Haus für Schweine und Menschen“, mit dem Trockel neben Carsten Höller 1997 auf der „documenta X“ in Kassel für Furore sorgte, und an ihre Teilnahme an der Biennale von Venedig 1999. Sie war die erste Frau, die den deutschen Pavillon bespielte.

Die Ausstellung und das sie begleitende, allerdings noch nicht erschienene Buch, legen die Messlatte für die kommenden Ausstellungen durchaus hoch. Von einer Galerie, die auf kontinuierlichen Verkauf angewiesen ist, wäre das Projekt wohl kaum zu leisten. Denn Rosemarie Trockel gehört zu den meist begehrten Künstlern weltweit. Museen mit ihren kleinen Ankaufsetats können sie sich kaum noch leisten. Und auch die Sammler sind rarer geworden. Im „Capital-Kunstkompass“ vom letzten Jahr belegt die Künstlerin Rang vier unter den Top-100-Gegenwartskünstlern.

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    Der Bilderfries setzt sich aus 25 überarbeiteten Digitaldrucken zusammen. Er ist Teil der Installation „A Gift of my Parents“, die später einem Museum geschenkt werden soll. Quelle: Nick and Vera Munro Foundation, VG Bild-Kunst, Bonn 2020, Sprüth Magers
    Rosemarie Trockel „Cluster IV – Subterranean Illumination“

    Der Bilderfries setzt sich aus 25 überarbeiteten Digitaldrucken zusammen. Er ist Teil der Installation „A Gift of my Parents“, die später einem Museum geschenkt werden soll.

    (Foto: Nick and Vera Munro Foundation, VG Bild-Kunst, Bonn 2020, Sprüth Magers)

    Die Tantiemen aus den Kompositionen Nick Munros, die Vera Munro als Rechtsnachfolgerin zufließen, werden die Stiftung auch künftig finanzieren. Welch überraschend schöne Symbiose. Populärkunst finanziert Hochkultur.

    Die Stiftung finanziert jedoch nicht einfach nur eine Ausstellung. Sie ist eine Art „Carte Blanche“, lässt dem Künstler freie Hand, auch in der Entscheidung, an welches Museum das Werk gehen soll. Das ist mehr als eine große Geste. Das ist Kunstförderung im besten Sinne.

    „Welches Museum das ausgestellte Werk ‚A Gift of my Parents‘ erhalten wird, ist noch offen“, fasst Vera Munro den aktuellen Stand zusammen. Ein Beirat soll die Stiftung zukünftig unterstützen.

    Damien Hirst ginge gar nicht

    Aber „die Künstler werden im Wesentlichen von mir bestimmt“, präzisiert die Galeristin. Natürlich sei sie bereit, diese Positionen mit dem Board zu diskutieren. „Aber es ist klar, dass es sich um Künstler handeln muss, die meiner Haltung der Kunst gegenüber entsprechen, dass heißt Künstler, deren Arbeit und Kunstentwurf ich auch schätze“, ergänzt Munro. Es ginge zum Beispiel nicht, wenn jemand Damian Hirst vorschlagen würde.

    Ein anderes Kunststück dürfte es sein, Galerie und Stiftung so zu führen, dass jedweder Verdacht auf eine Vorteilsnahme gar nicht erst aufkommt. Denkbar wäre ja, dass ein Museum ein Werk gestiftet bekommt und deswegen später von der Galerie andere Arbeiten erwirbt. Vera Munro ist sich dieser Gefahr sehr bewusst. Deswegen wird nicht nur auf die Wahl der Künstler, sondern auch auf die gute Führung der Stiftung besonderer Wert gelegt.

    Kunstförderung gegen den Trend

    Die „Nick and Vera Munro Foundation“ wird künftig von Hamburg aus Kunst fördern, „die sich bewusst gegen den vordergründigen Trend, gegen marktgängige und kommerzorientierte künstlerische Positionen absetzt.“ Das ist der Wille der Stifter. Die Trockel-Ausstellung gibt einen verlockenden Vorgeschmack auf das Kommende, und die Stiftungswelt ist um ein Konzept reicher geworden. Die Zukunft wird hoffentlich beweisen, ob es trägt.

    Die Eröffnung der Ausstellung ist wegen der Corona-Pandemie auf den Sommer verschoben worden. Sie kann jedoch bereits jetzt nach Voranmeldung besichtigt werden.

    Mehr: Corona-Krise: Deutsche Museen sorgen sich um ihre Budgets

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