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Museen „Lebende Bilder“ sind der Hit auf Instagram

In der Coronakrise rufen die Kunstsammlungen Menschen weltweit dazu auf, ihre Lieblingsbilder zu Hause nachzustellen. Die Ergebnisse machen auf Social-Media-Kanälen Furore.
17.04.2020 - 08:31 Uhr Kommentieren
Wenn der Lockdown den Museumsbesuch verbietet, kann man ja mal sein Lieblingsbild nachstellen. Quelle: Carrie Burch/@imquartantined
Carrie Burch auf @imquartantined

Wenn der Lockdown den Museumsbesuch verbietet, kann man ja mal sein Lieblingsbild nachstellen.

(Foto: Carrie Burch/@imquartantined)

New York An Online-Aangeboten der wegen Ansteckungsgefahr vorübergehend geschlossenen Museen mangelt es in diesen Tagen des Lockdown wahrlich nicht. Sie wollen durch virtuelle Rundgänge, Einblicke in die Sammlungen und Videos präsent bleiben. Die Frick Collection in New York dachte sich dazu „Cocktails with a Curator“ aus, freitagnachmittags über YouTube verbreitete Bildanalysen. Aber die schrecklich gelangweilten Eingesperrten möchten auch manchmal einfach selbst kreativ werden.

Es war eine Holländerin, die ein Spiel aus dem 18. Jahrhundert wieder aufleben ließ. Mit drei simplen Haushaltsgegenständen sollen Menschen im Homeoffice ein Lieblingskunstwerk nachstellen und so ein modernes „Tableau Vivant“ erstellen. Anneloes Officiers stellte vor vier Wochen über den digitalen Fotodienst Instagram ausgewählte Fotos mit Vorlage auf ihrem Konto @tussenkunstenquarantaine ins Netz.

Die „lebenden Bilder“ wurden ein Riesenerfolg weltweit. „Als Leute ins Homeoffice umzogen, ging es richtig los, heute haben wir Beiträge aus der ganzen Welt“, erklärte die Holländerin in einem Instagram-Video. Ihre immer noch stündlich wachsende Zahl von Followern lag zuletzt, Mitte April, bei 197.000.

Die Nutzer sind begeistert: „Diese Idee regt uns an, mit Imagination und unseren eigenen Händen zu arbeiten, uns zu verkleiden, unsere bekannten vier Wände mit neuen Augen zu sehen, den Augen der Unschuld. Jeder Kontext trägt das mögliche Szenario eines Abenteuers oder einer Entdeckung in sich“, postete eine dankbare Nutzerin auf Officiers LinkedIn-Seite.

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    Der Spaß am wiederentdeckten „lebenden Bild“ springt uns förmlich aus den Fotos an. Vor allem Gemälde Alter Meister inspirieren, besonders populär sind Johannes Vermeers berühmtes „Mädchen mit dem Perlenohrgehänge“ und Frida Kahlos Selbstporträts. Triumphierend häufig kommen Rollen Toilettenpapier zum Einsatz. Sie finden sich etwa zur riesigen Halskrause aufgefädelt, wie sie im 16. Jahrhundert getragen wurde. Das berühmte antike Kykladenidol eines sitzenden Harfenspielers inspirierte und wurde mithilfe eines Staubsaugerschlauchs aktualisiert.

    Pablo Picassos
    Carrie Burch auf @imquartantined

    Pablo Picassos "Garçon à la pipe" von 1905 sorgte zuletzt 2004 bei einer Versteigerung durch das Auktionshaus Sotheby's für Aufsehen.

    (Foto: Carrie Burch @imquartantined; VG Bild-Kunst, Bonn 2020 für Picasso)

    Sehr schnell griffen zuerst das Rijksmuseum, dann auch das J. Paul Getty Museum und das Metropolitan Museum of Art das Phänomen auf und nutzen es, um ihre frei herunterzuladenden Sammlungen zu propagieren.

    „Unsere eigene Kampagne hatten wir schon vor Monaten gestartet. Auch sie zeigt Besucher, die Kunstwerke in unserem Museum nachstellen. Aber als wir das unglaubliche @tussenkunstenquarantine sahen, verbanden wir einfach beide Ideen zu #MetTwinning,“ sagt Claire Lanier, Senior Manager of Social Media dem Handelsblatt. „Dieses Konzept macht so viel Spaß und ist so kreativ. Ich glaube, dass es uns allen in diesen schwierigen Zeiten ein bisschen Freude und Humor bringt.“ Ein winziger, aber sehr notwendiger Lichtblick.

    Kostenträchtige Krise

    Denn seit das Museum am 13. März proaktiv als erste Institution in New York vorübergehend schloss, sieht es düster aus. Ausgerechnet im Jubiläumsjahr, das den 150. Geburtstag großartig feiern sollte. „Unsere derzeitige Prognose ist, dass uns die aktuelle Krise rund 100 Millionen Dollar kosten wird. Allein 60 Millionen Dollar bis zum Ablauf des Haushaltsjahres Ende Juni und bis zum Zeitpunkt unserer geplanten Wiedereröffnung,“ so Direktor Max Hollein zum Handelsblatt.

    Und auch in der Zeit nach der Wiedereröffnung werde es finanziell andere Voraussetzungen geben, New York werde lange brauchen, um den internationalen Tourismus wieder aufzubauen, vermutet Hollein. „Der macht bei uns 30 Prozent der Besucher aus. “

    „Die ökonomische Situation wird sich auf unser Fundraising auswirken, insofern rechnen wir mit einem weiteren Verlust von mindestens 40 Millionen bis zum Ende dieses Jahres“, ergänzt Hollein. Für alle kulturellen oder gemeinnützigen Institutionen sei dies eine finanziell sehr schwierige, so noch nie da gewesene Zeit – und viele andere, kleine Institutionen seien existenziell bedroht.

    Bei der Vorlage handelt es sich um eines der meistpublizierten Porträts der jüngeren Geschichte. Das afghanische Mädchen wurde 1985 von Steve McCurry in einem pakistanischen Flüchtlingscamp fotografiert. Ihr Bild erschien erstmals im Magazin „National Geographic“. Quelle: Carrie Burch/@imquartantined
    Carrie Burch auf @imquartantined

    Bei der Vorlage handelt es sich um eines der meistpublizierten Porträts der jüngeren Geschichte. Das afghanische Mädchen wurde 1985 von Steve McCurry in einem pakistanischen Flüchtlingscamp fotografiert. Ihr Bild erschien erstmals im Magazin „National Geographic“.

    (Foto: Carrie Burch/@imquartantined)

    „Wir haben rund 50 Millionen Dollar von den Erträgen aus unseren Stiftungsgeldern umgewidmet und uns auch an unsere Förderer gewandt. Wir werden hier wohl rund 25 Millionen Unterstützung bekommen. Anderes müssen wir über Kostenreduktion auffangen,“ erläutert der Museumsdirektor. „Langfristig gilt es, einiges zu adjustieren und zu verändern. Es liegen harte Entscheidungen vor uns.“

    Die Jubiläumsausstellung „Making The Met“ sei die Geschichte der letzten 150 Jahre des Metropolitan Museum of Art und in gewissem Sinne auch eine Geschichte der letzten 150 Jahre New Yorks sowie des Museumswesens allgemein. „Sie war kurz vor der Eröffnung, als wir schließen mussten.“ Sie soll nun nach der Wiedereröffnung voraussichtlich Anfang Juli bis in den Januar 2021 gezeigt werden.

    „Es ist, wenn man so will, die ideale Ausstellung für den Moment“, findet Hollein. „Denn sie zeigt auch, wie das Museum vergangene Zeiten voller Unsicherheit überstanden und die Widerstandsfähigkeit der Institution unter Beweis gestellt hat.“

    Mehr: Internetauftritt: Museen stoßen digitale Fenster auf

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