Nachlass Richard Feigen: Auktion in New York: Was Bieter aus der Reserve lockte
Diese Ansicht des Canale Grande in Venedig erzielte erstaunliche 7,4 Millionen Dollar. Geschätzt war sie auf 2 bis 3 Millionen Dollar.
Foto: Sotheby's New YorkNew York. Der von Sotheby’s am Morgen des 18. Oktober versteigerte Nachlass des prominenten New Yorker Händlers Richard Feigen spiegelte schön die Persönlichkeit des im Februar im Alter von 90 Jahren an Covid-Folgen Verstorbenen: „Nur wenige amerikanische Händler des 20. Jahrhunderts waren hinsichtlich der Breite ihres Interesses, ihrer Kenntnisse und Bedeutung so einflussreich wie Richard L. Feigen“, so Christopher Apostle, Chef der New Yorker Altmeisterabteilung.
Das Spektrum der 55 Lose reichte von italienischen Goldgrundgemälden des 14. Jahrhunderts bis zu Max Beckmann, für den sich der Händler als einer der ersten in den USA stark gemacht hatte. Die Highlights seiner Sammlung stiftete Feigen allerdings an verschiedene Museen oder hatte sie schon zu Lebzeiten verkauft.
Sotheby’s vermittelte im Januar 2016 Orazio Gentileschis „Danae“ (1621) an das Getty Museum zu 30.5 Millionen Dollar, und auch Christie’s versteigerte vier Gemälde der Sammlung, in erster Linie italienische Meister. Sie hatten im Mai 2019 fast 13 Millionen Dollar eingespielt.
Für den Rest veranschlagte Sotheby's jetzt 11.5/17 Millionen Dollar netto, das Ergebnis von 16,1 Millionen Dollar brutto (13.3 Millionen Dollar netto) landete mitten in den Erwartungen.
Besonders gut lief es für britische Künstler des 18. und 19. Jahrhunderts. Der früh verstorbene und heute weitgehend unbekannte Romantiker Richard Parkes Bonington (1801-1828) wurde besonders heftig umworben. Experten schätzen ihn als einen der begabtesten Landschaftsmaler des Landes und Feigen gehörte jahrzehntelang, neben dem anglophilen Bankier Paul Mellon, zu Boningtons leidenschaftlichsten Sammlern in den USA.
Ein fast Unbekannter an der Spitze der Top-Ten
Boningtons stimmungsvolle Architekturstudie „The Palazzi Manolesso-Ferro, Palazzo Contarini-Fasan and Venier Contarini on the Grand Canal, Venice“ (1826) führte am Montag die Top-Ten-Liste an. Feigen hatte das Bild 1987 in London ersteigert, nun setzte es nach einem Duell den neuen Bonington-Rekord bei 7,4 Millionen Dollar. Die Schätzung betrug 2 bis 3 Millionen Dollar.
Derselbe Bieter, ein privater Sammler, sicherte sich zu 2,7 Millionen Dollar auch Boningtons ligurische Landschaft „View of Lerici with Baron Charles Rivet sketching in the foreground“. Laut Preisdatenbank artnet stand die Bestmarke des seltenen angebotenen Malers seit Juli 2015 bei 3,83 Millionen Dollar. Drei kleinformatige Aquarelle Boningtons konnte Sotheby’s Altmeisterspezialist Alexander Faber übers Telefon auch an seinen Telefonanbieter vermitteln.
Max Beckmanns häufig ausgestelltes „Bildnis eines Türken“ aus dem Jahr 1926 ging taxgerecht bei 2,68 Millionen Dollar in eine nordamerikanische Sammlung. Dagegen fand sein „Großer Steinbruch in Oberbayern“ aus dem Jahr 1934 kein Interesse und endete mit der Höchsterwartung von 1,5 Millionen Dollar auf der Rückgangsliste.
Mehr: Nachruf auf Richard L. Feigen: Er war ein Sammler im Händlergewand