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Olbricht Collection Befreiungsschlag durch Verkauf

Ende September wird das Kölner Auktionshaus Van Ham Wunderkammerobjekte, zeitgenössische Kunst und Fotografie aus der Sammlung des Wella-Erben Thomas Olbricht versteigern.
06.08.2020 - 15:18 Uhr Kommentieren
Die 2001 entstandene Neoninstallation O.T. (target) hat einen Durchmesser von drei Metern. Ihr Schätzpreis beläuft sich auf  80.000 bis 120.000 Euro. Quelle: Van Ham
John Armleder

Die 2001 entstandene Neoninstallation O.T. (target) hat einen Durchmesser von drei Metern. Ihr Schätzpreis beläuft sich auf 80.000 bis 120.000 Euro.

(Foto: Van Ham)

Düsseldorf Wenn das Kölner Auktionshaus Van Ham am 26. September 500 Objekte aus der Olbricht Collection versteigert, endet ein inspirierendes Kapitel in der Geschichte deutscher Privatsammlungen und -museen. Das ist für die Menschen, die Thomas Olbricht auf seine höchst persönliche „Abenteuerreise durch die Kunst“ mitzunehmen verstand, ein großer Verlust; für andere vielleicht der Beginn des Abenteuers Kunstsammeln.

Erst im Mai hatte der ehemalige Arzt und Wella-Erbe die Schließung seines 2010 eröffneten Privatmuseums „me Collectors Room Berlin“ verkündet. Nun möchte sich der 72-Jährige einem neuen Lebensabschnitt zuwenden und die kulturelle Bildung von Kindern und Jugendlichen fördern. Und zwar befreit vom kräftezehrenden Anspruch einer solchen Institution, aber auch einer auf gut 4000 Objekte angewachsenen Privatsammlung, die zu den größten und bedeutendsten Europas zählt. Wesentliche Werkblöcke sollen nach Auskunft von Auktionator Markus Eisenbeis indes im Besitz Olbrichts bleiben.

Was bei Van Ham unter den Hammer kommt, ist ein Querschnitt durch die Privatsammlung, die sich um existenziell grundsätzliche Themen des Menschseins rankt: um Werden und Vergehen, Leben und Sexualität. Leitmotiv ist das „Memento mori“ – „Bedenke, dass du sterblich bist“.

Versteigert werden Fotokunst, Klassische Moderne, zeitgenössische Kunst und die Artefakte der „Wunderkammer“. Unter Letzteren versteht Olbricht außergewöhnliche, seltene Kunstwerke und Naturalien, die meist schon im 15. und 16. Jahrhundert als kunstvoll präsentierte Schaustücke gesammelt wurden, die Vorläufer des heutigen Museums. Vieles ging durch die Hände des Kunsthändlers und Wunderkammerspezialisten Georg Laue, der den Sammler bei der Zusammenstellung beriet.

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    Der Kunstsammler im me Collectors Room vor den Werken
    Thomas Olbricht

    Der Kunstsammler im me Collectors Room vor den Werken "Ihr schön" (l) und "Schergen" des Künstlers Jonas Burgert.

    (Foto: Jörg Carstensen/dpa)

    Das Spektrum reicht von einer vor Millionen Jahren rund geformten Sandsteinformation, der sogenannten „Gogotte Formation“, über wissenschaftliche Instrumente, die häufig einen medizinischen Hintergrund haben, bis hin zu Präparaten wie dem verrückt kostümierten Albatros mit Hut und einer vor der Brust baumelnden Kreuzkette. Für Olbricht konnte aber auch therapeutisches Spielzeug aus dem 20. Jahrhundert ein wundersames Objekt darstellen. Die Schätzpreise für das Gros dieser rund 250 Objekte bewegen sich zwischen 1000 und 10.000 Euro.

    Der Anteil an zeitgenössischer Kunst und Fotografie liegt bei etwa 30 bis 35 Prozent. Der Rest entfällt auf die Klassische Moderne, die mit musealen Einzelstücken präsent ist. Darunter ein 1908 datiertes Pastell von Ernst Ludwig Kirchner mit zwei weiblichen Akten, für das 60.000 bis 80.000 Euro erwartet werden.

    Anspielungsreicher Pferdemord

    Top-Los im Bereich der Zeitgenossen ist George Condos von Francis Bacon inspiriertes Gemälde „Screaming Couple“, das auf 300.000 bis 500.000 Euro getaxt ist. Auch Daniel Richters schreckenerregendes Gemälde mit Gestalten, die ein auf dem Boden liegendes Pferd totschlagen, ist nicht wohlfeil zu haben. Das schon oft ausgestellte Bild mit dem anspielungsreichen Titel „Das Recht“ kommt auf geschätzte 250.000 bis 350.000 Euro. Ansonsten liegen die Preisspitzen zwischen 120.000 und 180.000 Euro.

    Das Gros des Angebots bewegt sich zwischen 80.000 und 120.000 Euro, darunter ein hyperrealistisches Emaillebild von Marilyn Minter, John M. Armleders Neonlichtinstallation „o.t. (target)“ von 2001 und Cindy Shermans schwarz-weiß fotografiertes Rollenspiel aus der Serie der „Film Stills“. Darunter notieren beispielsweise eine Skulptur von Vanessa Beecroft, für die 50.000 bis 70.000 Euro erwartet werden, und ein Gemälde von William Copley für geschätzte 35.000 bis 45.000 Euro.

    Renate Müller entwarf dieses umwerfende Nashorn um 1968. Es ist aus Rupfen und Leder gefertigt und soll mindestens 900 bis 1200 Euro erzielen. Quelle: Van Ham; VG Bild-Kunst, Bonn 2020
    Therapeutisches Spielzeug

    Renate Müller entwarf dieses umwerfende Nashorn um 1968. Es ist aus Rupfen und Leder gefertigt und soll mindestens 900 bis 1200 Euro erzielen.

    (Foto: Van Ham; VG Bild-Kunst, Bonn 2020)

    Van Ham erhielt den Zuschlag für die Olbricht Collection nicht zuletzt, weil das Haus mit der Versteigerung großer Sammlungen Erfahrung hat. Mit dem Achenbach-Bestand setzte das Unternehmen 2015 und 2016 11,7 Millionen Euro um. Mit der noch laufenden Verteilung der Firmensammlung SØR Rusche wurden 5,6 Millionen Euro eingenommen. Mitentscheidend war am Ende jedoch auch, dass sich das Kölner Unternehmen nicht davor scheut, auch Objekte zu kleineren Preisen anzubieten.

    Dem Wunsch des Sammlers folgend, wird Van Ham eine Präsenzauktion mit Vorbesichtigung veranstalten. Kleinere Lose, die nicht im gedruckten Katalog verzeichnet sind, finden sich im Onlinekatalog, der darüber hinausgehende Bildinformationen anbietet. Im Übrigen rechnet Markus Eisenbeis mit seinen neu gewonnenen Onlinebietern: „Früher hatten wir nur fünf bis zehn Prozent.“ Bei allen Präsenzauktionen des Frühjahrs habe der Anteil jedoch schon bei 25 Prozent gelegen. „Da geht die Reise hin.“

    Mehr: Berlins heißes Herz: Ein Gang durch die neue Ausstellung der Sammlung Olbricht

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