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Zeitgenössische KunstKlingende Kunst – Gemacht aus einer verschwindenden Sprache

Der Künstler Juergen Staack sensibilisiert für die deutsche Kolonialgeschichte in Papua-Neuguinea. Ein Beitrag zur aktuellen Debatte um De-Kolonisierung in der Konrad Fischer Galerie.Susanne Schreiber 26.02.2024 - 07:00 Uhr

Düsseldorf. Nur noch rund 100 Menschen sprechen auf einer Insel von Papua-Neuguinea die Sprache „Unserdeutsch“. Dabei verwenden sie den deutschen Wortschatz mit einem einzigen Artikel: „de“ für der, die, das. Sie konjugieren nicht. „I get“ heißt „ich gehe“, „du get“ „du gehst“.

Unserdeutsch entstand als Gruppensprache von Waisenkindern, gemischt mit englischer Syntax und Elementen von Pidgin-Kreol. Deutsch und die christliche Kultur von Oster- und Weihnachtsfesten lernten sie von den Herz Jesu-Missionaren. Die hatte Reichskanzler Bismarck zur Festigung der deutschen Kolonie entsandt, die Papua-Neuguinea zwischen 1894 und 1914 war.

Die Waisenkinder heirateten untereinander, behielten Unserdeutsch als Muttersprache bei und gaben diese an ihre Kinder und Nachfahren weiter. Doch wie 1500 anderen Sprachen droht Unserdeutsch Gefahr. Der Multimediakünstler Juergen Staack hat aus dieser im Verschwinden begriffenen Kreolsprache Kunst gemacht.

Für die bis 13. April laufende Ausstellung in der Konrad Fischer Galerie in Berlin hat der Düsseldorfer, der einst bei Thomas Ruff studierte, Soundstücke geschaffen und Fotos. Ein ästhetisch, akustisch und visuell nachhaltiger Beitrag zur aktuellen Debatte um De-Kolonisierung.

Die auf der Insel gefundenen historischen Fotos aus Vunapope bringt Staack als Kunstwerke auf Sand auf. Ein Schallwandler rüttelt sie sanft, so dass die wieder entdeckten Porträts von Menschen, die noch Unserdeutsch sprechen können, langsam zerfallen.

In einer Dreierauflage kosten sie 20.230 Euro brutto. Die großen, beeindruckenden Farbfotos der Reihe „SKIN - PNG“ liegen in einer Vierer-Auflage für je 21.420 Euro vor. Für Soundstücke werden knapp 6000 Euro erwartet.

Die in einer Dreierauflage editierten Porträts der Sprecherinnen und Sprecher aus Neubritannien haben eine Folie davor, so dass man sie nur aus einem bestimmten, eher schrägen Winkel erkennen kann. Die Betrachterin muss quasi den Winkel des guten Willens suchen und der eigenwilligen Sprachform auf Augenhöhe begegnen. Juergen Staack hat das getan.

Der Künstler verwendet die von den Sprechern gleichfalls gebrauchte Bezeichnung „Kaputtdeutsch“ oder „Quatschdeutsch“ nicht als Titel. Wer die Galerieausstellung „Unserdeutsch“ besucht, begreift: Braune Haut, deutsche Kultur und deutsche Sprache – das gehört eben doch zusammen.

Juergen Staack „UNSERDEUTSCH“, bis 13. April 2024 Konrad Fischer Galerie, Neue Grünstraße 12, 10179 Berlin, Di., Mi., Do., Fr. und Sa. 11 bis 18 Uhr

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