Black Eyed Peas: Rapper Will.i.am findet Gier gut – „wenn sie einen voranbringt“
Für den Rapper gehört zum Geldverdienen auch ein verantwortungsvoller Umgang mit der Gesellschaft.
Foto: WENN.comBerlin. Schwarze Kampfstiefel, paramilitärische Hosen und Lederjacken – der Auftritt von den Black Eyed Peas vor wenigen Wochen in Berlin war auf den ersten Blick wenig friedfertig. Dann aber singt die Hip-Hop-Gruppe von der großen Liebe: In ihrem neuen Lied „Big Love“ kritisiert sie die Trennung illegaler Einwanderer von ihren Kindern in Amerika. Diese Praxis sei ebenso wie die wiederkehrenden Schulschießereien ein Versagen der Eliten.
Die Black Eyed Peas gehören mit geschätzten 76 Millionen verkauften Platten zu den weltweit erfolgreichsten Bands aller Zeiten, gewannen allein in Deutschland sechsmal Gold und dreimal Platin und setzten mit Hits wie „Where is the love?“ (2003) oder „Meet Me Halfway“ (2009) mehr als 3,3 Millionen Platten ab. Die 1995 gegründeten „Schwarzaugenbohnen“ machen sogenannten Alternativen Hip-Hop, geprägt durch sozialkritische Texte und sparsame Beats.
Lange Zeit war nichts mehr zu hören von Black Eyed Peas. Nach acht Jahren kommt am Freitag das Comeback mit dem neuen Album „Masters of the Sun“. Peas-Sänger Will.i.am sprach mit dem Handelsblatt über die anstehenden Konzerte in Deutschland, warum Geldverdienen nicht immer schlecht ist und weshalb Marc Benioff sein Vorbild ist.
Der gründete Salesforce, einen Softwarekonzern mit einer Marktkapitalisierung von mehr als 100 Milliarden Dollar. „Marc Benioff ist einer der größten Wohltäter, den ich kenne“, sagt Will.i.am – der Künstlername steht für William Adams.
Der 43-Jährige wuchs in einem sozialen Brennpunkt im Osten von Los Angeles auf, seinen Vater hat er nie getroffen. Auf der Highschool fing er mit seinem besten Freund Allan Pineda an zu rappen, der heute als Bandmitglied apl.de.ap bekannt ist. 1988 hatten sie ihre ersten Auftritte, 1995 gründeten sie die Black Eyed Pods, die kurze Zeit später Black Eyed Peas hießen.
Geld, Politik, Gerechtigkeit, Liebe – die Black Eyed Peas beschäftigen sich in ihren Liedtexten mit Wirtschaft und Ethik. „Geld verdirbt die Welt“, sagt Will.i.am. „Aber man kann nicht sagen, niemand darf mehr Geld verdienen.“ Gefährlich sei Gier. Die darf nur eingeschränkt Antrieb sein: „Gier ist in dem Sinne gut, wenn sie einen noch mehr nach vorn bringt, noch besser werden lässt. In einem wetteifernden Sinne ist Gier gut. Sie stellt sicher, dass man gewinnt.“
Will.i.am fordert Verantwortung von Unternehmen
Der Sänger setzt sich für Verantwortung im Kapitalismus ein: „Man kann ein Unternehmen haben und sicherstellen, dass es nicht nur den Aktionären gutgeht. Es soll auch der Gemeinschaft dienen. Man kann kein Produkt herstellen, dass die Aktionäre glücklich macht, die Gesellschaft aber ruiniert.“
Dabei seien die Vorstände und Manager gefragt: „Alles hängt von der Führung ab. Was sie sagen und entscheiden, wird vom Rest der Organisation auch gemacht“, sagt Will.i.am.
Auch in dieser Hinsicht ist Salesforce für den Rapper ein Vorbild: „Sie machen Software für die Menschen.“ Mit seinem Erfolg finanziere das Unternehmen philanthropische Projekte, kümmere sich um Krankenhäuser und stärke die Gemeinschaft in Stadtvierteln.
Salesforce-Gründer Benioff und Will.i.am kennen sich schon lange: Will.i.am trat auf der Hauptversammlung 2010 von Salesforce auf, 2014 gründeten sie zusammen eine Firma, die Smartwatches herstellt. Auch in Start-ups investieren sie gemeinsam: Vor wenigen Monaten gaben sie beispielsweise zehn Millionen Dollar an Penrose Studios, ein Unternehmen, das Animationen für Virtual-Reality-Produktionen entwirft.
Mitte November kommen die Black Eyed Peas nach Deutschland auf Konzerttournee. „Ich kann es nicht erwarten“, sagt Will.i.am. „Wir wollen in der Show völlig neue Technologie zeigen, die ziemlich großartig ist.“ Details mag er nicht nennen: „Ich will die Überraschung nicht verderben.“