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Kolumne: Business Class Schlüter on Purpose

Zur Eröffnung seines Topmanagement-Seminars stellt der CEO eine kryptische Frage. Die Topmanager antworten zögerlich – und irgendwie verkehrt.
18.04.2020 - 11:13 Uhr Kommentieren
Das Handelsblatt Magazin veröffentlicht einige seiner neuen „Business Class“-Kolumnen exklusiv. Quelle: action press
Schriftsteller Martin Suter

Das Handelsblatt Magazin veröffentlicht einige seiner neuen „Business Class“-Kolumnen exklusiv.

(Foto: action press)

Schlüter freut sich schon lange auf die Eröffnungsworte seines Topmanagement-Seminars „What 2020?“. Es findet im Palazzo del Masso statt, einem kleinen Fünfsterner an der ligurischen Küste. Gut erreichbar – Business-Jet nach Genua, danach eine knappe halbe Stunde Limo. Er hat das Haus persönlich mit Regula getestet. Für seine TMS, wie er die Topmanagement-Seminare nennt, ist ihm kein Aufwand zu groß.

Eben ist die Sonne spektakulär im Meer versunken. Sie sitzen in der Lounge vor dem Kamin, off season ist es kühl in Ligurien, und jeder nippt an seinem Campari, man ist schließlich in bella Italia.

Hirsch, Häusler, Volkmann und Weinert warten entspannt auf die Einleitung ihres CEO. Mal sehen, womit er diesmal wieder auftrumpft.

Schlüter stellt seinen Drink auf das kleine Beistelltischchen neben seinem Polstersessel, lehnt sich zurück, blickt jedem der vier kurz in die Augen und sagt: „Meine Herren“, obwohl er mit allen per Du ist, „what?“

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    Pause.
    „What is the purpose of all this?“
    Pause. Pause. Pause.
    „The purpose von all dem ist … purpose!“

    Er blickt lächelnd vom einen zum andern. Jeder lächelt fragend zurück. Gleich wird Schlüter das Rätsel entschlüsseln.

    „Ja. Das ist der Fokus des diesjährigen TMS – purpose. Was ist der Sinn, der Zweck, die Bestimmung der Geluag? Weshalb gibt es sie?“

    Volkmann ist der Erste, der sich an eine Antwort heranwagt. Nicht aus Ehrgeiz, eher aus einer etwas resignativen Anwandlung heraus, die ihn manchmal überkommt. Seine Einstellung ist: Ob ich jetzt eins auf den Deckel kriege oder später – eins auf den Deckel krieg ich ohnehin. Er sagt: „Der Zweck der Geluag ist die Herstellung von Kolloidmühlen.“ Und als er Häuslers beleidigten Gesichtsausdruck sieht, fügt er hinzu: „Zum Beispiel.“

    „Besonders Zahnkolloidmühlen“, ergänzt Häusler, in dessen Bereich diese fallen. Schlüter schüttelt milde lächelnd den Kopf. „Das stellt die Geluag zwar her, aber das ist nicht ihr purpose, ihre Existenzberechtigung. Das müssen wir in Zukunft in unsere Schädel bekommen. Und vor allem…“, er legt wieder eine rhetorische Pause ein, „… in die Schädel unserer Mitarbeiter.“ Und dann ruft er es laut in die Stille des mediterranen Dämmerlichts der Lounge: „What?“

    Stille.

    „What is the purpose of Geluag, Hirsch?“ Hirsch, der gerade das leere Campari-Glas angesetzt hat, um zu vermeiden, dass er angesprochen wird, sagt schicksalsergeben: „Umsatz halt. Gewinn und so.“ Ein Kellner kommt herein, macht Licht und fragt: „Altro desiderio?“

    „Doch, ich glaube, wir können alle noch einen gebrauchen“, sagt Schlüter, leert sein Glas und hält es dem Kellner hin. Die anderen tun es ihm nach, froh um die Ablenkung.

    Dann nimmt der CEO den Faden wieder auf. „Nein, nein, die Zeiten, als man seine Mitarbeiter noch mit Kolloidmühlen, Zahnkolloidmühlen, Umsatz und Gewinn motivieren konnte, sind endgültig vorbei. In der heutigen Wirtschaftswelt geht es um PURPOSE. Geht es um die Frage: Wie macht die Geluag die Welt ein bisschen besser? Wie machen wir GEMEINSAM durch unseren Beitrag zu diesem Unternehmen die Menschen ein wenig glücklicher? Nicht mit Kolloidmühlen. Mit dem, was die Kolloidmühlen zum Beispiel für die Kosmetikindustrie leisten! Zum Beispiel dadurch, dass sie die Herstellung von Cremes, Lippenstiften und Nagellacks ermöglichen. Und dadurch Frauen glücklich machen. Und was macht uns Männer glücklicher als eine glückliche Frau, meine Herren?“

    Weinert, der in Scheidung lebt, weicht Schlüters Blick aus. Und Häusler ergänzt: „Oder eine aufgrund des dank der hohen Dispergiewirkung der Zahnkolloidmühle sanft-sämig gewordenen Gemüsesaftes gesunde Frau.“

    Der Kellner bringt eine zweite Runde Campari.

    Als er wieder gegangen ist, hebt Schlüter sein Glas: „Das ist das Thema des diesjährigen TMS. Die Definition des purpose unserer Geluag. Cin cin!“

    Das Topmanagement hebt die Gläser.

    „Und wisst ihr, was das Beste an der Sache ist, meine Herren?“, fährt Schlüter fort. „Purpose-fokussierte Unternehmen erzielen erwiesenermaßen höhere Gewinne als die anderen.“

    Pause.
    „Und höhere Gewinne bedeuten …“
    Pause. Pause.
    „… höhere Boni.“
    Pause. Pause. Pause.

    „And that’s, meine Herren, the purpose of purpose.“

    Die Management-Kolumne „Business Class“ war Martin Suters Entree in die Karriere als Schriftsteller. Nach 13 Jahren Pause ließ er sie 2019 wieder auferstehen – mit den Mitteln der Jetztzeit: Crowdsourcing, Social Media und Paid Content. Das Handelsblatt Magazin druckt einige der neuen Kolumnen des Bestsellerautors exklusiv ab. Mehr von ihnen und andere Pretiosen finden Sie auf martin-suter.com, wo man sich derzeit auch for free anmelden kann.

    Mehr: Martin Suters Business Class: Vice President Arnolds Seitensprung

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