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Kolumne: Business Class Vice President Arnolds Seitensprung

Aus einer etwas lästigen Privatbewirtung von Mitarbeitern im Haus des Vice President entwickelt sich ein Grund für zwei schlechte Gewissen.
11.04.2020 - 11:00 Uhr Kommentieren
Das Handelsblatt Magazin veröffentlicht einige seiner neuen „Business Class“-Kolumnen exklusiv. Quelle: action press
Schriftsteller Martin Suter

Das Handelsblatt Magazin veröffentlicht einige seiner neuen „Business Class“-Kolumnen exklusiv.

(Foto: action press)

Sybille Kramer hat so geschaut. Da ist Ludwig Arnold sich ganz sicher. Schnell vom Teller aufgeblickt und die grünen Augen auf ihn gerichtet und dann gleich wieder zurück auf den Vorspeiseteller mit den fünf Ravioli Ricotta con Burro e Salvia. Und später wieder.

Plus ein bisschen irgendwie flink gelächelt. Und gleich zurück zu den Ravioli Ricotta. War das geflirtet?

Würde die Frau von Kurt Kramer, seinem Untergebenen, den er zusammen mit Wüthrichs und Widmers zu dieser Privatbewirtung eingeladen hat, weil dieser plötzlich in die engere Wahl für Manager Technical Services aufgerückt ist, würde diese Frau während einer Privatbewirtung mit ihm flirten? Und warum? Weil sie sich dadurch für ihren Mann eine günstigere Ausgangslage versprach? Oder weil sie ihn – auch das ist nicht ganz abwegig – einfach attraktiv fand? 

Der Abend hatte nicht gut begonnen. Brigitte und er hatten eine Meinungsverschiedenheit, wie öfter vor einer Privatbewirtung von Mitarbeitern, die Brigitte noch nie gesehen hatte. „Fronarbeit“ nannte sie es, um ihn zu ärgern. Und fast jedes Mal ging er ihr auf den Leim. „Fron!?“, schrie er dann und riss ihren überfüllten Kleiderschrank auf. „Fronarbeit ist UNBEZAHLT, Madame!“ 

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    Aber dann entwickelt sich der Abend – wenigstens in seinen Augen – doch noch zu einem angeregten, amüsanten und irgendwie auch ... ja ... erotisierenden Event. 

    Die in dieser Hinsicht prägendste Episode ist zweifellos die Bestellung des Uber, die Gentleman Ludwig Arnold für die Kramers übernimmt. Sybille – ihr Mann, der Kandidat Kurt Kramer, ist nicht mehr so zungenfertig – diktiert ihm die Wohnadresse: „Kurt-Schell-Straße 63.“ 

    Arnold, jetzt total gelöst, wiederholt augenzwinkernd: „Kuschelstraße 63.“ 

    Der „Versprecher“ löst unter den sich Verabschiedenden große Heiterkeit aus. Das Lächeln auf Arnolds Lippen erlischt erst, als alle gegangen sind und Brigitte faucht: „Die hast du aber gründlich ausgezogen mit den Blicken.“ 

    Vice President Arnold weist dies weit von sich und wünscht sich insgeheim, er hätte es getan, und zwar nicht nur mit den Augen. 

    Die Vorstellung lässt ihn so hartnäckig nicht mehr los, dass er nach vier Tagen innerem Kampf all seinen Mut – und das ist gegenüber dem anderen Geschlecht nicht sehr viel – zusammennimmt, Sybille Kramer anruft und sich mit ihr zum Apéro verabredet. Ihr Sinn für Humor habe ihm so gefallen.

    Sein Sinn für Humor gefällt auch ihr, und so kommt es zu einer weiteren Verabredung.

    Diesmal fällt sie auf einen Abend, an dem Kurt Kramer auf Drängen von Vice President Arnold persönlich bei einem Kundenmeeting in Manchester anwesend sein muss, das man normalerweise per Skype durchführt.

    Es kommt zum ersten Seitensprung in Ludwig Arnolds vierzehnjähriger Ehe. Und falls er Sybille Glauben schenken darf, auch in ihrer neunjährigen.

    Geplagt von seinem Gewissen treibt Arnold Kurt Kramers Beförderung voran und lädt Brigitte zum ersten Mal seit dem dritten Stern ins Château Platine ein. 

    Der Fahrer des Taxis, in das sie danach vollgefressen und angeheitert einsteigen, kommt ihm bekannt vor. 

    Und er weiß dann auch, weshalb. Nämlich als der ihn lachend begrüßt mit: „An die Kuschelstraße 63, wie letztes Mal?“

    Die Management-Kolumne „Business Class“ war Martin Suters Entree in die Karriere als Schriftsteller. Nach 13 Jahren Pause ließ er sie 2019 wieder auferstehen – mit den Mitteln der Jetztzeit: Crowdsourcing, Social Media und Paid Content. Das Handelsblatt Magazin druckt einige der neuen Kolumnen des Bestsellerautors exklusiv ab. Mehr von ihnen und andere Pretiosen finden Sie auf martin-suter.com, wo man sich derzeit auch for free anmelden kann.

    Mehr: Martin Suters Business Class: Der entgangene Anruf

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