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Kolumne: Wein und Wahrheit Die teuersten Weine der Welt – und warum sie ein riskantes Investment sind

Die Chef-Sommelière Stefanie Hehn aus dem Hamburger Fünf-Sterne-Hotel „The Fontenay“ über die Magie hoher Preise und das wilde Treiben internationaler Fälscher.
14.11.2020 - 10:29 Uhr Kommentieren
2013 Stand Weinfälscher Rudy Kurnawian in New York vor Gericht, erst kürzlich wurde er aus der Haft entlassen. Quelle: AFP
Gefälschte Etiketten als Beweismittel

2013 Stand Weinfälscher Rudy Kurnawian in New York vor Gericht, erst kürzlich wurde er aus der Haft entlassen.

(Foto: AFP)

Wein muss nicht nur schmecken, er sollte auch bezahlbar sein. Klar. Aber natürlich gibt es mittlerweile einzelne Lagen, die nur noch zum Preis mancher Luxuslimousinen oder gar Apartments den Besitzer wechseln. Wer sich derzeit die Top-Preiskategorien anschaut, kann aus gleich mehreren Gründen überrascht sein. Der erste ist: Teuer sind längst nicht nur Franzosen.

Es gibt zum Beispiel Lagen aus Kalifornien, die auch schon 6000 Euro und mehr kosten können. Selbst eine Kiste chilenischer Almaviva kann schon über 2000 Euro liegen. Trotzdem sind die globalen Top Ten weiterhin den großen Franzosen vorbehalten. Und es fällt auf: Acht der aktuell zehn teuersten Weine der Welt stammen heute aus dem Burgund.

Dort sind die Preise einzelner Weingüter ohnehin schon auf einem hohen Sockel. Und sie erlebten in den vergangenen Jahren auch die höchsten Steigerungen. Das ist nicht nur eine Sache von Reife und Alter. Klar gibt es da einen Romanée Conti aus dem Jahr 1962, der für sage und schreibe 228.144 britische Pfund angeboten wird. Aber aus der gleichen Lage gibt es aus dem Jahr 2010 auch schon einen für 183.972 Pfund.

Da fällt die Wahl dann schwer. Aber im Ernst: Solche Preise haben natürlich Gründe – auch wenn nicht alle davon rational nachvollziehbar sind. Am verständlichsten ist vielleicht: Das Burgund hat in den vergangenen Jahren eine wahnsinnige Qualitätssteigerung erlebt. Viele Produzenten haben auf eine komplett bio-dynamische Herstellung umgestellt. Das bedeutete eben auch, dass weniger Masse und mehr Klasse produziert wird. So etwas wirkt sich natürlich auf die Preise aus.

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    Außerdem darf man nicht vergessen: Die Nachfrage ist hoch – und steigt seit Jahren noch weiter an. Der Big Player in diesem Spiel ist China, das uns auf dem europäischen Markt ganz viel einfach wegkauft. Dieses extreme Interesse einer gigantisch großen Klientel hat dafür gesorgt, dass zuerst die Bordeaux-Preise explodiert sind; und zuletzt ging das eben auch im Burgund los.

    Fünf- bis sechsstellige Summen für einige Lagen

    Es gibt ja kleine Weinberge, die ohnehin kaum verfügbar sind und überhaupt nur wenige Flaschen pro Jahr liefern. Da kann man sich vorstellen, was mit deren Preisen dann los ist, wenn ein Land von der Größe Chinas anfängt, sich näher mit dem Thema Wein zu beschäftigen.

    La Tache, Richebourg, Echézeaux oder das schon erwähnte Romanée-Conti – da erreichen die Preise einiger Lagen eben auch mal fünf- oder gar sechsstellige Summen. Die Folge: Der Endverbraucher hat gar keine Chance mehr, an viele Weine überhaupt noch ranzukommen. Entweder kann er sie sich ohnehin nicht leisten. Oder sie gelangen schon gar nicht mehr auf den Markt. Ob Sie’s glauben oder nicht: Die Weingüter selbst sind darüber oft alles andere als glücklich.

    Um diese Sammel-Manie zu unterdrücken und den Preis-Wahnsinn abzumildern, treffen viele Winzer bereits Absprachen mit ihren Importeuren, dass an den Endkunden gar nichts mehr verkauft werden darf – oder eben nur ein kleiner Teil. Das klingt nur im ersten Moment verrückt: Wenn ich zum Beispiel für unser Restaurant von manchen Lagen dann noch ein paar Flaschen ergattere, verkaufe ich die auch zu fairen Preisen, obwohl ich andererseits auf dem Schwarzmarkt damit schon ein Vielfaches verdienen könnte.

    Stefanie Hehn ist Chef-Sommelière im Hamburger Luxushotel The Fontenay. Quelle: The Fontenay
    Die Kolumnistin

    Stefanie Hehn ist Chef-Sommelière im Hamburger Luxushotel The Fontenay.

    (Foto: The Fontenay)

    Aber da geht es auch um Ethik und Moral. Die Weine sind eben nicht dazu gemacht, in Kellern von Menschen zu liegen, die sich das leisten können und sie nur noch als Wertanlage und Spekulationsobjekt begreifen. Selbst wenn jemand käme – und so was erlebt man als Sommelier immer mal wieder –, der einem für eine Flasche das Fünffache des Preises bietet, für den der Wein auf der Karte steht, darf man nicht schwach werden. Allenfalls kann man vielleicht mal über die eigene Preispolitik nachdenken.

    Und so naiv das vielleicht klingen mag: Wer sich professionell mit Wein beschäftigt, will, dass dieser Wein Freude bereitet. Ich habe zum Beispiel für manche durchaus schon recht teure Weine, die wir in unserem Restaurant servieren, strikte Verträge unterschrieben. Die Flasche selbst muss ich zum Beispiel später entwerten und unkenntlich machen, weil Fälscher gern die Original-Flaschen und -Etiketten verwenden. Kein Wunder: Bei einem Wein für 20.000 Euro ist selbst die leere Flasche noch viel Geld wert. Und auch dafür gibt es mittlerweile einen eigenen Markt.

    Übrigens: Es wird geschätzt, dass rund 60 Prozent der besonders teuren Weine, die dann über den Zweit- und Drittmarkt angeboten werden, gefälscht sind. Ähnlich wie auf dem Kunstmarkt oder im Geschäft mit alten Automobilen kommt es da auch immer wieder zu Fälscher-Skandalen. Von den hohen Preisen werden eben auch Kriminelle angelockt, die da mit großer Kreativität zu Werke gehen.

    Aufregung nach Rudy Kurnawians Haftentlassung

    Der Indonesier Rudy Kurniawan, der nicht nur als großer Weinkenner, sondern auch -fälscher gilt, wurde erst vor Kurzem aus einer siebenjährigen Haft entlassen. Er ist einst nur deshalb aufgeflogen, weil er auf Auktionen Weine verkaufte, die es gar nicht gab. Winzern war aufgefallen, dass manche angeblichen Originale aus Jahrgängen stammten, die sie gar nicht produziert hatten.

    Kurniawan ging jedenfalls in Haft, ohne einen einzigen Hintermann zu verraten. Sie können sich vorstellen, wie aktuell viele in meiner Branche aufgeregt fürchten, dass das der Beginn einer neuen Betrugswelle werden könnte. Amüsanterweise hat er trotz allem eine Riesen-Fangemeinde, weil manche behaupten, seine Weine schmeckten besser als die Originale. Aber die Frage, ob die teuersten Weine automatisch auch die besten sind, werden wir nächste Woche an dieser Stelle beantworten.

    Mehr: Kolumne Wein und Wahrheit (17): Wie unsere Kolumnistin in den Olymp der Weinkenner aufgenommen wurde.

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