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Kolumne: Wein und Wahrheit Wie unsere Kolumnistin in den Olymp der Weinkenner aufgenommen wurde

Die Chef-Sommelière Stefanie Hehn erzählt von ihrer finalen Prüfung beim Court of Master Sommeliers – und was das mit dem „Kröver Nacktarsch“ zu tun hat.
07.11.2020 - 11:25 Uhr Kommentieren
Eines von weltweit nur 269 Mitgliedern im Court of Master Sommeliers. Quelle: The Fontenay
Stefanie Hehn

Eines von weltweit nur 269 Mitgliedern im Court of Master Sommeliers.

(Foto: The Fontenay)

Normalerweise schreibt Stefanie Hehn an dieser Stelle jeden Samstag über Weine, Winzer und den Zauber rund um Weingeschmack und -geschäft. Heute wird sie selbst mal befragt, weil sie eine ganz besondere Auszeichnung erhalten hat.

Frau Hehn, Sie wurden jüngst vom Court of Master Sommeliers in London aufgenommen, einer Art Olymp Ihrer Branche. Wie viele Mitglieder hat dieser illustre Club?
Seit dem Tag meiner Prüfung sind wir weltweit 269.

Wie viele davon sind Frauen?
Vielleicht zehn Prozent, würde ich schätzen.

Da geht also noch was. Und trotzdem heißen Sie jetzt „Master Sommelier“, nicht „Sommelière“?
Haha, dieser Titel ist wohl eher unisex gedacht.

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    Die Theorie war nun innerhalb von drei Jahren Ihre dritte und finale Prüfung. Worum ging’s in der ersten, der praktischen?
    Da ist fast alles möglich – vom Kaufmännischen bis zum puren Weinwissen. An verschiedenen Tischen darf man zum Beispiel den Champagner-Service durchführen und wird dabei noch nach Cocktails befragt. Genauso kann es passieren, dass man einen Wein verkosten, beschreiben und erkennen muss, bevor man die Aufgabe erhält, ihn auch noch zu verkaufen. Es geht vor allem darum, wie professionell und selbstbewusst man sich vor dem Gast verhält. Da haben wir Restaurant-Fachleute womöglich einen kleinen Vorteil, denn die Kandidaten stammen ja bisweilen auch aus dem Weinhandel. Wir bringen da vielleicht etwas mehr Nerven mit.

    Die zweite Prüfung war das Tasting, bei dem Sie in 25 Minuten sechs Weine aus aller Welt erkennen mussten. Tauchen da auch mal Fragen auf, wo selbst Sie wackeln?
    Die gibt es immer. Und da ist es wichtig, nicht nervös zu werden und sich im Zweifel gleich auf die nächste Frage zu fokussieren. Auch darauf wird man vorbereitet. Letztlich ist Wein nichts anderes als Mathematik. Es geht darum, die verschiedenen Faktoren – von Aromatik über Säure bis zu Textur – zu addieren und daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen.

    Da wird auch schon mal gefragt, aus welchem Ort der Wein „Rechbächel“ stammt. Quelle: imago/ZUMA Press
    Prüfung

    Da wird auch schon mal gefragt, aus welchem Ort der Wein „Rechbächel“ stammt.

    (Foto: imago/ZUMA Press)

    Die letzte, die theoretische Prüfung fand laut einem Facebook-Post des Courts kürzlich in London statt. Wie lange dauerte das?
    Eine Stunde. Wie viele Fragen mir da gestellt wurden, kann ich Ihnen gar nicht mehr sagen, zumal das ja mündlich stattfindet. Aber in der Regel sind die Fragen kurz und drehen sich um die gesamte Weinwelt. Es spielen auch Biere eine Rolle, Spirituosen, Sake, es geht ebenso ums Klima in diversen Regionen, um Jahrgangsunterschiede, Produzenten mit ihren bekannten, aber auch weniger bekannten Weinen …

    Was war da eine richtige Hardcore-Frage?
    Über die eigenen Prüfungen soll man eigentlich nicht sprechen. Aber in früheren Jahren wurde da zum Beispiel schon gefragt, aus welchem Ort der Wein „Rechbächel“ stammt.

    Und so etwas wissen Sie?
    Es ist eine Monopollage von Bürklin Wolf aus Wachenheim. Für mich als Deutsche mag das sogar noch recht einfach sein. Aber das müssen eben auch Kollegen aus Japan oder Südamerika wissen und aussprechen können – so wie ich ja auch die Besonderheiten solcher Regionen erkennen muss. Da könnte es also auch um den „Kröver Nacktarsch“ gehen, von dem sich schon Loriot inspirieren ließ.

    Wie bereitet man sich auf solche Prüfungen vor?
    Ich habe wirklich monatelang meine ganze Freizeit zum Lernen genutzt und mir allein einige Tausend Karteikarten geschrieben. Vieles an Fachwissen hatte ich zudem elektronisch abgelegt, um es auch unterwegs immer bei mir zu haben.

    Und jetzt ... was tut man, wenn man den Olymp seiner Branche erreicht hat?
    Jetzt geht es erst richtig los. Der Cief Executive Officer des Courts, Ronan Sayburn, hat mir in seiner Gratulation noch mal erklärt, dass es eine Ehrensache für uns Master Sommeliers ist, unser Wissen weiterzugeben – an Gäste im Restaurant, an Interessenten aller Art, aber natürlich vor allem an unsere Auszubildenden. Dazu bekomme ich im ersten Jahr selbst noch mal einen Mentor an die Seite gestellt, der mich unterstützt.

    Kann einem so ein Titel auch wieder entzogen werden – etwa wenn Sie mal angetrunken im Auto erwischt würden?
    So etwas könnte passieren. Wir haben unseren eigenen Ehrenkodex, an den wir uns tunlichst halten sollten. Ich denke, wir haben alle eine große Verantwortung vor allem für die jüngeren Sommeliers. Man ist ja Repräsentant einer ganzen Branche – und kein Rockstar.

    Haben Sie sich mit Ihrem Freund wenigstens einen ganz speziellen Tropfen zum Feiern zurechtgelegt nach dem Triumph?
    Wir haben uns was Nettes gekocht. Und es blieb nicht bei einer Flasche. Leider habe ich jetzt noch weitere vier Wochen Zeit, den Titel zu feiern.

    Weil auch in Ihrem Restaurant jetzt wegen des neuerlichen Lockdowns die Lichter ausgehen?
    Genau. Die nächste Flasche Wein werde ich wohl erst Anfang Dezember verkaufen dürfen – und auch das kann ich bislang ja nur hoffen.

    Frau Hehn, vielen Dank für das Interview.

    Mehr: Kolumne Wein und Wahrheit (16): Wie man die Aromen eines Weins verstehen lernt

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