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Kolumne: Wein und Wahrheit Drei Wein-Reisen durch eine Welt nach Corona

Wenn Sie gerade das Fernweh packt, hat Master-Sommelière Stefanie Hehn die richtigen Ideen für Ihre Urlaubspläne 2021 parat.
26.12.2020 - 09:53 Uhr Kommentieren
Für eine Reise nach Neuseeland sollte man mindestens drei Wochen einplanen. Quelle: Getty Images; Per-Anders Pettersson
Weinlese in der Region rund um Wellington

Für eine Reise nach Neuseeland sollte man mindestens drei Wochen einplanen.

(Foto: Getty Images; Per-Anders Pettersson)

Fällt Ihnen schon die Decke auf den Kopf? Träumen Sie mal wieder von einem echten Urlaub? Von Wärme? Stränden? Meeresrauschen? Und dazu natürlich – immerhin sind wir in einer Wein-Kolumne – ein schönes Glas Riesling oder Chardonnay?

Mir fehlt das genauso wie Ihnen. 2020 fiel alles aus, was meinen Job so anregend macht: die großen Messen ebenso wie die Besuche auf einzelnen Weingütern, Flug- und Bildungsreisen in die entlegensten Winkel des Planeten und die überraschenden Erkenntnisse, die man dabei auch wiederum über und für meine Branche gewinnen kann.

Vielleicht werden wir nie wieder so viel fliegen wie vor Corona. Vielleicht wird es auch für Profis wie mich künftig noch mehr jener digitalen Tastings geben, mit denen viele Winzer und Händler ihre Kunden neuerdings bei Laune halten – und sich selbst im Geschäft.

Aber ganz ohne Live-Kontakt wird es auch künftig nicht gehen, davon bin ich überzeugt. Irgendwann wird sich die Welt wieder öffnen. Und für diese Zeit möchte ich Ihnen heute schon drei besondere Urlaubsreisen empfehlen. Es sind Trips, die durch die Weinberge, die man dabei besuchen kann, nur noch schöner werden.

Südafrika oder: Weinbau mit Tradition – fernab Europas

Meine erste Empfehlung ist eine Reise nach Südafrika, am besten direkt nach Kapstadt. Zehn, zwölf Tage sollten Sie sich Zeit nehmen, um einen ersten Überblick über dieses großartige Land und seine Winzer zu bekommen. Vom Kap der Guten Hoffnung bis zum Kap Agulhas mit vielen Zwischenstationen bei unterschiedlichsten Weingütern – und wieder zurück. Wer weiß schon, dass der Weinbau hier schon seit dem 17. Jahrhundert betrieben wird und mittlerweile zu den wichtigsten Wirtschaftsfaktoren zählt?

Mein Tipp: Nehmen Sie sich zunächst ein Zimmer in der Nähe der Victoria and Alfred Waterfront an Kapstadts Küste. Am ersten Tag würde ich eine Autoreise zum Kap der Guten Hoffnung empfehlen und entweder am Surfer-Hotspot übernachten oder in einem der Weingüter da unten – je nach persönlichem Temperament.

Am nächsten Tag gibt’s dann jede Menge südafrikanische Historie rund um Constantia im Nordwesten, wo auch einige der traditionsreichsten Weingüter Südafrikas beheimatet sind. Nicht nur bei Buitenverwachting ist eine Führung oder ein Tasting sehr empfehlenswert. Ebenso lohnt ein Besuch bei den Winzern des Gutes Klein Constantia.

Das hübsche Städtchen liegt in der fürs Weingeschäft so wichtigen südafrikanischen Provinz Westkap. Quelle: Universal Images Group/Getty Images
Weinbau in Stellenbosch

Das hübsche Städtchen liegt in der fürs Weingeschäft so wichtigen südafrikanischen Provinz Westkap.

(Foto: Universal Images Group/Getty Images)

Weiter geht’s nach Stellenbosch, ein hübsches Städtchen in der fürs Weingeschäft so wichtigen Provinz Westkap, wo Sie unbedingt einen Abstecher zum Jordan Family Wine Estate einplanen sollten: wunderbare Luxussuiten, malerische Weinberge, ein ausgezeichnetes Restaurant, … Der nächste Halt wäre Franschhoek, wo sich einst die Franzosen niedergelassen haben, mit denen auch viel Reben-Expertise ins Land kam.

Mullineux oder Boschendal liefern hier ebenfalls wunderbare Wein-Erfahrungen, bevor es weitergeht zu Kap Agulhas, übrigens der südlichste Flecken des afrikanischen Kontinents und zugleich ein schöner Scheitelpunkt Ihrer Reise, um bei Fish and Chips noch mal über die Wein-Erfahrungen der vergangenen Tage zu diskutieren.

Auf dem Rückweg sollten Sie auch die aufstrebende Weinregion Elim besuchen, ebenso Walkerbay. In der Region Hemel en Aarde warten unter anderem die Weingüter Hamilton Russell, Bouchard Finlayson, Ataraxia und Newton Johnson – eines schöner und einladender als das andere –, bevor es wieder zurückgeht nach Kapstadt. Wenn’s Ihnen auf diesem Trip noch an Bewegung fehlte, hilft natürlich eine Wanderung auf den Tafelberg. Vielleicht schaffen Sie es sogar noch auf den Lionshead, dann haben Sie sich Ihren finalen Sundowner redlich verdient.

Neuseeland oder: Mittelerde ist keine Fiktion

Dass Neuseeland die Heimat der Hobbits gewesen sein muss, weiß man spätestens seit den Filmen von Peter Jackson. Und wie man schon in den zugrunde liegenden Romanen von J. J. R. Tolkien lesen konnte: Hobbits waren (oder sind?) große Gourmets. Hier muss also auch wirklich guter Wein wachsen.

Weil zudem die Landschaft von atemberaubender Schönheit ist, sollte man für Neuseeland gleich drei Wochen einplanen, finde ich. Mein Tipp: Fliegen Sie zunächst nach Christchurch – und planen Sie das Ende Ihrer Reise für Auckland, von wo aus man wieder nach Hause fliegen kann. Der Grund: Die großen Erholungsgebiete finden sich eher im Norden gegen Ende der Reise.

Zwei, drei Tage sollte man auf jeden Fall in Christchurch bleiben. Es lohnt sich zum Beispiel ein Ausflug zum Weingut Pyramid Valley, das nicht nur einen wunderschönen, parkähnlichen Garten präsentiert. Auch die Weine von Black Estate sind unbedingt einen Abstecher wert, zumal dort ein sehr gutes Restaurant wartet.

Die nicht weit von der neuseeländischen Hauptstadt Wellington gelegene Region Martinborough ist für ihren eleganten Pinot Noir bekannt. Quelle: The Image Bank Unreleased/Getty Images
Ein Mittagessen in den Weinbergen von Martinborough

Die nicht weit von der neuseeländischen Hauptstadt Wellington gelegene Region Martinborough ist für ihren eleganten Pinot Noir bekannt.

(Foto: The Image Bank Unreleased/Getty Images)

Danach könnte man weiterfahren zum Lake Tekapo, am wunderbaren Mount Cook vorbei und weiter Richtung Queenstown, wo ebenfalls einige sehr schöne Weingüter beheimatet sind. Überhaupt wartet hier die südlichste Weinregion der Welt mit den Unterregionen Alexandra, Gibbston, Bannockburn und Wanaka. Es gibt spannende Pinot Noir, aber auch Sparklings mit traditioneller Flaschengärung (Rippon, Peregrine, Felton Road, Mt. Difficulty). Ein Paradies eben.

Zwei, drei weitere Tage sollte man auch dafür einplanen, bevor es mit einem frühen Flug in die pittoresken Landschaften rund um den Milford Sound geht, wo wahrlich Tolkiens Mittelerde liegen muss. An der Westküste geht’s danach mit dem Auto hoch über Pancake Rocks nach Nelson. Die Region im Norden gilt als der Obstkorb des ganzen Landes.

Hier gibt es besonders gute, aromatische Weine zu entdecken. So erobern wir weiter den Norden. Marlborough ist für Sauvignon Blanc, Riesling und Pinot Noir bekannt. Von dort aus geht es weiter auf die Nordinsel, ganz gemütlich mit der Autofähre. Nicht weit von der Hauptstadt Wellington liegt die für elegante Pinot Noir bekannte Region Martinborough. In Hawkes Bay findet man klassische Bordeaux- und Rhône-Sorten, die schon wegen der vulkanischen Böden spannend sind, auf denen die Reben wachsen. Gibston ist eher für Chardonnay bekannt, während Waiheke Isand auch für Chardonnay sogar aus Einzellagen steht.

Sie sehen schon: Für allzu viel Tourismus haben Sie kaum Zeit angesichts der Paradiese, die sich auf Neuseeland gerade den Weinfreunden öffnen, bevor es am Ende von Auckland aus wieder Richtung Heimat geht.

Kalifornien oder: Im weiten Tal der Topwinzer

Und wenn es zum Schluss noch ein weiteres Mal richtig in die Ferne gehen soll, empfehle ich den Highway 1 von Los Angeles nach San Francisco. Die California State Route 1, wie sie offiziell heißt, gehört sicher zu den schönsten Küstenstraßen der Welt. 14 Tage sollten sie für diesen Trip schon einplanen, nicht nur, weil am Ende im Norden San Franciscos ja das Napa Valley auf Sie wartet.

Schon in Santa Barbara kann man sehr gute Pinot-Noir- und Rhône-Sorten entdecken. Aber auch die Region San Luis Obispo mit Unterregionen wie Paso de Robles. Der County ist immerhin das drittgrößte Weinanbaugebiet Kaliforniens und bietet viele Möglichkeiten, Weingüter kennen zu lernen.

Verpassen Sie auch die San Francisco Bay nicht mit Mount Eden und Monte Bello. Klar, dort können Sie auch mal bei Facebook oder Apple vorbeischauen. Aber noch spannender als das Silicon Valley, zumindest genussfreudiger, dürften am Ende die Weinregionen nördlich von San Francisco sein.

Der Highway 29 und der weiter östlich verlaufende Silverado Trail sind die beiden beliebtesten Zubringerstraßen zu einer Vielzahl der berühmten Weingüter. Aufgrund des mediterranen Klimas gedeihen dort einige Weine auf den vulkanisch geprägten Böden, die schon seit den 1960er-Jahren zu den Weltbesten zählen. Beliebt sind vor allem die Traubensorten Cabernet Sauvignon, Zinfandel und Chardonnay. Etliche der bekanntesten und berühmtesten Winzer der Welt haben ihren Sitz im Napa-Valley, zum Beispiel Robert Mondavi, Chateau Montelena, Lokoya, Harlan Estate oder Stag’s Leap Wine Cellars.

Zinfandel gehört zu den beliebtesten Traubensorten des Landes. Quelle: Lisa Baertlein
Zinfandel-Trauben im kalifornischen Napa Valley

Zinfandel gehört zu den beliebtesten Traubensorten des Landes.

(Foto: Lisa Baertlein)

Kein Wunder, dass die Gegend sich jedes Jahr über mehrere Millionen Übernachtungsgäste freuen kann, vor allem Weintouristen. Das Anbaugebiet gehört neben Disneyland zu den beliebtesten Urlauberattraktion Kaliforniens. Zumindest gilt das für normale Jahre, womit mir gerade wieder ernüchternd einfällt, dass wir auf solche Reisen noch ein bisschen warten müssen.

Bei der Rückfahrt kann man gut über das Mayacama Range nach Sonoma weiterfahren. Hier ist alles etwas ursprünglicher. Und es gibt weniger kommerzialisierte Boutique-Weingüter wie Littorai, Verité und Stonestreet zu entdecken. Die Weine sind deutlich vom Pazifik geprägt, und somit bekommt man neben den klassischen Bordeaux Blends besonders feine Pinot Noir und Chardonnay zu schmecken.

Vielleicht konnte ich damit immerhin ein paar Träume in Ihnen wecken für die Zeit nach Corona. Das wäre doch schon was für die langen Lockdown-Abende, die uns jetzt bevorstehen. Ich verabschiede mich mit dieser Kolumne von Ihnen und hoffe, dass wir uns mal wiedersehen – gern auch live in den Restaurants unseres „The Fontenay“ in Hamburg.

Mehr: Kolumne Wein und Wahrheit (23): Die richtigen Weine für ein verrücktes Jahr

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