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Kolumne: Zeit ist Geld Was Uhren-Liebhaber unter „Manufaktur“ verstehen

Der Branchenexperte Gisbert L. Brunner erklärt einige der wichtigsten Fachbegriffe für Freunde der Haute Horlogerie.
  • Gisbert L. Brunner
04.12.2020 - 15:13 Uhr Kommentieren
Montage einer Uhr in der Schweizer Manufaktur von Jaeger-LeCoultre. Quelle: Jaeger-LeCoultre
Handarbeit

Montage einer Uhr in der Schweizer Manufaktur von Jaeger-LeCoultre.

(Foto: Jaeger-LeCoultre)

Düsseldorf Dass die Welt in Unordnung gerät, wenn sich die Begriffe verwirren, wusste schon Konfuzius. Als er diese Auffassung gegen 500 vor Christi Geburt kundtat, wagte von mechanischen Uhren noch niemand zu träumen. Folglich konnte der chinesische Nationalheilige auch noch nicht erahnen, welches sprachliche Wirrwarr die Genese der tickenden Zeitmesser einmal hervorrufen würde.

Allerdings sind es heutzutage nicht nur Laien, welche die Dinge immer wieder durcheinanderbringen. Auch Profis sorgen gelegentlich für Konfusion. Und das mitunter sogar bewusst. Als beredtes Beispiel kann der gleichermaßen häufig wie vollmundig gebrauchte Begriff „Manufaktur“ gelten.

Der sprachliche Zusammenschluss von Manus (Hand) und factum (machen) klingt nicht nur ausgesprochen gut, sondern suggeriert darüber hinaus wertschöpfende Handarbeit. Und genau deswegen schmücken sich zahlreiche Uhrenhersteller gern mit diesem imageträchtigen Titel. Bei genauer Analyse werden keineswegs alle Firmen dem Anspruch gerecht, was sich gemäß tradierten Gepflogenheiten – und bedauerlicherweise nur ungeschriebenen Gesetzen – mit dem Terminus verknüpft.

Weil die Welt der Uhren nur so strotzt von Fachbegriffen, hat Georges-Albert Berner 1961 ein fast 1000 Seiten dickes Lexikon verfasst. Darin definiert der einstige Direktor der Bieler Uhrmacherschule das Wort „Manufaktur“ als „größeres industrielles Unternehmen. In der schweizerischen Uhrenindustrie bezeichnet man damit jene Fabriken, welche beinahe die ganze Uhr herstellen …“

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    Logischerweise unterlag und unterliegt auch die Uhrenindustrie jenem Wandel, welcher sich beinahe zwangsläufig mit der Zeit verknüpft. Nicht erst seit gestern verlangen bezahlbare Zeitmesser mit nicht alltäglichem mechanischem Innenleben nach Zusammenarbeit mit Spezialisten.

    Bei IWC im schweizerischen Schaffhausen wird letzte Hand angelegt. Quelle: Gisbert L. Brunner
    Endkontrolle

    Bei IWC im schweizerischen Schaffhausen wird letzte Hand angelegt.

    (Foto: Gisbert L. Brunner)

    Beispielsweise stammen die synthetischen Steine, in deren Bohrungen die Wellen des Räderwerks möglichst reibungsfrei rotieren, oder diejenigen der Ankerpaletten traditionsgemäß von erfahrenen Zulieferern. Beim sogenannten Assortiment, also jenem Teil des Uhrwerks, der die lautlos verstreichende Zeit in möglichst gleichmäßige und zählbare Teile zerhackt, setzen die allermeisten Fabrikanten ebenfalls auf externe Kompetenz.

    Gleiches gilt etwa für Zahnräder. Selbstgefertigte Bauteile dieser Art würden das Produkt ohne Verbesserung der Qualität letztlich nur verteuern. Und der Kunde hätte definitiv keinen Vorteil. Bei dieser Gelegenheit liegt ein Vergleich mit der Autoindustrie auf der Hand. Motorkolben und -steuerungen beispielsweise kommen hier beinahe ausnahmslos von Zulieferern.

    Aus diesen Gründen begnügt sich die Definition des Wortes „Manufaktur“ heutzutage mit der Existenz mindestens eines Uhrwerks, dessen Gestell, also Platine, Brücken und Kloben tunlichst in eigener Regie entstehen. Dabei spielt die Relation von Maschinen- und Handarbeit grundsätzlich keine Rolle mehr. Im Vordergrund steht das Kaliber, welches durch seine spezifische Konstruktion eine hervorstechende Position in der Armbanduhren-Szene einnimmt.

    Freilich fordert die Gegenwart auch auf diesem Gebiet ihren Tribut. Die Anschaffung kostspieliger computergesteuerter Fertigungszentren lohnt sich nur bei vernünftiger Auslastung der Geräte. Daher offerieren Maschinenfabrikanten wie die Rolex-Tochter Precitrame oder die deutsche Firma Kern Mikrotechnik hochpräzise Auftragsproduktion.

    Gisbert L. Brunner ist Experte für kostbare Uhren. Quelle: Privat, Patek Phillippe
    Der Autor

    Gisbert L. Brunner ist Experte für kostbare Uhren.

    (Foto: Privat, Patek Phillippe)

    Weil Lohnfertigung weder die Qualität noch die Exklusivität tangiert, ist die Palette dessen ausgesprochen breit, was aktuell unter den Begriff „Manufaktur“ zusammengefasst werden kann. Die Bandbreite reicht von Uhrenherstellern mit nur einem einzigen Uhrwerk, das von keiner anderen Marke verbaut wird, bis hin zu den von Georges-Albert Berner in seinem illustrierten Wörterbuch erwähnten „Manufakturen“. Aber davon dann nächste Woche mehr.

    Wer im deutschsprachigen Raum nach einem echten Experten für Uhren sucht, kommt an Gisbert L. Brunner nicht vorbei. Der mittlerweile pensionierte bayerische Beamte hat Hunderte von kostbaren Zeitmessern gesammelt, aber auch Dutzende von Büchern über die unterschiedlichsten Marken geschrieben.

    Mehr: Kolumne Zeit ist Geld (20): Was Patek Philippe oder Montblanc für die Genauigkeit ihrer Uhren tun

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