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Rath checkt ein: Siam Kempinski Hotel BangkokAußer Spesen laut gewesen

Der Wettbewerb unter Asiens Stadthotels ist knallhart. Hotel-Experte Carsten K. Rath erkundet das Siam Kempinski Hotel Bangkok, das sich als „Stadt-Resort“ vermarktet.Carsten K. Rath 31.03.2018 - 14:58 Uhr Artikel anhören

Der Entrepreneur ist Keynote-Speaker und Autor zu den Themen Reise, Service und Führung. Rund um den Globus hat er Touristik- und Hotellerie-Unternehmen gegründet und geleitet und Tausende Mitarbeiter geführt.

Foto: Handelsblatt

Bangkok. Im knallharten Wettbewerb der Stadthotels Asiens zeigt sich die thailändische Hauptstadt besonders experimentierfreudig. Das Siam Kempinski Hotel Bangkok versucht es mit einem Mischkonzept als „Stadt-Resort“, das urbanen Komfort mit Strandfeeling verbinden soll.

Bangkok ist Hotel-Enthusiasten als Schmelztiegel der Hospitality-Trends bekannt. Kaum eine andere Stadt auf der Welt hat eine derartig bunte Gastkultur zu bieten wie die südostasiatische Metropole. Wer hier landet, sei es beruflich oder privat, erwartet Exotik, exzessiven Luxus und sprühenden Charme. Um in Bangkok aufzufallen, muss sich ein Grand Hotel also einiges einfallen lassen.

In der Top-Kategorie tritt das 2010 eröffnete Siam Kempinski Hotel Bangkok allerdings nicht nur gegen die besten Adressen der thailändischen Hauptstadt an, sondern auch gegen die illustre Riege der besten Stadthotels in Asien – von Singapur bis Schanghai.

Bei zwei früheren Besuchen – damals noch unter dem exzellenten Management des akribischen Holger Schroth – begeisterte mich das Haus. Dieses Mal bekomme ich bereits beim Check-in jene Überheblichkeit zu spüren, die nie ein gutes Zeichen für die Gastorientierung ist: Ein Manager teilt mir mit, beim Service sei man auf Augenhöhe mit dem Mandarin Oriental am Fluss.

Ob mein subjektives Gasterlebnis diese Selbsteinschätzung bestätigen wird?

Wer südostasiatisches Resort-Feeling mit dem Flair der Metropole kombinieren möchte, stößt unweigerlich auf dieses Haus.

Foto: Siam Kempinski Bangkok

Das Mekka der Shopping-Süchtigen

Ein Alleinstellungsmerkmal ist dem Siam Kempinski gewiss: Der Gebäudekomplex im beliebten Stadtbezirk Ratchathewi umschließt eine ausgedehnte Garten- und Poollandschaft. Wer also südostasiatisches Resort-Feeling mit dem Flair der Metropole kombinieren möchte, stößt unweigerlich auf dieses Haus.

So weit die Theorie. In der Realität wirkt sich die zentrale Lage jedoch ganz anders aus. Für viele Gäste scheint das entscheidende Alleinstellungsmerkmal der direkte Zugang zur Paragon Shopping-Mall zu sein - eine der größten und exklusivsten Shopping-Malls Asiens. Heerscharen von arabischen und chinesischen Shopping-Touristen bevölkern die Lobby und machen scheinbar nur im Hotel halt, um hier Berge von Einkaufstüten abzuladen, bevor sie für eine weitere Runde Powershopping in die Mall zurückkehren. 

Insider-Tipps für den Bangkok-Besuch
In der Bar Above 11 im Bezirk Sukhumvit Soi 11 genieße ich einen berauschenden Ausblick auf die Skyline von Bangkok, hervorragendes Sushi und einen exzellent präsentierten Martini-Cocktail. Es lohnt sich, die Zweiertische am Rand der Bar zu reserviere: Dort ist der Blick am besten, und man genießt mehr Ruhe als inmitten der Sitzfläche im vorderen Bereich.
Weitaus bekannter und voller, aber ebenfalls ausgezeichnet ist die Skybar des Restaurant Scirocco im Lebua at State Tower.
Nur Eingeweihten bekannt, ist Bangkoks „Green Mile“ vergleichbar mit New Yorks „High Line“: Die Hochpassage verbindet zwei der größten Parks der Stadt und eröffnet abseits des Verkehrschaos neue Perspektiven auf die Skyline, einen Tempel und eine Moschee, aber auch in alte Holzhäuser, Gassen und Hinterhöfe.

Die Kinder bleiben mit den Kindermädchen im Hotel, während die Eltern nebenan die Kreditkarte einsetzen. Und so kommt es, wie es kommen muss: Die Zurückgelassenen übernehmen die Vorherrschaft über die wunderschöne Pool-Landschaft und machen einen Heidenlärm. Nicht einmal ein Regenschauer, der sich über die Palmen und türkisfarbenen Pools ergießt, kann sie stoppen.

Wer hier ohne Kinder unterwegs ist und entspannen will, hat daher keine Chance. Ein Fehler, den schon manches Luxushotel teuer bezahlt hat: Eine geschickte Kinderpolitik mit konkreten Angeboten für Familien, aber auch entsprechenden Ruhezonen für Business-Gäste und Premium-Reisende ist ab einer gewissen Größe unverzichtbar.

Die Zimmer im Siam Kempinski Hotel Bangkok sind regulär ab etwa 220 Euro aufwärts zu haben.

Foto: Handelsblatt

Die große Stärke des Siam Kempinski ist zweifellos die Ausstattung. Das gilt sowohl für die Facilitys als auch für die Einrichtung der Zimmer, die regulär ab etwa 220 Euro aufwärts zu haben sind.

Bei der Einrichtungsqualität wurde kein Kompromiss eingegangen. Der Marmor-Fußboden meines Zimmers aus der Deluxe-Kategorie ist in hochwertiges Holzparkett eingefasst, auf dem wiederum ein sehr weicher, flauschiger Teppich liegt. Sämtliche Wände sind mit Seide oder Holz verkleidet und mit großflächiger Kunst geschmückt. Alle Bäder wurden mit schweren, großen Marmorfliesen getäfelt, selbst Schränke und Türen sind mit Leder bespannt. Ich habe selten so konsequente, lückenlose Qualität vor allem in der Verarbeitung gesehen.

Auch die kulinarische Versorgung auf dem Zimmer ist bestens. Hier kommt ein Prinzip zum Tragen, das sich in meiner eigenen Erfahrung als Hotelier stets bewährt hat und doch oft vernachlässigt wird: Großzügigkeit bei Kleinigkeiten hat einen enormen Einfluss auf die Gasterfahrung. Im Siam Kempinski gibt es eine kostenlose Minibar, die jeden Tag aufgefüllt wird und neben Softdrinks auch zwei hervorragende Biere und ein kleines Snackangebot enthält.

Ausgezeichnet ist auch der großzügige Gym-Bereich. Bei einem (kostenfreien!) Kursangebot, das von Yoga über Tanzen und Stretching bis hin zu Thai-Boxen reicht – immer inklusive privatem Trainer – muss hier niemand über mangelnde Bewegung oder Langeweile klagen. Und das komplett ausgestattete Spa (mit der in Asien üblichen konsequenten Geschlechter-Trennung) stellt zumindest außerhalb der Stoßzeiten jene Oase der Ruhe dar, die ich in den ansonsten recht geräuschintensiven öffentlichen Bereichen des Hotels vermisse.

Lost in Competition

Von den drei Restaurants ist aber nur eines eine Erwähnung wert: Das Sra Bua By Kiinkiin mit 40 Plätzen serviert moderne, Thai-inspirierte Fusionsküche. Leider macht sich auch hier wieder eine gewisse Arroganz bemerkbar: In diesem Jahr sehe man erstmals Besuch vom Michelin-Guide entgegen – und zwei Sterne sollten es schon werden, erklärt mir ein Supervisor.

Die Hanuman Bar mit 25 Plätzen in einem abgetrennten Bereich der riesigen Lobby und auch die hübsche kleine Rotunda inmitten der Pool-Landschaft sehen gegen das überbordende Angebot spektakulärer Rooftop-Bars in Bangkok keinen Stich. Hier haben andere Adressen in der Stadt, etwa das Lebua at State Tower mit dem ausgezeichneten Scirocco Restaurant und seiner Sky Bar, weit mehr zu bieten.

Die herzliche, charmante Service-Erfahrung, die ich von einem Bangkok-Aufenthalt erwarte, mache ich im Siam Kempinski leider zu keinem Zeitpunkt. Schon der Check-in verläuft etwas holprig, denn der Prozess wird mehrfach unterbrochen. Möglicherweise liegt das an der chinesischen Reisegruppe, die parallel auscheckt, oder an der indischen Feiergesellschaft, die gerade eincheckt – doch das wertet die Erfahrung für mich als Gast auch nicht auf.

Dieser Eindruck verstärkt sich im weiteren Verlauf des Aufenthalts: Der Service ist professionell, aber wenig herzlich und leider kein Alleinstellungsmerkmal. So werde ich vom ersten bis zum letzten Tag meines Aufenthalts auf meine Zimmernummer reduziert.

Professionalität ohne Herzlichkeit ist Arroganz

Das ist nicht nur unpersönlich, es führt auch immer wieder zu Verwirrung, denn eine Nummer ist schnell verwechselt. Bei einer Buchung fürs Abendessen geschieht genau das. Irritiert fragt mich der Concierge, warum ich zum zweiten Mal an diesem Abend einen Tisch buche …

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Ich will die Motivation der Ausführenden keinesfalls abwerten: Die meisten Mitarbeiter zeigen sich aufmerksam und freundlich, und bei den Basics gibt es wenig zu meckern. Die oft unruhige Atmosphäre und die hohe Anzahl an Reisegruppen führt jedoch dazu, dass es in Schlüsselmomenten an jenem Charme und Fokus auf den einzelnen Gast fehlt, durch den sich ein Hotel selbst am oberen Ende der Skala abheben kann.

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