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BuchkritikTipps zur erfolgreichen Geldanlage – für Anfänger und Fortgeschrittene

Um richtig investieren zu können, braucht es einen ganzheitlichen Finanzblick. Diese zwei Bücher enthalten wertvolle Ratschläge.Ulf Sommer 16.01.2022 - 08:00 Uhr Artikel anhören

Aktien, ETFs, Rohstoffe – was die Profis Einsteigern und Fortgeschrittenen bei der Geldanlage raten.

Foto: Getty Images

Zwei Vorsätze fürs neue Jahr lassen sich schon jetzt verwirklichen: das Thema Geld, die eigenen Finanzen und das renditeträchtige Anlegen endlich anzugehen. Darüber hinaus den ganz großen Finanz-Bildungsbogen zu schlagen: zwischen dem wohl erfolgreichsten Anleger der Gegenwart, einem Klassiker der Wirtschaftswissenschaften und dem alten Rom. Das bieten zwei lesenswerte Neuerscheinungen.

Beide könnten unterschiedlicher kaum sein: einmal aus der jungen Youtube-Szene und einmal von einem der vielleicht besten Kenner des Börsengenies Warren Buffett. Zunächst zur Einsteigerlektüre: Wer das Online-Videoportal Youtube häufiger nutzt, dürfte Mona Linke und Thomas Kehl mit ihrem Kanal „Finanzfluss“ kennen. Dabei geht es um leicht verständliche Inhalte zum Umgang mit Geld. Jetzt haben beide ihr Finanzwissen in einem Einsteigerbuch gut strukturiert zusammengefasst.

Ihr hochtrabend klingender Titel „Das einzige Buch, das Du über Finanzen lesen solltest“ weckt erst einmal Skepsis. Ist das nicht ein wenig hoch gegriffen? Doch die 288 Seiten reichen tatsächlich aus, um sich künftig – ohne jegliche Vorkenntnisse! – im Börsendschungel, und nicht nur dort, zurechtzufinden.

Der Ex-Investmentbanker und die Journalistin gliedern ihr Buch in neun Kapitel: Es beginnt mit vermeintlichen Glaubenssätzen, die viele davon abhalten, mit einem gesunden Selbstvertrauen das Thema Geld und Vermögen anzugehen.

Weiter geht es mit dem notwendigen Blick auf die eigene finanzielle Situation. Dazu gehört das Nettoeinkommen, abzüglich aller laufenden Kosten, um so am Ende auf die monatlichen Sparraten zu kommen, mit deren Hilfe sich ein Vermögen bilden lässt.

Thomas Kehl, Mona Linke: Das einzige Buch, das Du über Finanzen lesen solltest. Ullstein Taschenbuch Berlin 2022 288 Seiten 12 Euro Foto: Handelsblatt

Keineswegs geht es „nur“ ums Geldanlegen, sondern um den ganzheitlichen Finanzblick: nötige und unnötige Versicherungen, wie etwa Haftpflicht und Berufsunfähigkeit auf der einen oder Handy- und Glasbruchversicherung auf der anderen, eher zu vernachlässigenden Seite.

In wohltuend knapper Form werden Klassiker der Geldanlage wie Girokonto, Sparbuch, Tagesgeldkonto, Bausparvertrag oder fondsgebundene Lebens- und Rentenversicherungen abgeräumt. Der Grund: All das beschert in unserer Nullzinswelt keine Renditen, und es sind deshalb schlechte Anlageformen.

Jedem Anhänger von Betongold sei das Kapitel „Immobilien – der steinige Weg zum Wohlstand“ empfohlen. Kehl und Linke liefern schlüssige Berechnungen, wonach „Mieten“ langfristig lukrativer sein kann als „Kaufen“. Wohltuend ist auch hier, dass sich Autor und Autorin auf keine der beiden Seiten schlagen, sondern realistische Beispielrechnungen bieten.

Etwa ab der Mitte des Buches geht es in die Welt der Aktien mit Handlungsempfehlungen: „Wie eröffne ich ein Depot?“ bis hin zum Thema Börsenabsturz – mit der gewagten These: „Der Crash als Sprungbrett für Dein Vermögen.“

Was auf den ersten Blick reißerisch klingt, wird nüchtern und wieder mit Beispielrechnungen erklärt: In Crashs gibt es mehr Aktien fürs gleiche Geld, was sich in einem auf Jahre angelegten Sparplan auf Dauer stärker in Gewinnen auszahlt, als wenn die Kurse nervenschonend weniger stark schwanken.

Kurzfristig sei die Börse tatsächlich ein „Casino“. Notorische Skeptiker, die vor allem in Deutschland immer noch weit verbreitet sind, bekommen also erst einmal recht. Denn das tägliche Marktrisiko ist nicht vorhersehbar, wie zuletzt der Corona-Frühjahrscrash vor knapp zwei Jahren eindrucksvoll bewiesen hat: Die Kurse fielen weltweit um rund 30 Prozent. Abgesehen von wenigen Einzeltiteln verloren fast alle Aktien prozentual zweistellig. Ein tiefes Minus also für all jene, die ihr Geld an der Börse anlegen.

Aber, so lautet die Quintessenz: „Erträgst du als Anleger solche Schwankungen des Marktes, wirst du auf längere Sicht dafür mit einer Rendite belohnt.“ Eben weil der Markt auf Dauer immer gestiegen ist. So auch nach dem Corona-Crash.

Anlagestrategie

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Genauso sauber wird aber herausgearbeitet, dass die Risiken mit einzelnen Aktien höher sind – und nur selten mit einer höheren Rendite belohnt werden, als wenn auf den Gesamtmarkt spekuliert wird.
Als geniale „Wunderwaffe“ empfehlen Kehl und Linke deshalb eine Risikostreuung über Investmentfonds oder ETFs. Erste werden von Profis gemanagt, was Geld kostet.

Bei der zweiten Variante handelt es sich um ein Abbild ganzer Börsenindizes. Das ist einfach und kostet wenig. Zwar präferieren die Autoren ETFs, weil nur wenige aktiv gemanagte Fonds es auf Dauer schaffen, Index-ETFs zu schlagen.

Keine Alternative ist für Kehl und Linke, die Geldanlage Bankberatern anzuvertrauen. Sie seien keine Berater, wie es die Berufsbezeichnung suggeriert, sondern Verkäufer mit entgegengesetzten Interessen. Ziel des Kunden ist es, das Beste aus seinem Geld herauszuholen, das des Beraters ist es, Produkte zu verkaufen, an deren Gewinnen das Institut beteiligt ist.

Was nach Schwarz-Weiß-Malerei klingt, erweist sich leider allzu oft als gängige Praxis. Insofern führt kein Weg an der selbstbestimmten Geldanlage vorbei.

Das Motto im Aktienkapitel lautet: „Dein Weltportfolio – Einfachheit zahlt sich aus.“ Konkret dargestellt werden ETFs aus Industrie- und Schwellenländern. An schlüssigen und vor allem verständlichen Erklärungen, wie diese aufgebaut sind und was genau sich hinter Namen wie „Xtrackers MSCI Emerging Markets ESG UCITS ETF 1C“ verbirgt, fehlt es nicht und ist auch für Fortgeschrittene ein Gewinn.

Wer von Einzelaktien am Ende doch nicht ablassen möchte, weil der Nervenkitzel zu groß ist, dem empfehlen die Autoren kurzerhand ein Zocker-Zweitdepot, damit der langfristige Erfolg mithilfe der Sparplan-ETF-Strategie nicht gefährdet wird. Die Idee mit den zwei getrennten Depots ist so einfach wie genial.

Wer nun bei der Einzeltitelauswahl profunden Rat sucht, kann von Warren Buffett lernen. Dem 91-jährigen Börsenaltmeister gelingt es seit Jahrzehnten auf eindrucksvolle Weise, mit seinen Aktienanlagen den Gesamtmarkt zu schlagen.

Über das Nichtreagieren auf Ereignisse

Anders als in seinem Bestseller „Warren Buffett: Sein Weg, seine Methode, seine Strategie“ geht es in der Neuerscheinung des Buffett-Kenners Robert G. Hagstrom um Denkweisen des Börsengenies. Dafür nähert sich Hagstrom all jenen Personen, die Buffett maßgeblich beeinflussten.

Es geht viel um die Lehren des Wirtschaftswissenschaftlers Benjamin Graham. Dieser verinnerlichte während seines mathematischen und philosophischen Studiums die bedeutenden klassischen Werke der griechischen und lateinischen Literatur. Sie fließen 1934 in seinem Erstlingswerk der „Wertpapieranalyse“ und später in „Intelligent Investieren“ ein. Warren Buffett entdeckte es 1950 und bezeichnete dieses später als „das mit Abstand beste Buch über Geldanlage, das je geschrieben wurde“.

Es geht dabei um Grahams tiefe Kenntnisse über antike Helden, wie die des römischen Kaisers und Philosophen Mark Aurel. Dieser regierte das Römische Reich im zweiten Jahrhundert nach Christus. Von dessen stoischen Selbstbetrachtungen fühlten sich Graham und später Buffett stark angezogen. Dabei geht es viel um das (stoische) Nichtreagieren auf Ereignisse, die außerhalb unserer Kontrolle liegen.

Robert G. Hagstrom: Warren Buffett. Das ultimative Mindset für Investoren. Übersetzung: Ebert Neumüller Börsenbuchverlag Kulmbach 2022 304 Seiten 24,90 Euro Foto: Handelsblatt

Solche Kenntnisse helfen an der Börse sehr, und sie beeinflussen Buffetts Anlageentscheidungen bis heute maßgeblich. Etwa wenn es um die für ihn wichtige Tugend geht, oft einfach sehr lange nichts zu tun. Eben weil es keine geeigneten und kaufenswerten Unternehmen gibt.

Gekonnt schlägt Hagstrom den Bogen über Rom, Marc Aurel und Benjamin Graham bis hin zum schlimmsten Feind des Anlegers: er selbst. Denn wenn Anleger sich nicht von der emotionalen Achterbahn des Marktes loslösen können, erliegen sie unweigerlich dessen negativen Kräften – und dies belastet das eigene Depot.

Hagstrom liefert keine leichte Kost, sondern wie die Einleitung beschreibt, ein weiteres, dafür umso wertvolleres Buch über Buffett. Keine Wiederholung altbekannter Glaubens- und Grundsätze, sondern kluge Zutaten, um sich dem erfolgreichen Börsenspekulanten zu nähern und ihn zu verstehen.

Dabei geht es schlussendlich auch um Buffetts kongenialen und in der Öffentlichkeit oft unterschätzten Partner und Freund Charles Munger. Die Breite seines Wissens ist atemberaubend. Wie bei Graham ist seine Fähigkeit, mit Lichtgeschwindigkeit Schlüsse zu ziehen, elektrisierend.

Kennzeichnend ist für Hagstrom ein Vortrag Mungers an der University of Southern California im April 1994. Die Studenten waren darauf gefasst, Gedanken über den Aktienmarkt und vielleicht ein paar Anlagetipps aufzuschnappen. Stattdessen ging es um die Aktienauswahl als Unterabteilung der erstrebenswerten Kunst, Wissen über die gesamte Welt zu erlangen.

Der im Zweiten Weltkrieg als ausgebildeter Meteorologe tätige Munger forderte die Studierenden auf, sich dem Markt nicht über bloße Finanzzahlen und der Wirtschaft zu nähern, sondern Physik, Biologie, Sozialwissenschaften, Mathematik, Philosophie und Psychologie mit einzubeziehen. Es ging ihm um nicht weniger als das „Weltwissen“ und die wichtigsten Denkmodelle innerhalb jeder Disziplin. Sie sind für Munger die beste Voraussetzung, um an der Börse Erfolg zu haben.

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All das bezeichnete Buffett auf seiner eigenen Hauptversammlung am 6. Mai 2017 als „Geldverstand“. Dies wiederum war für den damaligen Zuhörer Hagstrom der zündende Anlass, sich dem „Sportsmann, Lehrer und Künstler“ neu zu nähern. Gemäß der Erkenntnis, dass es bei einer erfolgreichen Geldanlage mehr als nur um das Beherrschen einer Disziplin geht.

Der Erfolg dieses ganzheitlichen Ansatzes gibt Buffett seit Langem recht: Seine von ihm gemanagte Berkshire-Hathaway-Aktie, in der alle Beteiligungen zusammengefasst sind, erwirtschaftete seit Auflegung vor rund fünfeinhalb Jahrzehnten eine jährliche Rendite von gut 20 Prozent. Aus einst 19 Dollar wurden 452.000 Dollar. Es lohnt sich also, den von Hagstrom gut herausgearbeiteten und analysierten „Geldverstand“ Buffetts zu verstehen.

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