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Kolumne: Auf ein Buch Warum man oft noch wie ein siebenjähriges Kind liest

Unser Kolumnist hat in den vergangenen Jahren mehr als 500 Bücher gelesen. Er ist der Meinung: „Wir müssen das Lesen neu lernen.“
19.06.2020 - 11:19 Uhr Kommentieren
Der erste Schritt des richtigen Lesens: die Auswahl des richtigen Buches. Quelle: AP
Wenn Bücher sich stapeln

Der erste Schritt des richtigen Lesens: die Auswahl des richtigen Buches.

(Foto: AP)

„So gut wie niemand von uns kann richtig lesen, weil unsere Ausbildung im Lesen bereits in der zweiten Klasse endet!“ Dieser Aussage des amerikanischen Philosophen Mortimer J. Adler stimme ich uneingeschränkt zu.

Dabei spreche ich nicht von den 6,2 Millionen Menschen, die in Deutschland nur unzureichend lesen und schreiben können. Ich spreche von Ihnen! Von mir! Von allen Lesern, die neben der Tageszeitung garantiert hin und wieder auch zu einem Buch greifen.

Hand aufs Herz: Wann haben Sie sich das letzte Mal Gedanken darüber gemacht, wie Sie ein Buch besser lesen können? Wie sie regelmäßiger lesen, das Wissen besser behalten und vor allem, wie Sie Dinge aus einem Buch umsetzen können?

Im Laufe des Berufslebens feilen wir an unseren Rhetorik- und Präsentationskünsten. Wir besuchen Verhandlungsseminare und versuchen mit Hilfe von Design Thinking auf kreative Ideen zu kommen. Aber eine Tätigkeit, die wir täglich ausüben, haben wir seit der zweiten Klasse nicht mehr weiterentwickelt: das Lesen.

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    Durch meine tägliche Lektüre in den vergangenen vier Jahren habe ich selbst viel ausprobiert und noch mehr Fehler gemacht. Gelernt habe ich dabei vor allem eines: Es geht nicht um die Geschwindigkeit. Hierzu können Sie Speed-Reading Seminare buchen oder Podcasts hören.

    Richtige Auswahl als erster Schritt

    Vielmehr geht es um die Interaktion mit dem Buch. Gerade Sachbücher und Ratgeber wirken wie eine Medizin. Zum richtigen Zeitpunkt und in der richtigen Dosis verabreicht, helfen sie unserem Körper und Geist zu wachsen. Drei Einnahmehinweise für Ihre Medizin will ich Ihnen im Folgenden vorstellen.

    1. Das richtige Buch wählen: Vielleicht kennen Sie das Problem, das mich früher jahrelang begleitet hat: Ständig stieß ich auf interessante Bücher, bekam Empfehlungen oder Geschenke. Das führte dazu, dass sich auf meinem Nachttisch ein Stapel ungelesener und teilweise noch original verschweißter Ratgeber stapelte.

    Wenn ich dann mal wieder Zeit zum Lesen fand, nahm ich meistens das oberste Buch und beschloss, den Stapel jetzt endlich kleiner werden zu lassen. Spätestens ab Seite 50 merkte ich jedoch, dass dieses Buch nicht meine aktuellen Fragen an mein Leben beantworten konnte. Der erste wichtige Schritt vor dem Lesen ist also die Auswahl des richtigen Buches. Welche Fragen haben Sie aktuell? In welchen Bereichen möchten Sie gerne weiterkommen? Glauben Sie, dass das ausgewählte Buch die Antworten liefern kann?

    2. Die richtigen Fragen stellen: Früher habe ich keine Zeit für das Inhaltsverzeichnis verschwendet, sondern mich direkt ins Buch gestürzt. Ich habe es konsumiert wie eine Netflix-Serie.

    Mortimer J. Adler wählt in seinem Buch „How to read a book“ eine amerikanische Metapher für das Lesen. Für ihn ist es wie bei einem Baseballspiel. Der Werfer repräsentiert den Autor und wirft uns den Ball (die Buchinhalte) zu. Jetzt ist es an uns als Schläger, dem Ball die richtige Richtung zu geben. Wir sollten also nicht nur passiv aufnehmen, sondern aktiv mit dem Buch arbeiten.

    Das geht meiner Erfahrung nach am besten mit den richtigen Fragen. Wenn ich das Inhaltsverzeichnis und den Klappentext in Ruhe lese, notiere ich mir Fragen an das Buch. Genauso, wenn ich mir vorab eine kurze Zusammenfassung auf YouTube anschaue oder bei Blinkist die wichtigsten Inhalte durchlese.

    Aber auch bei jedem neuen Kapitel überlege ich mir kurz, was sich hinter dieser Überschrift versteckt und wie es mit dem Rest des Buches in Zusammenhang steht. Sie werden merken, wie Sie viel wacher und aufmerksamer lesen, um sich Ihre Fragen zu beantworten.

    3. Die richtigen Notizen machen: Ich habe letztens einen Kollegen getroffen, der mir ein Buch empfehlen wollte. Nachdem er mir den Inhalt detailliert beschrieben hatte, fragte ich ihn nach seiner Meinung zu dem Buch. Seine Antwort: „Super. Ich sehe das genauso wie der Autor!“.

    Gähn… Ist es heutzutage nicht viel wichtiger, aus dem überall und ständig verfügbaren Wissen seine eigene Meinung zu destillieren? Lesen wir nicht, um anschließend auf dem Buch aufzubauen oder ihm entschieden zu widersprechen? Genau deshalb führe ich seit einigen Jahren eine Liste parallel zum Buch. Darauf halte ich drei Dinge fest:

    1. Aussagen, denen ich zustimme und die ich noch ergänzen kann durch mein Wissen.
    2. Aussagen, denen ich widerspreche.
    3. Konkrete To-Dos, also Dinge, die ich gerne nach der Lektüre in mein Leben übernehmen möchte.

    Falls Sie keine Lust haben, während des Lesens immer wieder zu Stift und Zettel zu greifen, können Sie diese Stellen auch mit verschiedenfarbigen Haftnotizen markieren und später herausschreiben.

    Es gibt keine Ausreden für das Nicht-Lesen

    Ich höre fast jede Woche diverse Ausreden, warum das Buch jetzt seit drei Monaten auf dem Nachttisch liegt und der Leser immer noch auf Seite 120 ist. Warum greifen wir im Schnitt 52 Mal pro Tag zu unserem Smartphone, aber nur selten zu einem Buch? Weil wir es nicht dabeihaben? Weil wir denken, für zehn Minuten lohnt es sich nicht? Das ist ein Trugschluss. Lesen Sie lieber zehn Minuten täglich als einmal pro Woche eine Stunde.

    Motivieren können wir uns zum Beispiel mit kleinen Haftnotizen. Wenn Sie täglich nur 20 Seiten lesen wollen, kleben Sie alle 20 Seite einen kleinen bunten Klebezettel in Ihr Buch. Bis dahin dürfen Sie heute lesen – und nicht weiter! Falls Sie jetzt noch mit der Ausrede kommen, Sie sind ja ständig unterwegs und haben Ihr Buch nicht zur Hand, machen Sie es wie ein ehemaliger Kollege von mir. Immer, wenn er das Haus verlässt, reißt er sich die nächsten zehn Seiten seines aktuellen Buches heraus und liest sie unterwegs. Die Interessanten hebt er auf. Die anderen wirft er weg.

    Und falls ihm das Buch besonders gut gefallen hat, kauft er es sich noch einmal für sein Bücherregal.

    Zum Abschluss der vielleicht wichtigste Tipp von allen: Brechen Sie Ihr Buch ab! Wenn Sie nach den ersten 100 Seiten immer noch nicht überzeugt sind und viel lieber zu einem anderen Werk greifen würden, tun Sie es. Beenden Sie das Buch und werfen Sie es in die Ecke. So wie es jedes trotzige siebenjährige Kind eben auch tun würde.

    Mehr: Diese Bücher bringen Optimismus in den Corona-Alltag

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