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RezensionLego: Mehr als nur ein Spielzeug

Spannend und anekdotenreich zeichnet Jens Andersen die Geschichte des dänischen Spielzeugherstellers Lego nach. Selbst Fans der Marke erfahren bislang Unbekanntes.Helmut Steuer 19.11.2023 - 11:30 Uhr Artikel anhören

Die Geschichte des dänischen Bauklotz-Unternehmens Lego aus Billund schildert Jens Andersen in seinem Buch „Die Lego-Story“.

Foto: Bloomberg

Stockholm. Es gibt wohl kaum einen Menschen, der nicht schon einmal einen Legostein in der Hand hatte, eines der kleinen bunten Plastikklötzchen, die in allen westlichen Kinderzimmern zum Standard gehören. Lego ist Geschichte, und diese Geschichte des dänischen Bauklotz-Unternehmens aus Billund schildert Jens Andersen in seinem Buch „Die Lego-Story“.

Um es gleich vorwegzunehmen: Mit ein paar Einschränkungen ist dieses Buch ein Muss – zumindest für Lego-Fans. Der dänische Journalist und Schriftsteller Andersen hat einen opulenten Band über die Geschichte des dänischen Bauklotz-Unternehmens geschrieben.

Zum ersten Mal öffnete die Eignerfamilie dafür ihre Archive. Familienoberhaupt Kjeld Kirk Kristiansen, der Enkel des Firmengründers Ole Kirk Christiansen, gibt außerdem seltene Einblicke in die Familien- und Unternehmensgeschichte – das „K“ im Nachnamen von Kjeld Kirk ist durch einen Schreibfehler in der Geburtsurkunde entstanden.

Es ist ein umfangreiches Buch geworden, ganze 478 Seiten lang. Detailreich zeichnet Andersen die Historie des Unternehmens von den Anfängen vor mehr als 90 Jahren bis heute nach. Dabei streut er immer wieder Zitate aus seinen vielen Gesprächen mit Kjeld Kirk Kristiansen ein. Wirklich persönlich wird es dabei jedoch leider nicht.

Es ist vielmehr Andersens akribische Archivarbeit, die den Leser mitnimmt in die schwierigen Gründerjahre eines der mittlerweile erfolgreichsten Spielwarenhersteller der Welt.

Drei Einflüsse auf die Entwicklung von Lego

Die Anfänge waren von drei Komponenten bestimmt:

1. Dem festen Glauben an Gott: Bis zu Beginn der 1960er-Jahre wurde der Arbeitstag bei Lego mit einem freiwilligen Gebet begonnen.

2. Einer gewissen Risikobereitschaft, das Unternehmen von einem Holzspielzeughersteller hin zu einem Kunststoffproduzenten zu entwickeln – ein klassischer Fall von gelungener Transformation.

3. Einem bisschen Glück: Trotz aller Rückschläge auf diesem Weg glaubten die Banken an das Unternehmen aus Billund.

So wurde Lego zu dem, was es heute ist. Geprägt hat den Konzern maßgeblich das heutige Familienoberhaupt Kjeld Kirk Kristiansen. Er war es, der die Idee seines Vaters Godtfred weiterführte, nach der Spielzeug zu Kreativität anregen sollte.

„Unsere Idee ist es, Spielzeug zu produzieren, mit dem das Kind auf das Leben vorbereitet wird“, hat Godtfred Christiansen einmal gesagt. Pädagogisches Spielzeug ohne Zeigefinger sozusagen. Sein Sohn Kjeld führte die Idee des Vaters trotz einiger Rückschläge wegen der Computerisierung des Kinderzimmers massentauglich um.

Jens Andersen: Die Lego Story. Deutsche Verlags-Anstalt, München 2023, 480 Seiten, 36 Euro Foto: Handelsblatt

Seinen Spieltrieb hat der Enkel von Firmengründer Ole Kirk Christiansen geerbt. Sein Opa baute 1916 die erste kleine Möbeltischlerei in Billund auf. Doch die Geschäfte gingen schlecht. Der Tischler suchte nach Alternativen, fand sie Anfang der 1930er-Jahre in der Herstellung von Holzspielzeug.

Das dänische „LEg GOdt“, Spiel gut, wurde 1934 auf die Anfangsbuchstaben verkürzt, und der Firmenname war geboren. Doch erst als sich Ole Kirk Dänemarks erste Kunststoff-Spritzgussmaschine zulegte, kam der Stein im wahrsten Sinne des Wortes ins Rollen: 1949 tauchten die ersten Lego-Steine auf, mittlerweile hat das Unternehmen mehrere Hundert Milliarden Klötze produziert.

„Und dann kamen die Röhren auf der Unterseite der Lego-Steine.“ Die Augen von Kjeld Kirk Kristiansen strahlten, als er über die bahnbrechende Idee seines Vaters, Godtfred Kirk Christiansen, in einem Handelsblatt-Gespräch erzählte. Durch kleine Röhrchen auf der Unterseite eines jeden Original-Lego-Steins klemmen die Steinchen selbst auf nur einer Noppe.

Die Noppen oder Röhrchen sind wohl auch der Grund, warum es nie zu einem juristischen Streit mit Kiddicraft gekommen ist. Diese Klötzchen aus Großbritannien inspirierten Christiansen einst nämlich zu seiner Klotzvariante.

Schon als Kindermodel zierte sein Gesicht Lego-Packungen

Kjeld wuchs wie Millionen andere Kinder mit Lego-Steinen auf. Als Kind war das für ihn das Paradies: Er war Testpilot für viele neue Projekte seines Vaters. Als Kindermodel zierte sein Gesicht sogar frühe Lego-Packungen, später führte er den Konzern ‧weiter, entwickelte die Idee der Legoland-Parks und war der Kopf hinter den enormen Erfolgen des Konzerns.

Andersen verschweigt aber auch nicht die schwierigeren Jahre Anfang der 2000er, als der Konzern erstmals höhere Verluste machte.

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Schade ist eigentlich nur, dass der deutsche Verlag nicht das Titelbild des dänischen Originals übernommen hat. Dort sitzt Kjeld Kirk Kristiansen wie ein kleiner Junge inmitten von Lego-Steinen und freut sich wie ein Schneekönig. Er ist der beste Botschafter für das Unternehmen – ein richtiges Spielkind.

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