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Handelsblatt Economic ChallengesAgenda 2030: Deutschland braucht eine Debatte über Arbeitszeit und Arbeitsvolumen

Die demografische Entwicklung sorgt in Deutschland für einen Verlust von 4,2 Milliarden Arbeitsstunden bis 2030. Über Mehrarbeit von Frauen oder Zuwanderung ist das nicht auszugleichen. 14.07.2023 - 11:04 Uhr Artikel anhören
Economic Challenges vom 14.07.2023

Kranke Wirtschaft Europas: Deutschland braucht mehr Arbeitsvolumen, Steuerreform, Investitionen und keine Schuldenbremse

13.07.2023
Abspielen 30:38

Deutschland muss nach Ansicht von Michael Hüther grundsätzlich über Arbeitszeit und Arbeitsvolumen diskutieren – es sei „eine Frage der Tarifpolitik, der Sozialpolitik und der Familienpolitik im weitesten Sinne“.

Bert Rürup verweist auf die Agenda 2010. Als diese eingeführt wurde, sei Deutschland im internationalen Vergleich ein Niedrigsteuerland gewesen. Und deshalb sei es auch so zügig aufwärtsgegangen. Aktuell sei das Gegenteil der Fall.

Was ihn überrasche: Keiner der bekannten Ökonomen thematisiere die Komplexität dieses Problems: „Wir werden die Beschäftigtenlücke, das Arbeitsvolumen nicht hochfahren können durch Zuwanderung. Also müssen wir uns in der Tat überlegen, was wir uns leisten können.“ Die Erwerbsbeteiligung der Frauen sei zwar rasant gestiegen. Aber trotzdem sei das geleistete Arbeitsvolumen zurückgegangen.

Michael Hüther sieht ebenfalls Potenzial bei den Frauen. Am Ende gehe es um eine gesellschaftliche Frage und eine innerfamiliäre Arbeitsteilung. Gleichwohl werde die Mobilisierung eines höheren Arbeitsvolumens von Frauen das demografische Problem nicht lösen können: „Deswegen müssen wir insgesamt auch über die Arbeitszeit reden.“ Die Unterschiede zu benachbarten Ländern seien ja evident. Hier liege wirklich ein Punkt, der ins Zentrum gerückt werden müsse. „Denn wir fragen ja: Wie kommen wir mit diesem kranken Mann wieder in eine Perspektive hinein?“

Rürup erwidert: „Fakt ist: Die Medizin, die du als Agenda 2010 beschrieben hast, die damals gewirkt hat, ist meines Erachtens in der Gegenwart nicht mehr sonderlich tauglich. Wie sähe also eine Agenda 2030 aus?“ Das sei für ihn eigentlich die spannende Frage, die aber seltsamerweise nicht thematisiert werde.

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