Musterdepot – das Dynamik-Depot: Die Sorglosigkeit ist verflogen – am Aktienmarkt ist die Korrektur zurück
München. In den vergangenen sechs Monaten haben wir eine historisch einmalige Rally an den Börsen in den USA, Europa und Japan erlebt. Die relevanten Aktienindizes sind nahezu 24 Wochen in Folge angestiegen, ohne bedeutende Rücksetzer. Der Kapitalmarkt strotzte zum Quartalswechsel vor Optimismus, und die Risikoneigung der Investoren und Anleger stieg im Vergleich zum Jahresende 2023 noch einmal an – gemessen an der Positionierung sowie an den Kapitalflüssen.
Nach einem leichten Kursanstieg an den Börsen in den ersten Handelstagen des Aprils scheint diese Sorglosigkeit nun aber verflogen. Die Gründe für die fortlaufende Korrektur an den Aktienmärkten sind vielfältig. Die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten zwischen Israel und dem Iran bildeten den Anfangspunkt für die schwache Kursentwicklung in den letzten vier Wochen.
Zusätzlich betonte der Präsident der Federal Reserve (Fed), Jerome Powell, dass die Notenbank kurzfristig keine Zinssenkungen vornehmen werde. Daher erwartet der Kapitalmarkt in diesem Jahr nur noch eine einzige Zinssenkung. Es gibt zudem Spekulationen, dass die US-Zentralbank gezwungen sein könnte, die Zinsen erneut anzuheben.
Darüber hinaus ist die Bewertung der US-Aktien in den vergangenen Monaten weiter gestiegen und hat mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von über 23 ein historisch überdurchschnittliches Niveau erreicht. In der aktuellen Quartalsberichtssaison haben Unternehmen, die in den vergangenen Monaten aufgrund des Hypes um Künstliche Intelligenz (KI) stark performt haben, eher enttäuscht. So konnten etwa Netflix, Tesla und Meta nicht überzeugen.
Sicherheit herstellen, defensiv aufstellen
Der Facebook-Mutterkonzern Meta wurde besonders durch die Aussicht auf höhere Kosten belastet. Firmenchef Mark Zuckerberg kündigte beträchtliche weitere Investitionen in KI an. Die Aktie verlor nachbörslich bis zu 15 Prozent. Nun stehen die Quartalsberichte von Apple, Microsoft, Alphabet (Google) und Nvidia noch aus. Die Investoren werden verstärkt auf den jeweiligen Ausblick achten. Dieser könnte durchaus enttäuschen, da sich das konjunkturelle Umfeld mehr und mehr eintrübt. Die weiteren Entlassungswellen bei Großunternehmen unterstützen diese Einschätzung.
Die jüngsten Entwicklungen haben meine Überzeugung gestärkt, an meiner defensiven Positionierung im Dynamik-Depot festzuhalten. Das Portfolio hat sich in den vergangenen Wochen gut entwickelt und starke temporäre Verluste während der Korrekturphasen vermieden.
Ich habe meine Positionierung entsprechend dem Marktumfeld erneut angepasst. Den Anteil des Short-Zertifikats, das von einem Rückgang des Nasdaq-100-Aktienindex profitiert, habe ich von sechs auf acht Prozent erhöht. Diese Position hat derzeit das größte Gewicht im Dynamik-Depot. Ich beabsichtige, mithilfe dieses Short-Zertifikats weiterhin an einer Korrektur teilzuhaben, insbesondere bei den großkapitalisierten Technologiewerten, und gleichzeitig die Wertentwicklung des Portfolios abzusichern.
Nach Abschluss der Korrektur plane ich jedoch diese Position aufzulösen und die freigesetzte Liquidität in Qualitätsaktien zu investieren. Zusätzlich habe ich die Goldposition im Dynamik-Depot von sieben auf fünf Prozent reduziert und Gewinne realisiert. Das Edelmetall verzeichnet seit Jahresbeginn eine bemerkenswerte Performance von über 15 Prozent. Nach einer Korrektur plane ich die Goldgewichtung wieder zu erhöhen.
Umschichten in japanische Anlagen?
Ich gehe davon aus, dass die US-Aktien in den kommenden Wochen und Monaten ein KGV von 17 bis 18 erreichen könnten. Damit würden sie sich wieder ihrem historischen Durchschnitt annähern. Diese Annahme würde zu einer weiteren Korrektur des S&P-500-Index führen, die ich zur Erhöhung des Aktienrisikos nutzen möchte.
Auf der Rentenseite beabsichtige ich, aufgrund des gestiegenen Renditeniveaus die Duration (durchschnittliche Kapitalbindungsdauer) zu erhöhen, da das mittelfristige konjunkturelle Umfeld auf fallende Renditen hindeutet. Die nächsten Wochen bleiben spannend.
Die Quartalsberichtssaison wird flankiert von Tagungen der Zentralbanken Fed und Bank of Japan. Die Möglichkeit einer Zinserhöhung in Japan könnte dazu führen, dass Investoren Kapital aus westlichen Märkten abziehen, um es in japanische Anlagen umzuschichten. Dies könnte die Liquidität verringern und möglicherweise zu erhöhter Volatilität an den Aktienmärkten und zu steigenden Renditen führen.
Obwohl Ökonomen keine Anpassungen erwarten, ist eine weitere Erhöhung nicht gänzlich ausgeschlossen, insbesondere vor dem Hintergrund des deutlichen Verfalls des japanischen Yens.