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AnlagestrategieDie Börse giert nach noch mehr Nachhaltigkeit

Seit dem Ausbruch des Ukrainekriegs hinken grüne Anlagestrategien dem Markt hinterher. Für Anlageexperten ist dieser Effekt nur vorübergehend.Thomas Luther 24.08.2022 - 13:54 Uhr Artikel anhören

Privatinvestoren treiben die Nachfrage nach nachhaltigen Anlageformen.

Foto: Imago

Düsseldorf. Über die Performance ihrer Aktien in den vergangenen Monaten dürften viele Verbio-Aktionäre die Nase rümpfen. Ängste wegen knapper Energiereserven haben den Kurs des Bioenergieproduzenten zunächst nach oben katapultiert. Im April ist die spekulative Blase geplatzt. Bis Juni hat sich die Notierung mehr als halbiert.

Die Achterbahnfahrt bei Verbio und vielen anderen Solarenergie- und Biospritherstellern steht sinnbildlich für den Stimmungswandel bei Privatanlegern und institutionellen Investoren. Im vergangenen Jahr haben sie vor allem über Fonds Rekordsummen in nachhaltige Geschäftsmodelle investiert. Doch hohe Inflationsraten und ein drohender Absturz der Konjunktur haben das Börsenklima in den vergangenen Monaten merklich verschlechtert.

Von grüner Euphorie kaum noch eine Spur. Ebenso wie Tech-Aktien werden auch Ökounternehmen von den Investoren kritischer beäugt. Manche schichten in Öl- und Gasaktien um, die wegen der hohen Energiepreise infolge des Ukrainekriegs Auftrieb haben. Auch Titel aus dem Rüstungssektor sind gut gelaufen – allesamt Branchen also, die aus nachhaltiger Sicht eher problematisch zu bewerten sind.

Eine Trendwende bei ESG-Investments sieht Ingo Speich dadurch indes nicht. Die drei Buchstaben stehen für Enviroment, Social und Governance. „Das Thema Nachhaltigkeit bleibt für die kommende Dekade ein Megatrend. Ein schlechtes Halbjahr ändert daran nichts“, ist der Leiter Nachhaltigkeit und Corporate Governance bei Deka Investment überzeugt. „Der negative Effekt durch den Konflikt in Osteuropa wird zunehmend auslaufen. Dafür werden sich die Auswirkungen der hohen Energiepreise auf Kostenstrukturen und Investitionspläne der Firmen in den kommenden Monaten bemerkbar machen und zu Anpassungsreaktionen führen. Das wird mittelfristig Effizienzmaßnahmen in gigantischem Ausmaß nach sich ziehen.“

ESG-Themen noch am Anfang

Zusätzlich verschaffen die Förderprogramme im Rahmen des Green Deals der EU, aber auch Verhaltensänderungen der Verbraucher aufgrund der hohen Energiepreise nachhaltigen Geschäftsmodellen Rückenwind. Im Gebäudesektor zum Beispiel muss Deutschland einen hohen Rückstand aufholen, sollen die Klimaziele bis 2030 erreicht werden. Die explodierenden Heizkosten machen eine energetische Gebäudesanierung nun rentabler.

Speich nennt aber auch Anbieter von Klimatechnik und sauberen Energielösungen, die vom Nachhaltigkeitstrend profitieren werden. In diesen Sektoren haben sich nach Zahlen von LBBW Venture Capital ebenso Risikokapitalgeber besonders stark positioniert. Auch Digitalisierungsspezialisten, die industrielle Prozesse optimieren, um damit den Energieverbrauch zu senken und so den CO2-Ausstoß zu mindern, bieten Chancen.

Für die Experten der Fondsgesellschaft Ethenea steht Verankerung von ESG-Themen bei vielen Unternehmen noch ganz am Anfang. „Da ist der Zug quasi noch gar nicht losgefahren. Insofern wird sich die Dynamik in dem Bereich auch weiter beschleunigen“, sagt Christian Schmitt, Senior Portfolio Manager. In den jüngsten geopolitischen Spannungen sieht er den vorläufigen Zenit der Globalisierung. Gesucht werden daher Unternehmen, die für die damit verbundenen Herausforderungen Lösungen liefern, insbesondere im Bereich dezentraler Energieversorgung.

Zusätzliche Unterstützung bekommen nachhaltige Investments auch durch die Regulatorik. Die Dynamik durch die Offenlegungs- und Taxonomieverordnung der EU beginnt nach Einschätzung von Anlageexperte Schmitt gerade erst zu wirken. Zudem sind die Banken in der Anlageberatung verpflichtet, die Nachhaltigkeitspräferenz ihrer Privatkunden ausdrücklich abzufragen. „Dadurch werden viele Anleger, die bislang nicht nachhaltig investiert haben, auf dieses Thema aufmerksam gemacht“, sagt Speich.

Nachhaltige Investitionen sollen helfen, den Klimawandel auf der Erde zu verlangsamen.

Foto: Imago

Entscheidend ist für den Anleger am Ende aber auch, dass er bei einem nachhaltigen Anlageprodukt das bekommt, was draufsteht. Das Thema Greenwashing bleibt daher wegen nach wie vor vorhandener Unschärfen und Unregelmäßigkeiten auf der Tagesordnung.

„Wir adressieren das Thema Greenwashing durch Transparenz im Investmentprozess und Vermeidung leerer Versprechen nicht nur auf der Impact-, sondern auch auf der Renditeseite“, sagt Heiko Bailer, Leiter ESG Investments & Research bei LBBW Asset Management. „Für zusätzliche Einschränkungen, wie Nachhaltigkeitsauflagen, muss der Investor allerdings bereit sein zu bezahlen.“

Green Bonds sind gesucht

Mit dem Anstieg der allgemeinen Marktrenditen in den vergangenen Monaten haben auch nachhaltige Zinsanlagen wieder an Attraktivität gewonnen. Mit Green Bonds können die Emittenten nach Beobachtung von Deka-Experte Speich über eine bessere Reputation hinaus zunehmend auch Zinsvorteile gegenüber herkömmlichen Papieren realisieren. Die hohe Nachfrage macht es möglich. Entscheidend wird nach Einschätzung der Renditeexperten sein, wie gut sich das mit dem weiterhin begrenzten Angebot in Einklang bringen lassen wird.

Eine Herausforderung für Investoren bleibt weiterhin, grüne und soziale Anleihen richtig einzuschätzen. Zwar hat sich insbesondere für die erste Gruppe mit den ICMA Green Bond Principles mittlerweile ein Marktstandard etabliert. „Da diese Standards allerdings eher rudimentär sind, gibt es ein breites Spektrum an Projekten, die von verschiedenen Emittenten als geeignet eingestuft werden“, sagt Michael Weidner, Head of European Fixed Income bei Lazard Asset Management Deutschland. „Die Qualität der Berichterstattung ist jedoch sehr unterschiedlich, was die Bewertung kompliziert macht.“

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