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KlimawandelWarnung der EZB: Klimarisiken können Kettenreaktionen im Finanzsystem auslösen

Klimakatastrophen können zu abrupten Preisschocks an den Finanzmärkten führen, fürchtet die EZB. Sie gibt auch Empfehlungen, was dagegen hilft.Yasmin Osman 26.07.2022 - 15:50 Uhr Artikel anhören

Naturkatastrophen wie Waldbrände und Überflutungen können auch das Finanzsystem bedrohen.

Foto: dpa

Frankfurt. Naturkatastrophen und der Klimawandel können gefährliche Kettenreaktionen im Finanzsystem auslösen. Das gelte vor allem für den Fall eines ungeordneten Übergangs zu einer klimaneutralen Wirtschaftsweise. Zu dieser Einschätzung kommen die EZB und der Europäische Ausschuss für Systemrisiken (European Systemic Risk Board, ESRB) in einem am Dienstag veröffentlichten Bericht.

Im Blick haben EZB und ESRB dabei mögliche Verwerfungen an den Finanzmärkten, die durch Naturkatastrophen wie Überflutungen, Hitzewellen und Waldbrände ausgelöst werden könnten. „Ein Klimaschock könnte zu einer plötzlichen Neubewertung der Preise für Klimarisiken führen und dadurch Notverkäufe auslösen, bei denen Finanzinstitute (...) schnell eine große Zahl betroffener Vermögenswerte zeitgleich zu stark unter Druck geratenen Preisen verkaufen“, heißt es in dem Bericht.

Dieser Marktpreisschock würde zunächst die Portfolios von Investment- und Pensionsfonds sowie von Versicherern treffen. In einem zweiten Schritt könnten solche plötzlichen Preiseffekte auf die Finanzierungskosten von Unternehmen dazu führen, dass davon betroffene Unternehmen zahlungsunfähig werden. Das wiederum würde zu Kreditausfällen bei Banken führen, so die Analyse von EZB und ESRB.

Die EZB beschäftigt sich seit Längerem mit dem Einfluss des Klimawandels auf die Finanzwelt. Im Juli hatte die Notenbank die Ergebnisse eines Stresstests unter Banken der Euro-Zone veröffentlicht. Die aktuelle Analyse bezieht neben Banken auch andere Finanzakteure wie Fonds oder Versicherungen mit ein.

Bei einem ungeordneten Übergang zu einer klimaneutralen Wirtschaft kann es zum Beispiel zu einem abrupten und markanten Anstieg der CO2-Preise kommen. Das könnte bei Versicherern und Investmentfonds potenziell auf kurzfristige Sicht zu Marktpreisverlusten von drei bis 25 Prozent der überprüften Vermögenswerte führen.

Geordneter Wirtschaftsumbau kann Preisschocks mildern

Ein geordneter Umbau der Wirtschaft hin zu Klimaneutralität bis 2050 könnte solche Schocks abmildern. Die Wahrscheinlichkeit von Unternehmenspleiten bis zu diesem Zeitpunkt würde im Vergleich zur Fortsetzung der heutigen Politik um 13 bis 20 Prozent sinken, so die EZB. Das würde auch die Verluste der Banken aus Kreditausfällen senken.

Ein Klimaschock könnte zu einer Neubewertung der Preise für Klimarisiken führen.

Foto: Daniel Hofer/laif

EZB und ESRB setzen sich in ihrem Bericht auch mit der Frage auseinander, mit welchen Maßnahmen sich Klimarisiken in der Finanzwelt regulatorisch steuern ließen. Für die Bankenbranche etwa gibt es danach zwar noch keine passenden Instrumente, aber einige existierende Instrumente ließen sich leicht anpassen.

Das gilt etwa für den sogenannten systemischen Risikopuffer. Das ist ein Eigenkapitalzuschlag, den Banken zusätzlich zu ihrer vorgeschriebenen Eigenkapitalausstattung aufbringen müssten. Dieser Kapitalpuffer zielt allerdings nicht auf Risikokonzentrationen, die bei einzelnen Banken existieren, sondern ist ein Instrument, das sehr pauschal auf das Systemrisiko des Klimawandels abzielen würde.

Daneben könnten Bankenaufseher Obergrenzen einführen, die verhindern, dass Banken sich zu stark in bestimmten CO2-intensiven Branchen engagieren. Für aussichtsreich hält die Notenbank auch Maßnahmen, die bei den Bankkunden ansetzen, etwa wenn es um Immobiliendarlehen für Wohnungen in Gebieten geht, die potenziell von Naturkatastrophen betroffen sein könnten.

Bundesbank veröffentlicht Teile des eigenen CO2-Fußabdrucks

Ein großes Problem für die EZB ist, dass es noch keine ausgereiften Modelle gibt, mit denen sich die Belastungen aus Klimarisiken genau kalkulieren lassen. So hatten 41 ausgewählte Banken zwar durchgerechnet, dass verschiedene Klimaszenarien bei ihnen wohl zu Marktpreis- und Kreditverlusten von 70 Milliarden Euro führen würden. Aus Sicht der EZB unterschätzt diese Summe den tatsächlichen Schadenumfang solcher Entwicklungen aber noch.

Die Bundesbank berichtete am Dienstag unterdessen über Fortschritte bei der Messung ihres eigenen CO2-Fußabdrucks. In ihrem ersten Klimabericht legte die deutsche Notenbank unter anderem Berechnungen zur Treibhausgasbilanz sowie andere Klimakennzahlen zu Teilen ihrer Investments vor, wie sie mitteilte. Sie untersuchte dabei ihre Eigenanlagen und nicht die Wertpapierkäufe, die geldpolitischen Zwecken dienen.

Das Portfolio, das Ende Dezember 2021 einen Marktwert von 10,4 Milliarden Euro hatte, besteht derzeit ausschließlich aus Pfandbriefen und pfandbriefähnlichen Wertpapieren. Über Covered Bonds leihen sich Banken günstig Geld von Investoren, da diese Wertpapiere zusätzlich mit Immobilienkrediten oder Staatsanleihen besichert sind, die diese Banken besitzen. Die Analyse der Bundesbank untersuchte allerdings nur die Emissionen der Banken, die die Covered Bonds ausgegeben haben.

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Die Treibhausgase, die durch die Immobilienkredite dieser Banken finanziert wurden, berechnete die Bundesbank nicht. Dafür lägen noch keine ausreichenden Daten vor, so die Notenbank. Der von der Bundesbank ermittelte CO2-Fußabdruck von 0,13 Tonnen CO2 pro eine Million Euro Investition dürfte auch nach Einschätzung der Notenbank selbst deutlich zu niedrig angesetzt sein.

Immerhin liegt der „grüne“ Anteil des Euro-Portfolios der Bundesbank, mit dem erneuerbare Energien oder energieeffiziente Gebäude finanziert werden, mit knapp zwei Prozent deutlich über den Werten der wichtigsten europäischen Geschäftsbanken, die auf 0,4 Prozent kommen. Der umweltschädigende „braune“ Anteil liegt bei der Bundesbank bei 0,1 Prozent, verglichen mit 0,8 Prozent bei den Geschäftsbanken.

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