Berkshire Hathaway: Warren Buffett reduziert Goldman-Sachs-Anteile deutlich
Der Investor hat nur sehr begrenzt Aktien hinzugekauft.
Foto: APDenver. Lange hat Warren Buffett darauf gewartet, dass die Aktienpreise fallen und er günstig zukaufen kann. Doch die Kursturbulenzen im März, bei denen Märkte um über 20 Prozent einbrachen, waren für den Star-Investor keine Kaufgelegenheit. Im Gegenteil.
Der Chef der Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway reduzierte im ersten Quartal überraschend deutlich sein Engagement bei der Investmentbank Goldman Sachs. So verkaufte Buffett 84 Prozent der Goldman-Aktien, wie am Freitag aus einer Pflichtmitteilung an die Börsenaufsicht hervor ging. Die verbleibenden 1,9 Millionen Papiere sind noch 330 Millionen Dollar wert. Bankaktien sind in der Coronakrise deutlich unter Druck geraten. Goldman verlor im ersten Quartal rund 15 Prozent und aufs Jahr gesehen liegt die Aktie gut 27 Prozent im Minus.
Auch stutzte Berkshire seinen Anteil an Amerikas größter Bank, JP Morgan Chase, um drei Prozent. Buffett ist seit Jahren eigentlich ein Fan von großen US-Banken. Auch an Bank of America und Wells Fargo ist er mit milliardenschweren Aktienpaketen beteiligt. Um regulatorischen Hürden aus dem Weg zu gehen strebt er jedoch meist an, seinen Anteil unter der Marke von zehn Prozent zu halten.
Bei der Hauptversammlung Anfang Mai hatte der Berkshire-Chef bereits mitgeteilt, dass er sich im April komplett von seinen Airline-Aktien getrennt hatte. Aus der Pflichtmitteilung geht jedoch hervor, dass Buffett im ersten Quartal noch Aktien von Delta und United dazugekauft hatte, bevor er sich komplett von den Papieren trennte. „Das war ein Fehler“, räumte er ein. Mit den Airline-Investments habe er ein bis zwei Milliarden Dollar Verluste gemacht, erklärte er seinen Aktionären.
Buffett war seit 2016 an den vier großen US-Fluggesellschaften beteiligt, doch angesichts der Coronakrise und den anhaltenden Folgen für die Branche wollte er dort einen klaren Schnitt machen.
Buffet entscheidet meist selbst
Zudem verkaufte Berkshire seine Aktien an dem Versicherer Travelers und am Öl-Konzern Philipps 66.
Buffett trifft große Investment-Entscheidungen selbst. Rund zehn Prozent des 250 Milliarden Dollar schweren Aktienportfolios werden jedoch von seinen beiden Investmentmanagern Ted Weschler und Todd Combs verwaltet. Einer der beiden war im vergangenen Jahr auch die treibende Kraft hinter einem Investment in den Online-Händler Amazon. Die Beteiligung wurde im ersten Quartal nur minimal, um 0,7 Prozent zurückgefahren.
Nur sehr begrenzt kaufte Buffett zu, obwohl die Cash-Reserven seines Konzerns im ersten Quartal auf den Rekordwert von 137 Milliarden Dollar geklettert sind. So erhöhte er seinen Anteil an der regionalen Bank PNC. Auch eigene Aktien kaufte er zurück, in Höhe von rund 1,7 Milliarden Dollar.
Buffett war im Mai durch seine ungewöhnlich pessimistische Einstellung aufgefallen. Langfristig gab er sich zwar zuversichtlich, dass Amerika die Coronakrise überstehen und zum Wachstum zurückkehren werde. Doch das könnte lange dauern. Die Pandemie sei „dramatisch“ und habe auch deutliche Folgen für die Psyche des Landes.