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BörsenAnleger warten bei Aktien ab und setzen auf andere Assetklasse

Viele Privatanleger haben den Kursrücksetzer vor zwei Wochen zum Einstieg genutzt. Nun warten sie auf die nächste Bewegung und suchen Chancen abseits des Aktienmarktes.Andreas Neuhaus 18.08.2025 - 14:55 Uhr Artikel anhören
Bulle und Bär als Symbole für steigende und fallende Kurse: Das Dax-Sentiment des Handelsblatts kann bei der Einschätzung der aktuellen Börsenlage helfen. Foto: Imago, Getty Images [M]

Düsseldorf. Der deutsche Aktienmarkt befindet sich im Wartemodus. Knapp unter seinem Rekordhoch bewegt sich der Leitindex Dax aktuell seitwärts.

Das spiegelt sich auch in der Stimmungslage der deutschen Anleger wider, wie die Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment zeigt. Deutlich optimistischer ist die Stimmung dagegen bei einer anderen Assetklasse.

Für das Dax-Sentiment werden jeden Freitagmorgen mehr als 9000 Privatanlegerinnen und -anleger nach ihrer aktuellen Markteinschätzung befragt. Die Antworten wertet Stephan Heibel, Geschäftsführer beim Analysehaus AnimusX, aus und ergänzt sie um weitere Indikatoren.

Das aktuelle Ergebnis zeigt, dass die Anlegerstimmung weiter moderat steigt. Der Einbruch vor zwei Wochen auf minus 3,6 Punkte hat sich damit bislang als guter Einstiegszeitpunkt erwiesen.

Mittlerweile hat sich die Anlegerstimmung auf plus 1,9 Punkte erholt (Vorwoche: 1,1 Punkte). Damit ist sie moderat positiv und immer noch deutlich entfernt von positiven Extremwerten, die bei plus vier Punkten starten und ein Warnsignal sein könnten.

Auch die Selbstzufriedenheit unter den Umfrageteilnehmern steigt – von plus 0,6 Punkten auf plus 1,7 Punkte. Für diesen Wert wird gefragt, ob sich die Erwartungen der vergangenen Woche erfüllt haben.

In der aktuellen Umfrage gaben 72 Prozent der Befragten an, dass sich ihre Erwartungen entweder vollständig oder zum größten Teil erfüllt hätten. „Damit signalisieren beide Gegenwartsindikatoren eine entspannt positive Grundhaltung der Anleger in Deutschland“, sagt Heibel.

Noch besser entwickelt sich die Zukunftserwartung. Um diese zu ermitteln, wird gefragt, in welcher Zyklusphase die Teilnehmer den Aktienmarkt in drei Monaten erwarten. Mit plus 1,6 Punkten erreicht die Zukunftserwartung den höchsten Stand seit November 2024.

Dieses Jahreshoch will Heibel aber nicht überbewerten: „Das erste Halbjahr 2025 war dominiert von einer extrem untypisch pessimistischen Erwartungshaltung, sodass der Anstieg eher als Normalisierung betrachtet werden muss.“

Obwohl sich die Zukunftserwartungen verbessert haben, ist die Investitionsbereitschaft gesunken. Sie gibt von plus 1,5 Punkten auf plus 0,4 Punkte nach.

Es besteht aktuell also kaum Kaufbereitschaft. In Kombination mit der steigenden Selbstzufriedenheit deutet das Heibels Einschätzung nach darauf hin, dass „viele Anleger den Rücksetzer am Aktienmarkt vor zwei Wochen wohl zum Einstieg genutzt haben“.

Parallel dazu bauen Privatanleger Absicherungspositionen auf. Das zeigen Daten der Börse Stuttgart.

Dort ist das Euwax-Sentiment auf minus 35 Punkte gefallen. Ist der Wert positiv, setzt die Mehrheit der Anleger auf einen steigenden Markt. Ein negativer Wert bedeutet hingegen, dass Anleger eher von fallenden Kursen ausgehen.

Nächster Trend muss sich noch bilden

Auch institutionelle Investoren sichern sich ab, wie Daten der europäischen Terminbörse Eurex zeigen. Allerdings sind die Absicherungen moderat. „Institutionelle Anleger sehen offensichtlich derzeit keinen besonderen Absicherungsbedarf gegen fallende Kurse.“

Insgesamt ergibt sich dadurch ein neutrales Stimmungsbild – also keine Schieflage, auf die Anleger reagieren müssten, erklärt Heibel: „Die Sentimentverfassung ist eher abwartend, und Anleger sind in der Lage, auf eventuelle Überraschungen entsprechend zu reagieren.“ Der nächste Trend am Aktienmarkt muss sich also erst noch bilden.

Anders sieht es bei einer anderen Assetklasse aus: Gold. In einer separaten Umfrage ermittelt AnimusX auch für das Edelmetall ein Stimmungsbild – und hier sind Anleger derzeit extrem optimistisch.

Stimmung bei Gold so gut wie selten

„Insbesondere institutionelle Anleger sind extrem bullish gestimmt. So bullish wie erst sechsmal in den vergangenen 20 Jahren“, berichtet Heibel. Fünfmal davon stand der Goldpreis sechs Monate nach solchen Extremwerten höher, im Durchschnitt um fast elf Prozent. Nur einmal folgten niedrigere Kurse, mit minus zwei Prozent war der Rücksetzer aber moderat.

Seit 2014 analysiert Stephan Heibel die Handelsblatt-Umfrage. Foto: Matthias Martin, Berlin

„Weder in den USA noch in Europa sind nennenswerte Anstrengungen zu erkennen, die hohe Staatsverschuldung in den Griff zu bekommen. Gold sowie auch der Bitcoin, der auch nah an seinen Allzeithochs notiert, profitieren von einer hohen Verschuldung der Staatskasse“, erklärt Heibel.

Allerdings seien beide Vermögenswerte bereits stark angestiegen und hätten damit einen großen Teil der Auswirkungen der hohen Staatsverschuldung bereits vorweggenommen. Heibels Empfehlung lautet daher: „Wer noch nicht in Gold investiert ist, für den ist es noch nicht zu spät, eine vorsichtige erste Position einzugehen.“ Wer schon investiert sei, könne das bleiben, sollte aber ein Auge auf die Politik haben.

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Über den Sentimentexperten
Seit 1988 verfolgt Stephan Heibel die Börsen der USA und Europas. Seit 2014 wertet er wöchentlich die Sentimentumfrage unter den Handelsblatt-Lesern aus, analysiert die Daten, interpretiert die Ergebnisse und gibt Einschätzungen zu Entwicklungen am Aktienmarkt. Zudem schreibt er wöchentlich im Börsenbrief Heibel-Ticker für mehr als 25.000 Leser über Hintergründe zum Aktienmarkt und Ursachen für Kursbewegungen von Aktien. Privatanleger nutzen seine Einschätzungen und Investmentideen zur selbstständigen Portfoliooptimierung.

Sie wollen an der Umfrage teilnehmen? Dann lassen Sie sich automatisch über den Start der Sentimentumfrage informieren und melden Sie sich für den Dax-Sentiment-Newsletter an. Die Umfrage startet jeden Freitagmorgen und endet Sonntagmittag.

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