Dax: Nach Kurseinbruch sendet die Anlegerstimmung ein Kaufsignal
Düsseldorf. Der deutsche Aktienmarkt hat die vergangene Woche mit einem deutlichen Minus abgeschlossen. Der Leitindex Dax verlor 3,3 Prozent an Wert. Doch das könnte ein Einstiegssignal sein, zeigt das Ergebnis der Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment. Tatsächlich erholt sich der Markt am Montag.
Allein am Freitag verlor der Dax 2,6 Prozent. Stephan Heibel, Geschäftsführer des Analysehauses AnimusX, erklärt dazu: „Eine Vielzahl von Sorgen, die in den vorangegangenen Tagen zwar schon auftauchten, doch nicht wirklich zu fallenden Kursen führten, lösten am Freitag einen heftigen Ausverkauf aus.“
Auf enttäuschende Unternehmenszahlen – die Aktie von Daimler Truck brach deshalb am Freitag knapp neun Prozent ein – folgte ein schwacher US-Arbeitsmarktbericht, wonach US-Präsident Donald Trump die Leiterin der zuständigen Behörde entließ.
Trump befindet sich zudem im Streit mit Jerome Powell, dem Chef der US-Notenbank Fed, und schürt damit Sorgen um deren Unabhängigkeit. Am Freitag kündigte Fed-Gouverneurin Adriana Kugler ihren Rücktritt an, sodass Trump früher als gedacht einen Fed-Gouverneur bestimmen kann, der im Mai Powells Nachfolger werden könnte.
Zudem kündigte Trump an, er lasse Atom-U-Boote Richtung Russland verlegen. Der unabhängige Finanzanalyst Ed Yardeni sprach daher von einem „Freaky Friday“.
Stimmung nähert sich dem Panik-Level
Diese Gemengelage ließ die Stimmung unter den deutschen Privatanlegerinnen und -anlegern einbrechen: Nach plus 0,4 Punkten in der Vorwoche sackte sie auf minus 3,6 Punkte ab.
Ab minus 4,0 Punkte beginnt der extrem negative Bereich. „Damit notiert das Sentiment nah an Extremwerten, die Angst und Panik symbolisieren“, sagt Heibel.
Für das Dax-Sentiment befragt das Handelsblatt jeden Freitagmorgen gut 9000 Privatanlegerinnen und -anleger nach ihrer aktuellen Markteinschätzung. Die Antworten wertet Heibel aus und ergänzt sie um weitere Indikatoren.
Das aktuelle Ergebnis zeigt nicht nur, dass sich die Stimmung dem Level von Angst und Panik nähert, sondern auch dass die Verunsicherung steigt. Dafür werden die Umfrageteilnehmer befragt, ob sich ihre Erwartungen in der Vorwoche erfüllt haben.
Verunsicherung unter Anlegern wächst
Die Kursentwicklung der vergangenen Woche überraschte demnach einen Teil der Befragten, sodass das Ergebnis nicht mehr mit plus 0,7 Punkten Selbstzufriedenheit unter den Teilnehmern anzeigt, sondern mit minus 1,3 Punkten Verunsicherung.
Diese Verunsicherung sorgt auch dafür, dass sich die Zukunftsaussichten eintrüben. Das ist nach deutlichen Kursverlusten ungewöhnlich, erklärt Heibel: „Mit den fallenden Kursen geht normalerweise eine steigende Zukunftserwartung einher, da Anleger niedrigere Kurse als ‚günstiger‘ wahrnehmen.“
Dieses Mal sinkt die Zukunftserwartung aber. Trotz des günstigeren Kursniveaus fällt sie von 1,6 Punkten in der Vorwoche auf 0,9 Punkte. „Ein solches Verhalten deutet auf eine Kapitulation der Anleger hin“, sagt Heibel. Pessimistische Anleger würden versuchen, in die fallenden Kurse hinein zu verkaufen, um ihre zuvor angelaufenen Gewinne zu sichern.
Das führt auch zu einer geringen Investitionsbereitschaft. Sie steigt nur minimal von plus 0,1 auf plus 0,2 Punkte.
Heibel weist zudem auf eine Entwicklung in einer separaten Umfrage von AnimusX unter seinen Kunden hin. Dort wurden die Teilnehmer unter anderem gefragt: Wie verhalten Sie sich in den kommenden zwei Wochen: Kaufen/Verkaufen/Halten? „Diese Woche messen wir den niedrigsten Wert aller Zeiten in unserer schon seit 2003 laufenden wöchentlichen Umfrage“, berichtet Heibel.
Ähnlich niedrige Ergebnisse gab es zuvor in diesem Bereich lediglich fünfmal: 2003, 2006, 2007, 2013 und 2018. In den jeweils folgenden sechs Monaten stieg der Dax im Schnitt um knapp zwölf Prozent – also stärker als sonst in einem vollständigen Dax-Jahr.
Zwei Einschränkungen für Käufer
Damit sind die von AnimusX ermittelten Dax-Absichten ein ähnlicher Kontraindikator wie die Anlegerstimmung: Sind die Werte extrem schlecht, haben viele Anleger wahrscheinlich bereits verkauft. Dementsprechend wenige Verkäufe bleiben übrig. Es reichen dann wenige Käufer, um die Kurse wieder nach oben zu bewegen.
„Wir können also der Sentimentanalyse ein deutliches Kaufsignal entnehmen“, resümiert Heibel. Allerdings sieht er zwei Einschränkungen.
„Wir wissen nicht, wann genau zwischen heute und in fünf Wochen der Tiefpunkt dieser Korrektur erreicht sein wird, geschweige denn wo“, sagt Heibel. Außerdem liege die Trefferquote bei den Dax-Absichten lediglich bei eins zu vier. Der Dax stieg also nur in vier von fünf Fällen mit ähnlich niedrigen Werten. Im fünften Fall stand er sechs Monate später knapp zwei Prozent tiefer.
Heibels Fazit lautet daher: „Das spricht für erste Käufe, allerdings sollten Anleger noch etwas Pulver trocken halten, falls sich die Korrektur hinziehen sollte.“
Ein deutliches Kaufsignal liefert das Dax-Sentiment auch für den Bitcoin. Die Kryptowährung liegt aktuell rund sieben Prozent unter ihrem Mitte Juli erreichten Rekordniveau.
Trotzdem sehen die Umfrageteilnehmer die Zukunft des Bitcoins extrem optimistisch. Nur dreimal – in Dezember 2023, März 2024 und Dezember 2024 – war die Stimmung besser als jetzt. Es folgte jeweils ein durchschnittlicher Anstieg um gut elf Prozent in sechs Monaten.
Sie wollen an der Umfrage teilnehmen? Dann lassen Sie sich automatisch über den Start der Sentimentumfrage informieren und melden Sie sich für den Dax-Sentiment-Newsletter an. Die Umfrage startet jeden Freitagmorgen und endet Sonntagmittag.