Bridgewater: Ray Dalio setzt drei Milliarden Euro auf fallende Dax-Kurse – SAP-Aktie im Fokus
Bereits vor zwei Jahren hatte der Hedgefonds-Gründer massiv auf fallende Kurse bei europäischen Aktien gesetzt.
Foto: ReutersDüsseldorf. Ray Dalio, Gründer des weltweit größten Hedgefonds Bridgewater, kritisierte am Montag die US-Notenbank Fed: Dass diese am Wochenende die Zinsen auf fast null Prozent abgesenkt habe, würde die Märkte in eine noch prekärere Lage bringen. „Wenn langfristige Zinssätze die harte Untergrenze von null Prozent erreichen, bedeutet dies, dass praktisch alle Anlageklassen sinken, da die positiven Auswirkungen sinkender Zinssätze nicht existieren“, erklärte Dalio.
Allerdings dürfte sein Fonds von dieser Entscheidung der US-Notenbank deutlich profitieren: Seit dem 12. März dieses Jahres setzt Bridgewater massiv auf fallende Kurse von europäischen Aktien. Insgesamt beträgt die Summe nach Berechnungen des Wirtschaftsdienstes Bloomberg umgerechnet 14 Milliarden Euro.
Allein im deutschen Leitindex Dax ist der Fonds bei acht von 30 Konzernen Leerverkaufspositionen eingegangen, mit denen er auf niedrigere Notierungen spekuliert. Insgesamt wettet er derzeit mit rund drei Milliarden Euro auf fallende Kurse bei diesen deutschen Wertpapieren.
Dabei hat Bridgewater nicht wie andere Hedgefonds auf die „üblichen Verdächtigen“ aus dem deutschen Leitindex gesetzt. Denn im Trend liegen beispielsweise Spekulationen auf fallende Kurse bei der Deutschen Lufthansa, Deutschen Bank und Wirecard. Die spielen aber beim Fonds von Dalio gar keine Rolle.
Denn die größte Leerverkaufsposition aller Dax-Werte ist der weltgrößte Hedgefonds bei SAP mit 864 Millionen Euro eingegangen. Dahinter liegen Allianz (492 Millionen Euro) und Siemens (463 Millionen Euro). Die restlichen fünf Short-Spekulationen auf Daimler, Deutsche Börse, Deutsche Post, Deutsche Telekom und Fresenius sind vergleichsweise klein und liegen zwischen 310 und 106 Millionen Euro.
Solche eine Spekulation ist nichts neues für Bridgewater: Bereits vor zwei Jahren hatte der Fonds massiv auf fallende Kurse bei europäischen Aktien gesetzt. In der Spitze betrug die Summe, mit der allein auf schwächere Notierungen bei mehreren Dax30-Werte gesetzt wurde, 5,5 Milliarden Euro.
Dieses Verhalten von Hedgefonds kann aber auch andere Gründe haben. Sie können sich auf diese Weise auch absichern, um das Risiko von Verlusten zu verringern. Auf diese Art würde Bridgewater bereits profitieren, wenn sich US-Titel im Vergleich zu deutschen Aktien besser entwickeln – auch wenn beide Segmente fallen sollten.
Laut einem Sprecher von Bridgewater solle man aus einzelnen Positionen nicht auf die Gesamtstrategie des Fonds schließen.
Was sind Leerverkäufe?
Bei Leerverkäufen leihen sich die Investoren Aktien von Unternehmen, bei denen sie mit Kursverlusten rechnen. Diese Papiere verkaufen sie und hoffen darauf, dass die Notierungen fallen. Dann können sie die Aktien später günstiger zurückkaufen und an den Verleiher zurückgeben.
Wie groß die Positionen auf deutsche Aktien sind, zeigt eine Übersicht der entsprechenden Handelsblatt-Datenbank. Die Onlineanwendung zeigt alle Leerverkäufe von Investoren („Positionsinhaber“), die mehr als 0,5 Prozent der frei handelbaren Aktien eines Unternehmens („Aktiengesellschaft“) ausmachen und im „Bundesanzeiger“ veröffentlicht werden. Dieser dient den deutschen Behörden neben dem Bundesgesetzblatt als Veröffentlichungsorgan für wichtige Bekanntmachungen.