Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Dax-Sentiment Anleger sollten steigenden Kursen nicht hinterherlaufen

Die Kursgewinne am deutschen Aktienmarkt hellen die Stimmung der Investoren deutlich auf. Doch viele haben offenbar einen Einstieg verpasst.
14.04.2020 - 17:38 Uhr 2 Kommentare
Privatanleger glauben nicht an eine nachhaltige Erholung an den Aktienmärkten. Die Institutionellen sind schon mutiger. Quelle: Reuters
Dax am Dienstag

Privatanleger glauben nicht an eine nachhaltige Erholung an den Aktienmärkten. Die Institutionellen sind schon mutiger.

(Foto: Reuters)

Düsseldorf Die steigenden Kurse an den Aktienmärkten wirken sich auch auf die Stimmung der Anleger aus: Sie sehen die aktuelle Lage deutlich entspannter als in den vergangenen Wochen. Das zeigt die Auswertung der aktuellen Handelsblattumfrage Dax-Sentiment, bei der wöchentlich mehr als 3500 Anleger befragt werden.

Doch trotz der Kursgewinne und der entspannteren Stimmung bleibt Sentimentexperte Stephan Heibel bei seiner Einschätzung. „In steigende Kurse hinein sollten Anleger weiterhin Positionen verkaufen, die sie nicht in einer erneuten Ausverkaufswelle behalten würden“, meint er.

Investoren sollten auch den höheren Kursen nicht hinterherlaufen, denn die aktuellen Notierungen würden sehr viel Hoffnung widerspiegeln – nach seiner Ansicht zu viel Hoffnung. Die neuen Unternehmenszahlen in den kommenden Tagen und Wochen dürften für realistischere Bewertungen sorgen.

Seit Wochen warnt Heibel vor einem erneuten Rückschlag, einer zweiten Ausverkaufswelle. Denn laut Sentimenttheorie ist für einen Boden, von dem aus die Kurse wieder steigen können, panisches Verkaufsverhalten notwendig.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Parallel dazu muss die Zukunftserwartung einbrechen, der Optimismus der Anleger sich in Pessimismus umwandeln. „Das war bislang noch nicht zu beobachten, und daher kann es jederzeit nochmals eine Ausverkaufswelle geben, die den Dax wieder zu den Tiefs Ende März führt“, gibt der Geschäftsführer des Analysehauses AnimusX zu bedenken. Zur Erinnerung: Am 16. März war der Dax bis auf 8255 Punkte abgerutscht.

    Grafik

    Doch bereits jetzt schwindet der Zukunftsoptimismus deutlich, gegenläufig zu den steigenden Kursen. Das könnte nach Ansicht von Heibel ein zweites Szenario an den Märkten ermöglichen.

    Denn steigen die Kurse schneller, als viele Anleger neue Positionen eingehen können, werden die Kursanstiege als nicht nachhaltig betrachtet. Investoren glauben dann an eine technische Rally, eine Zwischenerholung im intakten Abwärtstrend. Ihr Glaube an wieder steigende Kurse fällt weiter, bis die Pessimisten die Oberhand gewinnen.

    In diesem Szenario käme es ebenfalls zu einer zweiten Ausverkaufswelle. „Doch ist es nicht mehr unbedingt erforderlich, dass der Dax auf die Tiefs von Ende März nochmals abrutscht“, erläutert Heibel.


    In welcher Zyklusphase befinden sich die Märkte Ihrer Meinung nach aktuell?
    Angaben in Prozent


    Pessimisten könnten in diesem Fall schon auf einem deutlich höheren Kursniveau die Oberhand gewinnen, sodass eine weitere Voraussetzung für nachhaltig steigende Kurse gegeben wäre. Warum ist Pessimismus so wichtig? Jede nachhaltige Rally braucht Pessimismus, weil dann erst wenige Anleger gekauft haben und noch viel Kapital eingesetzt werden kann. Eine Rally läuft in der Regel an einer Mauer der Zweifel entlang, heißt eine Börsenweisheit, die auch wichtiger Bestandteil der Sentimentanalyse ist.

    Das Dax-Plus in Höhe von elf Prozent in der vergangenen Handelswoche hat die Stimmung unter den Anlegern sprunghaft aufgehellt. Das zeigt die aktuelle Auswertung. Nach der Weltuntergangsstimmung der vergangenen Wochen erreicht das Sentiment aktuell einen Wert von nur noch minus 0,5, ist also fast schon neutral.

    Dabei hat der deutsche Leitindex seit Jahresanfang rund 20 Prozent an Wert verloren. Doch das ist nicht mehr der Maßstab. Anleger richten ihren Blick nach vorn, auf schrittweise Aufhebung der Quarantänemaßnahmen.


    Haben sich Ihre Erwartungen zum Dax in der vergangenen Woche erfüllt?
    Angaben in Prozent


    Doch die Umfrageteilnehmer bleiben verunsichert. Der Wert von minus 2,8 bei der Frage, ob sich die Erwartungen an die vergangene Handelswoche erfüllt haben, blieb trotz deutlicher Dax-Gewinne unverändert. Üblicherweise steigt dieser Wert – und damit die Selbstzufriedenheit der Anleger – parallel mit höheren Aktienkursen an.

    „Anleger haben offenbar die Erholung im Dax verpasst“, schlussfolgert der AnimusX-Geschäftsführer. Selbst diejenigen, die frühzeitig ausgestiegen waren, seien nicht wieder eingestiegen und müssen nun den höheren Kursen hinterherblicken.

    Die Zukunftserwartung notiert mit einem Wert von 1,0 auf dem niedrigsten Niveau seit Ausbruch der Coronakrise. Der Optimismus der vergangenen Wochen, als Anleger den Crash noch als günstige Kaufchance betrachteten, schwindet. Es kommen Sorgen auf, ob denn ein Neustart unserer Wirtschaft wirklich so reibungslos gelingen kann.

    Und diese Sorgen halten Anleger auch davon ab, in den kommenden zwei Wochen neue Positionen eingehen zu wollen. Die Investitionsbereitschaft ist auf 1,7 gesunken und somit ebenfalls auf dem niedrigsten Niveau seit Ausbruch der Coronakrise.


    Welche Zyklusphase erwarten Sie in drei Monaten?
    Angaben in Prozent


    Institutionelle Investoren und Privatanleger zeigen ein gegensätzliches Bild. Die Anlegerprofis, die an der Frankfurter Terminbörse Eurex handeln, sind vergleichsweise mutig. Sie haben in der Rally der vergangenen Woche ihre Absicherungen gegen fallende Kurse verkauft und spekulieren eher auf weiter steigende Notierungen.

    Die Privatanleger hingegen glauben nicht an eine nachhaltige Erholung an den Aktienmärkten und sichern sich mit Put-Scheinen gegen eine erneute Ausverkaufswelle ab.

    In den USA wurden ebenfalls die Absicherungspositionen teilweise aufgelöst, doch netto ist man dort noch von Long-Spekulationen weit entfernt. Bei den US-Fondsmanagern liegt die Investitionsquote weiterhin bei vergleichsweise niedrigeren 24 Prozent.


    Werden Sie in den nächsten beiden Wochen handeln?
    Angaben in Prozent


    Die US-Privatanleger erwarten fallende Kurse: Das Bulle/Bär-Verhältnis notiert bei minus 15 und zeigt eine deutlich „bärische“ Stimmung an.

    Der anhand technischer Marktdaten berechnete „Angst-und-Gier-Indikator“ der US-Aktienmärkte signalisiert mit einem Wert von 33 Prozent nur noch moderate Angst. Nach den extremen Ausschlägen in den vergangenen Wochen, in denen der Wert nur knapp über null lag, ist die aktuelle Situation schon fast als neutral zu bezeichnen. Kurzfristigere technische Indikatoren lassen für den US-Aktienmarkt eine bevorstehende Kurskorrektur erwarten.

    Mehr: Übertrieben günstig: Diese 18 Aktien sehen Analysten jetzt als Schnäppchen

    Startseite
    Mehr zu: Dax-Sentiment - Anleger sollten steigenden Kursen nicht hinterherlaufen
    2 Kommentare zu "Dax-Sentiment: Anleger sollten steigenden Kursen nicht hinterherlaufen"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • So ein Quatsch! Wer glaubt, dass durch die ca. 8 Billionen USD, die weltweit in die Märkte gepumpt werden, dort nicht ankommen, hat das Spiel leider nicht verstanden! Real Wirtschaft und Börse sind völlig entkoppelt!

    • Den Kleinanlegern steckt immer der Schreck der Finanzkrise von 2008/2009 in den Knochen. Falsch beraten und somit verkauft haben viele kleine Anleger einen Großteil ihrer Vermögen an raffgierige Banker und andere Finanzinstitute (Lehmann Brother Zertifikate) verloren. Diese ehemals 30% des gesamten Aktienbestands werden so schnell nicht wieder einsteigen. Das was wir momentan beobachten sind wilde Ausschläge, die durch "Daytrader" und/oder institutionelle Anlager verursacht werden, aber mitnichten um eine Euphorie bedingt durch super-tolle Unternehmensergebnisse. Gehen sie mal von mindestens 25-30% Umsatzausfall bei den DAX und MDAX Unternehmen für 2020 aus. Dieses Jahr ist gelaufen. Die Geschäfte können so schnell nicht nachgeholt werden. Der Weg weist nach unten ...
      ... und dazu braucht man kein Prophet sein ...

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%