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Dax-SentimentAusverkauf der Lieblingsaktien sorgt für extrem schlechte Stimmung unter den Anlegern

Kaum ein Privatanleger ist aktuell bereit, Aktien zu kaufen oder zu verkaufen. Was dieses Verhalten für die kommenden Handelstage bedeuten dürfte.Jürgen Röder 19.04.2022 - 16:01 Uhr Artikel anhören

Eine von hoher Unsicherheit geprägte Marktphase.

Foto: dpa

Düsseldorf. Der Boden für eine Erholung an den Aktienmärkten ist bereitet. Das lässt sich aus den aktuellen Daten der Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment und weiterer Indikatoren ableiten.

Zwar könnten extrem negative Meldungen wie beispielsweise eine Eskalation im Ukrainekrieg für einen Ausverkauf sorgen, doch der dürfte nach Meinung des Sentimentexperten Stephan Heibel „nur von kurzer Dauer sein“. Nach Auswertung der Handelsblatt-Erhebung steht für ihn fest: „Positive Entwicklungen oder allein schon das Ausbleiben weiterer Negativmeldungen könnten für steigende Kurse sorgen.“

Zwar ist die Stimmung unter den Anlegerinnen und Anlegern schlecht, doch das ist laut der Sentimentanalyse ein Kontraindikator, weil dann viele ihre Aktien schon verkauft haben. Aktuell notiert das Anlegersentiment mit einem Wert von minus 3,6 kurz vor der Marke, die extreme Niedergeschlagenheit anzeigt.

Der Grund für die schlechte Stimmung ist, dass die Lieblingsaktien vieler Privatanleger in der vergangenen Woche ausverkauft wurden. Technologietitel rutschten um vier Prozent ab, Gesundheitspapiere gaben 3,6 Prozent ab. Angeführt wurde der Ausverkauf von den ehemaligen Coronagewinner-Papieren wie Delivery Hero mit minus zwölf Prozent und Cancom aus dem IT-Bereich mit minus elf Prozent.

Bereits vor einer Woche hatte der Sentimentexperte Heibel genau vor dieser Entwicklung gewarnt: „Wachstumswerte haben weiteres Abwärtspotenzial“, sagte der Geschäftsführer des Analysehauses AnimusX.

Im selben Zeitraum legten der Rohstoffsektor mit einem Plus von 2,9 Prozent und der Logistikbereich mit einem Wertzuwachs von 1,7 Prozent deutlich zu. Auffällig war die Entwicklung des Bergbau- und Düngemittelkonzerns K+S mit plus acht Prozent und des Flughafenbetreibers Fraport mit einem Gewinn von sieben Prozent.

Fraport war ein Coronaverlierer-Papier, das noch immer auf einem günstigen Bewertungsniveau notiert: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis für 2023 liegt bei 13 bei einem erwarteten Umsatzwachstum von 15 Prozent und einem überproportionalen Gewinnwachstum von 30 Prozent. K+S hat seit Kriegsausbruch um 75 Prozent zugelegt. Auf den zu erwartenden Ernteausfall aus der Ukraine und Russland wird frühzeitig durch den Einsatz des Düngemittels Kali reagiert, das K+S verkauft.

„Doch kaum ein Privatanleger ist in Fraport oder K+S investiert, solche Titel galten bis vor Kurzem als langweilig“, erläutert Heibel. Dafür wurden lieber die ehemaligen Highflyer Zalando, Hellofresh und Delivery Hero gekauft. Deren Kurssturz belastet nun die Laune der Anleger.

Zudem sind Anleger extrem verunsichert. Es hat den Anschein, dass es keine Hoffnung mehr gibt. Kaum ein Anleger ist bereit zu kaufen. Gleichzeitig gibt es aber auch kaum noch Verkäufer, wie das geringe Handelsvolumen zeigt: In der vergangenen Handelswoche wurden täglich im Schnitt rund 53 Millionen Papiere gehandelt. In den vergangenen drei Monaten lag dieser Wert bei über 100 Millionen Stück pro Tag.

Das deutet darauf hin, dass der Markt seinen Boden erreicht hat. „Laut Sentimentanalyse sind negative Entwicklungen weitgehend im aktuellen Kursniveau berücksichtigt“, erläutert Heibel. Entwicklungen wie eine drohende Großoffensive Russlands im Osten der Ukraine und der Lockdown in China sind keine Überraschung mehr. Inzwischen haben die meisten Anleger ihr Portfolio bis zu einem gewissen Grad diesen Tendenzen angepasst.

Aktuelle Umfragedaten

Neben der bereits erwähnten schlechten Gesamtstimmung zeigen auch die einzelnen Indikatoren die unverändert hohe Verunsicherung an. So ist die Selbstgefälligkeit, die misst, wie zufrieden die Anleger mit ihren Entscheidungen sind, die dritte Woche in Folge gefallen auf nun minus 2,5. Für fast jeden zweiten Umfrageteilnehmer hat sich in der vergangenen Woche die Erwartung gar nicht oder nur kaum erfüllt.

Seit nunmehr drei Wochen notiert auch der Zukunftsoptimismus, der Maßstab für die Erwartungshaltung der Anleger, im Minus. Vor dem Ukrainekrieg gab es in den vergangenen elf Monaten nur eine Woche, in der dieser Sentimentindikator ebenfalls negativ war. Das war Ende November, kurz bevor Omikron zu weiteren Coronamaßnahmen führte und das vorläufige Ende der Hausse einläutete.

Diesem Pessimismus entsprechend ist die Investitionsbereitschaft mit einem Wert von 0,6 ebenfalls gering.

Das Euwax-Sentiment der Börse Stuttgart, an der Privatanleger handeln, hat sich leicht erholt und liegt nach minus 7,5 Prozent nur noch bei minus fünf Prozent. Minuswerte zeigen einen Überhang an Put- gegenüber Call-Produkten auf den Dax in den Depots der Privatanleger an und umgekehrt. Dieser Rückgang bedeutet, dass sich die Privatanleger nur noch in einem geringen Maß mit Put-Produkten gegen fallende Kurse absichern.

Das Put/Call-Verhältnis der Frankfurter Terminbörse Eurex, das die Absicherungsneigung der institutionellen Anleger abbildet, zeigt mit einem Wert von 1,6 ebenfalls eine moderate, aber nicht mehr extreme Absicherungsneigung an. Gleiches gilt für das Put/Call-Verhältnis der Chicagoer Terminbörse CBOE, wo der Wert von 0,92 der durchschnittlichen Absicherungsneigung der vergangenen fünf Jahre entspricht.

Investitionsquote in den USA steigt wieder

US-Fondsanleger haben ihre Investitionsquote auf 83 Prozent hochgeschraubt. Seit Kriegsausbruch Ende Februar, als diese Quote auf historisch niedrige 30 Prozent gefallen war, steigt sie kontinuierlich an und befindet sich nun wieder im normalen Bereich. Das Bulle/Bär-Verhältnis der US-Privatanleger zeigt mit minus 16 Prozent einen moderaten Überhang der Bären an, die fallende Kurse erwarten.

Historisch wird es, wenn die Erhebung detailliert betrachtet wird. Nur noch 15,8 Prozent der befragten Privatanleger sind bullisch, glauben also an steigende Kurse. Das ist der niedrigste Bullenwert seit 1994. Damals folgten viele gute Börsenjahre. Anlass war die damalige Theorie, Konjunkturwachstum könne auch ohne zwischenzeitliche Rezessionen erfolgen. Bis zur Jahrtausendwende stiegen die Aktienkurse deutlich, als die sogenannte Internetblase platzte und für eine mehrjährige Baisse sorgte.

Der anhand technischer Daten berechnete „Angst-und-Gier-Indikator“ der US-Märkte notiert weiterhin mit einem Wert von 43 Prozent im neutralen Bereich. Auch andere kurzfristige technische Indikatoren zeigen trotz der fallenden Kurse in der vergangenen Woche noch keinen Extremwert an.

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Hinter Erhebungen wie dem Dax-Sentiment mit knapp 7000 Teilnehmern stehen zwei Annahmen: Wenn viele Anlegerinnen und Anleger optimistisch sind, haben sie bereits investiert. Dann bleiben nur wenige übrig, die noch kaufen und damit die Kurse in die Höhe treiben könnten. Umgekehrt gilt: Wenn die Anlegerinnen und Anleger pessimistisch sind, haben sie mehrheitlich nicht investiert. Dann können nur noch wenige verkaufen und damit die Kurse drücken.

Sie wollen an der Umfrage teilnehmen? Dann lassen Sie sich automatisch über den Start der Sentimentumfrage informieren und melden Sie sich für den Dax-Sentiment-Newsletter an. Die Umfrage startet jeden Freitagmorgen und endet Sonntagmittag.

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