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Dax-Sentiment Die Warnsignale für ein Ende der Dax-Rally mehren sich

Der Dax erreicht ein Rekordhoch nach dem anderen. Doch die Reaktionen der Anleger werden langsam zur Belastung für das deutsche Börsenbarometer.
17.02.2020 - 14:46 Uhr Kommentieren
Ein kleiner Plastikbär, Symbol für den Abschwung an den Börsen, steht in der Frankfurter Börse vor der Dax-Kurve. Quelle: dpa
Börse Frankfurt

Ein kleiner Plastikbär, Symbol für den Abschwung an den Börsen, steht in der Frankfurter Börse vor der Dax-Kurve.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Dreimal hat der Dax in der vergangenen Woche ein neues Rekordhoch erreicht, am heutigen Montag kam mit 13.795 Punkten ein neuer Rekordstand hinzu.

Doch bald dürfte laut Sentimentanalyse das Ende erreicht sein. „Ich bleibe bei meiner Interpretation von voriger Woche: Für eine Fortsetzung der Rally braucht es inzwischen schon positive Ereignisse“, meint Stephan Heibel, Inhaber des Analysehauses Animusx, nach der Auswertung der Handelsblattumfrage Dax-Sentiment. Dabei werden wöchentlich mehr als 3500 Anleger zur Lage an den Märkten befragt.

Das Ergebnis: Es herrscht euphorische Stimmung, was als Kontraindikator gilt. Zudem herrscht weniger Nachfrage nach Aktien und der Optimismus schwindet. „Die Euphorie allein reicht nicht aus, um das Ende der Rally auszurufen“, meint der Sentimentexperte. „Doch die schwindende Zuversicht und die fehlende Investitionsbereitschaft dürften in den kommenden Tagen schwer auf den Aktienmärkten lasten, sofern nicht – wie in der vergangenen Woche – positive Ereignisse für einen weiteren Kursschub sorgen.“

Diese Woche ist die mit den meisten Quartalsberichten: So legen unter anderem die Deutsche Börse, Heidelberg-Cement, Deutsche Telekom, Covestro, MTU, Fresenius, Fresenius Medical Care und die Allianz neue Zahlen vor. Heibel rechnet überwiegend mit positiven Geschäftszahlen. In den USA hingegen flaut die Berichtsflut schon ein wenig ab.

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    Heibels Rat: „Allein aufgrund der Stimmungslage empfehle ich nicht, Aktien zu verkaufen.“  Vielmehr sollten Anleger weiterhin Gewinne in vereinzelten Positionen mit (imaginären) Stop-Loss-Marken absichern und je nach Aktienkursentwicklung nachziehen, um Gewinne laufen zu lassen. Im Falle eines deutlichen Rückschlags sollten Investoren schnell austeigen.

    Grafik

    Er hält die laufende Rally für gesund, weil das Dax-Allzeithoch von einer großen Zahl von Aktien unterstützt wurde. Zehn Aktien haben während der Dax-Rekordjagd in den vergangenen Tagen neue Zwölf-Monats-Hoch markiert: RWE, Merck, Eon, Münchner  Rück, Allianz, Infineon, Deutsche Bank, SAP, Vonovia, und sogar die Deutsche Bank.

    Damit stehe die Rally auf breiten Schultern und ist gesund. Wenngleich die Stimmung nicht mehr viel nach oben erwarten lässt, dürfte ein Rückschlag jedoch begrenzt bleiben. „Wir laufen hier nicht auf einen Bärenmarkt zu, sondern auf eine Korrektur, die uns Einstiegspreise liefern wird“, meint der Animusx-Geschäftsführer.

    Um 1,7 Prozent ist der Dax in der vergangenen Woche gestiegen, vor allem inländische Investoren haben gekauft. Ausländer haben sich zurück gehalten, ablesbar am schwächeren Wechselkurs des Euros gegenüber dem US-Dollar mit einem Minus von einem Prozent.

    Analog zu den Kursgewinnen ist die Stimmung unter den inländischen Anlegern laut der Handelsblattumfrage auf Euphorie gesprungen: Der Wert von 4,4 wurde zuletzt zum Jahresbeginn erreicht, als es einen fulminanten Börsenstart gab.

    Zur Erläuterung: Aufgrund von Euphorie fallen die Kurse an der Börse nicht automatisch, solch eine Stimmung kann über eine längere Zeit anhalten. Anders als absolute Niedergeschlagenheit, die in der Regel einen Boden und somit das Ende einer Korrektur ankündigt.


    In welcher Zyklusphase befinden sich die Märkte Ihrer Meinung nach aktuell?
    Angaben in Prozent


    Auch der Blick auf die Entwicklung Fünf-Wochen-Durchschnitts (siehe Grafik) zeigt: Die euphorische Stimmung hat noch lange keinen Extremwert erreicht.

    Doch nicht nur die Stimmung, sondern auch die Selbstgefälligkeit der Anleger ist mit einem Wert von 2,8 sehr hoch. „Dieser hohe Wert zeigt mir, dass Anleger offensichtlich richtig positioniert waren, als der Dax neue Allzeithochs erreicht hat“, erläutert Heibel.

    Und mit den steigenden Kursen sinkt die Zuversicht: Für den Dax in drei Monaten sehen Anleger nun zunehmend schwarz. Der Wert von minus 1,1 zeigt das Übergewicht der Bären, so hoch war der Pessimismus zuletzt im vergangenen Sommer.

    Zur Erläuterung: Pessimismus ist an sich nicht schädlich. Eine solch negative Einschätzung am Boden einer Korrektur ist sogar hilfreich, um den finalen Ausverkauf zu unterstützen, damit anschließend alle „unsicheren Hände“ ihre Aktien verkauft haben und einem nachhaltigen Anstieg nichts mehr entgegensteht.

    Doch aktuell steht Dax nicht am Boden einer Korrektur, sondern erklimmt ständig neue Rekordhochs. In dieser Situation ist Pessimismus nicht gerade hilfreich, im Gegenteil: Es könnte ein erster Vorbote für ein absehbares Ende der Rally sein. Auch die Investitionsbereitschaft ist deutlich zurückgegangen und signalisiert schwächere Kurse. In den kommenden zwei Wochen möchten Anleger kaum noch Aktien zukaufen, die meisten wollen erst einmal abwarten.


    Haben sich Ihre Erwartungen zum Dax in der vergangenen Woche erfüllt?
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    Andere Indikatoren zeigen ein gemischtes Bild. Das Euwax-Sentiment der Börse Stuttgart, an der vor allem Privatanleger handeln, ist zurückgegangen. Das bedeutet: Die Privaten haben verstärkt Put-Hebelprodukte auf den Dax gekauft, was einen Schluss zulässt. Offensichtlich sind viele Anleger mit den bislang erzielten Buchgewinnen zufrieden und sichern ihr Plus durch Puts ab.

    Institutionelle Anleger, die sich über die Frankfurter Terminbörse Eurex absichern, haben in der vergangenen Woche massiv Put-Absicherungen gekauft. Vor einer Woche hatten die Profis noch deutlich mehr Calls gekauft. Doch innerhalb von nur fünf Handelstagen ist das Put/Call-Verhältnis auf 2,9 gesprungen und zeigt die mit Abstand stärkste Put-Nachfrage der vergangenen zwölf Monate. „Die Profis sagen offensichtlich: Das war's mit der Rally“, erläutert der Inhaber des Analysehauses Animusx.

    Auch das Put/Call-Verhältnis der Chicagoer Terminbörse CBOE zeigt ein gestiegenes Interesse der US-Anlageprofis an Put-Optionen, wenngleich die Nachfrage dort nicht so heftig ist wie an der deutschen Eurex.

    US-Fondsanleger haben ihre Investitionsquote wieder auf 86 Prozent (plus 24 Prozent gegenüber der Vorwoche). Damit sieht der Ausverkauf der Vorwoche fast schon wie ein Datenfehler aus. Oder haben Fondsmanager tatsächlich vor einer Woche aus Angst vor einer unkontrollierten Ausbreitung des Coronavirus heftig verkauft, und diese Entscheidung diese Woche wieder rückgängig gemacht?


    Welche Zyklusphase erwarten Sie in drei Monaten?
    Angaben in Prozent


    US-Privatanleger sind moderat bullisch gestimmt, anders als ihre deutschen Kollegen. Der auf technischen Marktdaten basierende „Angst-und-Gier-Indikator“ der US-Aktienmärkte zeigt mit einem Wert von 55 eine neutrale Marktverfassung an. Anders sieht es bei kurzfristigen technischen Indikatoren, die zur Vorsicht mahnen.

    Hinter solchen Erhebungen wie dem Dax-Sentiment stehen – vereinfacht formuliert – zwei Annahmen: Wenn viele Anleger optimistisch sind, haben sie bereits investiert. Dann bleiben wenige übrig, die noch kaufen und damit die Kurse in die Höhe treiben könnten. Umgekehrt gilt: Wenn die Anleger pessimistisch sind, sind sie mehrheitlich nicht investiert. Dann können nur noch wenige verkaufen und damit die Kurse drücken.

    Mehr: Beim Dax-Rekord trügt der Schein – ein Kommentar

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