Dax-Umfrage: Anlegerstimmung gibt Warnsignale: Keine großen Käufe mehr
Düsseldorf. Aus der aktuellen Anlegerstimmung leitet Sentimentexperte Stephan Heibel eine deutliche Warnung ab: Anleger sollten zu diesem Zeitpunkt keine nennenswerten Käufe tätigen.
„In den kommenden Wochen und Monaten sollten sich bessere Kaufgelegenheiten ergeben“, meint er nach Auswertung der Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment. „Wer auf Buchgewinnen sitzt, kann sich überlegen, seine Cashquote ein wenig zu erhöhen und Gewinne mitzunehmen.“
Er begründet seine Warnung mit zwei Punkten.
1. Großer Pessimismus
Da ist zum einen der große Pessimismus, mit dem Anleger in die Zukunft blicken. In den vergangenen zehn Jahren gab es nur sechs Mal einen vergleichbar extremen Pessimismus. Es folgte zwar niemals sofort ein Ausverkauf, doch nach sechs Monaten war die Rally vorbei und es folgte zumindest eine längere Phase der Konsolidierung.
2. Diskrepanz zwischen Stimmung und Erwartung
Das andere Warnsignal lässt sich aus der großen Differenz zwischen der extrem positiven aktuellen Stimmung und dem extremen Pessimismus ableiten. Die Differenz war nur zwei Mal in der Vergangenheit vergleichbar groß.
Das war Anfang Mai 2017 der Fall, als Donald Trump US-Präsident war und seine polternde Politik zu großer Angst führte, während die Kurse gleichzeitig unaufhaltsam anstiegen. Anschließend begann im Juni ein Rücksetzer von neun Prozent.
Auch Mitte 2020 gab es eine solch große Differenz, als sich die Kurse nach dem Coronacrash bereits nahezu auf das Vor-Corona-Niveau erholt hatten. Es folgte zunächst eine Seitwärtsbewegung und im Oktober rutschte der Dax mehr als 13 Prozent ab.
Aktuelle Umfragedaten
In der vergangenen Handelswoche klettert der Dax von Allzeithoch zu Allzeithoch. Die Rally wird getragen durch den Immobilienmarkt und Rüstungstitel.
Anleger freuen sich natürlich über die Rally, die Börsenparty ist in vollem Gange. In den vergangenen sieben Wochen war die Stimmung fünf Mal extrem gut. Auch am Ende der vergangenen Woche lag dieser Wert bei plus 4,2 und damit im Bereich der Euphorie. Auch um die Selbstzufriedenheit der Anleger ist es gut bestellt, wie der Wert von plus 3,8 zeigt.
Es wird gefeiert, aber offenbar wissen die Anleger, dass dies eigentlich nicht so weitergehen kann. Die Zukunftserwartung ist mit einem Wert von minus 4,3 im extrem negativen Bereich. Auch die Investitionsbereitschaft ist mit einem Wert von minus 1,1 sehr gering.
Das Euwax-Sentiment der Börse Stuttgart, an der Privatanleger handeln, zeigt mit einem Wert von minus sechs, dass sich die Anleger dort moderat absichern. In den Depots der Privaten liegen bei einem negativen Wert mehr Put-Derivate, die bei fallenden Kursen im Wert steigen, als Call-Optionsscheine, mit denen man auf steigende Notierungen setzt.
Auch die Profis, die sich über die Frankfurter Terminbörse Eurex gegen Kursverluste absichern, kaufen Put-Absicherungen zu, wie das Put-Call-Verhältnis von 1,5 zeigt.
Das Put-Call-Verhältnis an der Chicagoer Terminbörse Cboe ist ebenfalls angestiegen, auch in den USA werden Put-Absicherungen verstärkt nachgefragt.
US-Fondsanleger sind mit einer Investitionsquote von 104 Prozent stark investiert. Die Zahl von mehr als 100 Prozent kommt durch den Einsatz von risikoreicheren Hebelprodukten zustande.
Die Bulle-Bär-Differenz der US-Privatanleger zeigt mit einem Wert von 27 Prozentpunkten eine starke Dominanz der Bullen, also der optimistischen Anleger, an. Die Hälfte der Anleger ist positiv gestimmt, nur 22 Prozent zählen zu den Pessimisten.
Der anhand technischer Marktdaten berechnete „Angst-und-Gier- Indikator“ der US-Märkte zeigt mit einem Wert von 72 Prozent moderate Gier an. Werte ab 75 Prozent signalisieren extreme Gier, die als Warnsignal betrachtet wird.
Andere technische Indikatoren wie der „Short Range Oscillator“ zeigen eine stark überkaufte Situation an. Zumindest kurzfristig ist somit Vorsicht geboten.
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