Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Dax-Umfrage Kaufbereitschaft bleibt hoch: Kurse dürften vorerst weiter steigen

Die heftige Rotation am Aktienmarkt beschert Anlegern ein Wechselbad der Gefühle. Nun liefert ein wichtiger Stimmungsindikator erste Warnhinweise.
07.12.2020 - 15:27 Uhr Kommentieren
Dax-Sentiment: Es gibt keine Corona-Gewinner- & Verliererbranchen mehr Quelle: Bloomberg
Bulle und Bär vor der Frankfurter Börse

Viele Anleger stehen der Dax-Rally skeptisch gegenüber.

(Foto: Bloomberg)

Düsseldorf Seit fünf Wochen herrscht Feierstimmung an den Börsen. Auslöser war die erste Meldung, dass es einen Corona-Impfstoff geben wird. Doch mittelfristig dürfte es zu einer Phase der Übertreibung, einer Euphorie, kommen – mit anschließend fallenden Kursen. Das ist das Ergebnis der wöchentlichen Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment unter mehr als 3800 Anlegern.

Sentiment-Experte Stephan Heibel, der die Umfrage für das Handelsblatt auswertet, meint: „Nun ist es zu spät für beherzte, langfristige Überzeugungskäufe im breiten Markt.“

Grundlage für diese Einschätzung ist der etwas behäbig reagierende Fünf-Wochen-Durchschnitt des Anlegersentiments. Dieser Indikator ist mittlerweile auf ein hohes Niveau von 12,7 Prozent gestiegen. Damit entwickelt er sich langsam in Richtung Übertreibung (siehe Grafik). Von einer solchen spricht man ab Extremwerten von mehr als 20 Prozent.

„Infolge des historisch niedrigen Sentiments während des Corona-Crashs ist nun eine entsprechend übertriebene Gegenbewegung durchaus möglich“, analysiert Heibel. Eine solche Übertreibung kann mehrere Wochen lang dauern, ohne dass die Kurse nachgeben. „Es ist der Hinweis: Wer bislang noch nicht voll investiert ist, der sollte nun vorsichtig sein, den Kursen hinterherzulaufen.“

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Denn die Kurse befinden sich bereits auf einem hohen Niveau. Zuletzt herrschte bei den Einzelwerten eine extreme Rotationsphase. Dabei steht die Frage im Fokus: Wie sieht die Zeit nach Corona aus?

    Wie extrem diese Rotationsphase verläuft, lässt sich am Beispiel der Automobilindustrie erläutern. Wenn die Corona-Pandemie vorbei ist, werden voraussichtlich wieder mehr Autos verkauft – vor allem „intelligente Autos“ mit einer größeren Zahl von Chips, die möglichst per Funk miteinander kommunizieren können. So legte die Siltronic-Aktie, Hersteller der Basisplatten für Chips, vergangene Woche um mehr als zehn Prozent zu. Die Papiere von Leoni hingegen, Lieferant von Kupferkabeln, brachen um neun Prozent ein.

    Grafik

    Ein anderes Rotationsbeispiel: Der Reisekonzern Tui hat weitere Staatshilfen nur gegen eine 25-prozentige Beteiligung des Staates erhalten, wird somit quasi zum Staatsbetrieb. Die Aktie brach um zwölf Prozent ein. Flughafen-Betreiber Fraport kommt ohne Hilfen durch diese Krise, die Aktie stieg um zwölf Prozent.

    Zu den Gewinnern zählte auch die Global Fashion Group mit einem Plus von acht Prozent. Das Unternehmen betreibt einen Onlinemarktplatz im asiatischen Raum. Dort ist die Corona-Pandemie so gut wie beendet. Einer der großen Verlierer war dagegen die Rational-Aktie mit einem Minus von neun Prozent. Der Anbieter von Industrieküchen für die Gastronomie steht unter Druck, weil der verlängerte Teil-Lockdown hierzulande das Ende für viele Gastronomen bedeuten könnte.

    Heibel sieht trotz der heftigen Rotation noch Einstiegschancen für Anleger: „Es gibt weiterhin viele Aktien, die auch mittel- und langfristig noch sehr günstig sind.“ Aber die Corona-Pandemie hat auch einige Aktien auf Höhen katapultiert, die nicht mehr lange gehalten werden können.

    Bei Einzeltiteln lohne sich derzeit also ein Blick auf das Bewertungsniveau. „Günstige Titel können weiterhin eingesammelt werden. Die Highflyer hingegen sollten zumindest mit einem engen Stop Loss abgesichert werden“, lautet seine Empfehlung.


    In welcher Zyklusphase befinden sich die Märkte Ihrer Meinung nach aktuell?
    Angaben in Prozent


    Aktuell hat der Dax zwar noch Kurspotenzial, aber nur so lange, wie die US-Indizes seitwärts laufen. In den USA ist die Stimmung aber bereits euphorisch. Das ist ein Warnsignal: Denn wenn euphorische Stimmung herrscht, haben alle gekauft und es gibt kaum noch Investoren, die dann fallende Kurse stoppen können.

    Doch vorerst sichert die unverändert hohe Investitionsbereitschaft von 2,3 (minus 0,9 Prozentpunkte gegenüber der Vorwoche) dem Dax eine stabile Unterstützung. Die Kurse dürften zunächst weiter steigen, sofern keine deutlich negativen Ereignisse diesen Trend stoppen. In der Börsensprache würde man sagen: Gewinne laufen lassen.

    Die Rotation am Aktienmarkt beschert den Anlegern, die sich auf Einzeltitel fokussieren, ein Wechselbad der Gefühle. Anleger, die in breit gestreute Fonds investiert sind, können das anders sehen. So ist das Anlegersentiment mit einem Wert von 2,0 ein wenig zurückgekommen und pendelt somit im neutralen Bereich. In der Vorwoche lag dieser Wert noch bei 2,8.


    Haben sich Ihre Erwartungen zum Dax in der vergangenen Woche erfüllt?
    Angaben in Prozent


    Auch die Selbstzufriedenheit hat deutlich zugenommen (um minus 0,9 Prozentpunkte auf 0,7). Offenbar können sich viele Fondsanleger die unterschiedlichen Kursentwicklungen kaum erklären.

    Hingegen steigen die Zukunftserwartungen um 0,8 Prozentpunkte auf einen Wert von 5,2. Es gibt aktuell dreimal so viele Optimisten wie Pessimisten. Dafür gibt es offensichtlich drei Gründe: Bald steht ein Impfstoff zur Verfügung, die Nachrichtenlage zum bevorstehenden Präsidentschaftswechsel in den USA hat sich beruhigt, und die EU hält den Brexit für verkraftbar. Eventuelle Rückschläge beim Dax dürften aufgrund dieser starken Unterstützung begrenzt bleiben.


    Welche Zyklusphase erwarten Sie in drei Monaten?
    Angaben in Prozent


    Das Euwax-Sentiment der Börse Stuttgart, an der Privatanleger handeln, zeigt mit einem Wert von minus drei weiterhin nur eine leichte Absicherungsneigung gegen Kursverluste an. Ein negativer Euwax-Wert bedeutet: In den Depots der Privatanleger sind mehr Put-Hebelprodukte, die von fallenden Kursen profitieren, als Call-Derivate.

    Auch die Profis, die sich über die Frankfurter Terminbörse Eurex absichern, haben nach den heftigen Aktivitäten infolge der Impfstoffmeldungen nun wieder eine moderate Absicherungsneigung an den Tag gelegt. Das Put-Call-Verhältnis zeigt mit einem Wert von 2,1 einen leichten Überhang von Put-Käufen an, also Absicherungspositionen.


    Werden Sie in den nächsten beiden Wochen handeln?
    Angaben in Prozent


    In den USA herrscht ungebremste Spekulationsfreude an steigenden Kursen. Das Put-Call-Verhältnis an der Chicagoer Terminbörse CBOE ist weiterhin extrem niedrig, was einem Überhang an Call-Optionen entspricht. Auch die Investitionsquote der US-Fondsanleger ist mit einem Wert von 103 Prozent (minus vier Prozentpunkte gegenüber der Vorwoche) sehr hoch. Ein Wert von 103 Prozent heißt, dass mindestens drei Prozent der Käufe kreditfinanziert sind.

    US-Privatanleger haben ein Bulle-Bär-Verhältnis von 26 Prozent zugunsten der Bullen, der Optimismus ist bereits auf einem extrem hohen Niveau. Auch der anhand technischer Marktdaten berechnete „Angst-und-Gier-Indikator“ der US-Aktienmärkte zeigt mit 85 Prozent extreme Gier unter Anlegern an. Andere kurzfristige technische Indikatoren notieren bereits seit mehreren Wochen im überkauften Bereich und machen eine Korrektur immer wahrscheinlicher.

    Sie wollen an der Umfrage teilnehmen? Dann lassen Sie sich automatisch über den Start der Sentiment-Umfrage informieren und melden Sie sich für den Dax-Sentiment-Newsletter an. Die Umfrage startet jeden Freitagmorgen und endet Sonntagmittag.

    Mehr: Besser als Amazon und Facebook: Sechs Tech-Aktien mit Zukunftspotenzial

    Startseite
    Mehr zu: Dax-Umfrage - Kaufbereitschaft bleibt hoch: Kurse dürften vorerst weiter steigen
    0 Kommentare zu "Dax-Umfrage: Kaufbereitschaft bleibt hoch: Kurse dürften vorerst weiter steigen"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%